Die Frau studiert Kriegskunst

Grimes, geboren als Claire Boucher 1988 in Vancouver, wird ihr fünftes Album „Miss Anthropocene“ nennen und darauf selbst als Göttin des Klimawandels auftreten.

Grimes, geboren als Claire Boucher.
Grimes, geboren als Claire Boucher.
Grimes, geboren als Claire Boucher.

Grimes: „Violence“. Wie kleine Mädchen klingen heute die meisten Frauen im Pop. Grimes übersteigert diesen – irgendwie befremdlichen – Trend: Vor allem am Beginn ihres neuen Songs klettert sie, begleitet von dunklem Grollen, in allerhöchste Register, mengt die Spitzentöne mit Hecheln und Keuchen. In diesen extremen Gefilden der Stimme verschwimmen extreme Gefühle, vor allem Angst und Ekstase. Ist es das, was Grimes mit Gewalt meint? Und was meint sie mit „You feed off hurting me“? Mit „You wanna make me bad, and I like it like that“? Im Video posiert sie mit Gehilfinnen vor hellenistischer Szenerie, hält bald ein Schwert in der Hand, bald ein Buch, die „Kunst des Krieges“ des alten chinesischen Philosophen Sunzi. Welchen Krieg studiert sie? Den Krieg der Liebe? Der Rhythmus, eigentlich archaischer Disco, macht keine Gefangenen. Und dann kommt wieder eine so unglaubliche Höhe . . . Arger Song.

Den Song der Woche küren allwöchentlich Thomas Kramar („Die Presse“) und Christoph Sepin (Radio FM4). Zu hören ist er am Sonntag zwischen 19 Uhr und 21 Uhr auf FM4. Weitere Infos auf www.diepresse.com/songderwoche und fm4.ORF.at.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.09.2019)

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