Neues aus dem Pop-Matriarchat

Miley Cyrus, geb. 1992 in Nashville, einst bekannt als Kinderstar Hannah Montana, ist Tochter einer Filmproduzentin mit Groupie-Vergangen-heit und eines Country-Sängers.

Miley Cyrus: „Mother's Daughter“.
Miley Cyrus: „Mother's Daughter“.
Miley Cyrus: „Mother's Daughter“. – (c) Beigestellt

Miley Cyrus: „Mother's Daughter“. Der Anfang ist genial: Ein, nein: das Gitarrenriff, nämlich das von Eddie Cochrans „C'mon Everybody“, wird kurz angespielt, gleich verzerrt, bevor es von einem flackernden Beat verdrängt wird. „Hallelujah, I'm a freak“, mit dieser Zeile meldet sich Miley Cyrus zu Wort. Freak, darunter verstand die Hippie-Generation einen Non-Konformisten, Cyrus führt das Wort im Video zu seiner ursprünglichen Bedeutung zurück, zeigt – etwa durch Fettsucht – monströs aussehende Menschen und sich selbst in einem Latexgewand mit anstößigen Applikationen: Enterotisierte Erotik, ganz im Sinn der frühen Punks (denen sich Cyrus auch nähert, indem sie ein Sex-Pistols-T-Shirt trägt). Der Song freilich hat nichts mit Punk zu tun, ist nur perfekter Pop, mit der Pointe, dass die Sängerin erklärt, dass sie wohl alle ihre Unarten („I'm nasty, I'm evil“) von ihrer Mutter habe. Wie das halt so ist bei uns im Pop-Matriarchat.

Den Song der Woche küren allwöchentlich Thomas Kramar („Die Presse“) und Christoph Sepin (Radio FM4). Zu hören ist er am Sonntag zwischen 19 Uhr und 21 Uhr auf FM4. Weitere Infos auf www.diepresse.com/songderwoche und fm4.ORF.at.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.07.2019)

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