Dan Ettinger: „Vom ersten Moment an“

Der israelische Dirigent Dan Ettinger feiert mit der Premiere von „Le nozze di Figaro“ sein Salzburger Festspieldebüt.

Mozart ist seine größte Liebe. Dan Ettinger, Pianist, Bariton und Dirigent. Heuer erstmals in Salzburg mit dem „Figaro“.
Mozart ist seine größte Liebe. Dan Ettinger, Pianist, Bariton und Dirigent. Heuer erstmals in Salzburg mit dem „Figaro“.
Mozart ist seine größte Liebe. Dan Ettinger, Pianist, Bariton und Dirigent. Heuer erstmals in Salzburg mit dem „Figaro“. – (c) Hans Joerg Michel

„Figaros Hochzeit“ ist die letzte der Mozart-Premieren, die Sven-Eric Bechtolf im Zuge des von ihm inszenierten Zyklus der drei Da-Ponte-Opern einstudiert. Für diesmal steht einer der meistdiskutierten Exponenten der jungen Dirigentengeneration am Pult: Dan Ettinger. 1971 in Israel geboren, hat er eine umfassende musikalische Ausbildung erfahren, war Pianist und Bariton. Seit 1999 steht er freilich mehr und mehr am Dirigentenpult.

Als Sänger und Instrumentalist erlernte er das Metier von der Pike auf und freut sich, nach all den Erfahrungen, die er bisher in den wichtigsten Opernhäusern der Welt sammeln durfte, im Salzburger Festspielhaus angelangt zu sein. „Hier eine Neuproduktion erarbeiten zu dürfen“, sagt er im „Presse“-Gespräch, „ist zuerst einmal eine große Ehre. Es ist aufregend, Teil der langen und immensen Tradition dieses Festivals werden zu dürfen. Es macht mich stolz, einer in der Riege der vielen exzellenten Dirigenten und Künstler zu werden, die Salzburg und das Publikum über die Jahre hin so reich be­schenkt haben.“

Reizvoll und heikel. Dass es gleich ein Werk des Genius Loci, noch dazu der „Figaro“ ist, mit dem er seinen Einstand feiert, ist für Ettinger natürlich ein zusätzlicher Reiz. Mozart in Salzburg, Mozart in unseren Tagen, nach den Umwälzungen der Originalklang-Bewegung, das gilt als eine der heikelsten Aufgaben für einen Interpreten.

„Abgesehen von der problematischen Tatsache, dass natürlich jeder Musikfreund seine eigene Meinung darüber hat, wie Mozarts Musik gespielt werden muss und wie sie klingen soll“, sagt Ettinger, „abgesehen auch von den höchst unterschiedlichen Herangehensweisen, ob man sich den Stücken mit sogenannten Originalinstrumenten oder mit dem althergebrachten Orchester-Instrumentarium anzunähern versucht: Ich finde, die größte Herausforderung ist, den dramaturgischen Ansprüchen dieses Komponisten gerecht zu werden, die vielfältigen Beziehungen zwischen Libretto und Partitur zu reflektieren, während man Stil und Struktur der Wiener Klassik respektiert. Mozart hat ja die Reglements herausgefordert, hat die harmonischen, melodischen, formalen Möglichkeiten ausgeweitet, hat Grenzen neu gezogen. Und das so effektvoll, dass wir uns selbst davon bis heute animiert sehen, Grenzen zu überschreiten!“

Dergleichen gilt in Sachen Dramaturgie freilich auch für den Regisseur, dem Ettinger ein gleichberechtigter Partner sein will. Anders als manche Kollegen, die erst spät im Proben-Prozess hinzustoßen, arbeitet er vom ersten Tag an mit. „In jeder neuen Produktion“, sagt er, „sehe ich mich nicht als der Mann, der einfach seine Arbeit als Dirigent macht, indem er Orchester, Chor und die Sänger musikalisch führt. Ich bin an der Entstehung der Aufführung unmittelbar beteiligt, und zwar vom ersten Moment der Bühnenproben an! Bei Mozarts Da-Ponte-Opern scheint mir das besonders wichtig, weil da so viel Anregungen von den brillant gedichteten und komponierten Rezitativen ausgehen: In Wahrheit kann sich jedes Detail einer Inszenierung, jedes Wort, jede Bewegung, das Tempo, die Akzente, Pausen et cetera, aus den Vorgaben der Partitur ergeben.“

Wobei Ettinger sich wiederum in Salzburg in Sachen Klang und Stil vom Orchester inspirieren lassen möchte: „Nach vielen Aufführungen, die ich an der Wiener Staatsoper dirigiert habe, bin ich froh, einmal die Chance zu haben, eine Mozart-Oper mit den Wiener Philharmonikern gestalten zu dürfen. Als Bewunderer der Tradition dieses Orchesters und nicht zuletzt auch von dessen legendärer Mozart-Kompetenz, freue ich mich, dass ich mich davon inspirieren lassen und meinen eigenen Beitrag zu dieser alten, reichen Tradition leisten darf.“

Als Zuschauer hat Dan Ettinger die Salzburger Festspiele schon besucht, während er noch als Bariton aktiv war: „Damals erlebte ich Wagners ,Tristan‘ unter Lorin Maazel – und es war eine überwältigende Erfahrung für mich.“ Der „Figaro“ hat übrigens schon früh im Leben Dan Ettingers eine Rolle gespielt: „,Figaro‘ war die erste Oper, die ich live im Theater erlebte. Ich war noch in der Schule und hatte begonnen, Klavier zu spielen. Aber mit Gesang, mit Oper, konnte ich damals nicht viel anfangen. Ich bin froh, dass sich das geändert hat. Aus dem Klavierspieler ist ein Sänger geworden, und aus dem Sänger ein Dirigent, dessen größte Liebe mittlerweile Mozart ist!“

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