Horror-Serie: In "The Purge" ist Mord eine Nacht lang erlaubt

In der gleichnamigen Filmreihe herrscht in den USA einmal im Jahr Gesetzlosigkeit. Das brutale Gedankenexperiment wird in der neuen Mini-Serie "The Purge“ fortgesetzt.

In der Serie opfert eine Sektenführerin gehirngewaschene Teenies an Mordlustige.
In der Serie opfert eine Sektenführerin gehirngewaschene Teenies an Mordlustige.
In der Serie opfert eine Sektenführerin gehirngewaschene Teenies an Mordlustige. – (c) Patti Perret/USA Network

Wer beim Aufheulen der Sirene noch nicht Fenster und Türen verbarrikadiert hat, dem stehen ungemütliche zwölf Stunden bevor. Denn wenn der blecherne Countdown heruntergezählt ist, startet die jährliche „Purge“: Eine Nacht lang sind in den USA alle Verbrechen erlaubt. Während sich die meisten hinter stählernen Rollos verstecken, ziehen Mordlüsterne durch die Straßen, um einander mit Axt und Säbeln die Schädel einzuschlagen. Spezielle Versicherungen schützen den Besitz, fürs Leben gibt es keine Garantie: Notfalldienste wie Rettung und Polizei sind außer Dienst.

Die blutigen Leichen am Straßenrand sind meist die Armen, Obdachlosen und Übermütigen. Einzig hochrangige Regierungsmitarbeiter bekommen während der „Purge“ Immunität zugesichert. Die Regierung argumentiert mit sinkender Arbeitslosigkeit, angekurbelter Wirtschaft und kontrollierter Kriminalität für den legitimierten Massenmord.

Der Reiz der Apokalypse

Wer diese gewagte Gesellschaftstheorie aus der Horrorfilm-Reihe „The Purge“ soziologisch, psychologisch oder ökonomisch hinterfragt, wird zum Schluss kommen, dass sie abseits der Kinoleinwand wenig Bestand hätte. Die sozioökonomische Ungleichheit würde sich steigern (weil sich nur die Reiche Sicherheit kaufen könnten) und die Gesellschaft würde zunehmend verrohen (weil sich die Brutalität nicht auf eine Nacht beschränken ließe). Der Reiz liegt viel mehr im Gedankenexperiment, in der Frage: Was würde man selbst tun? Und wem vertraut man in der Gesetzlosigkeit?

Im Juli kam der vierte Teil „The First Purge“ in die US-Kinos. Nachdem der Film die deutschen Kinocharts anführte, legt NBC Universal nun eine Mini-Serie rund um die blutige Dystopie nach. Seit vergangener Woche sind auf Amazon Prime die ersten zwei Originalfolgen zu sehen, ab dem 21. September folgt die Synchronversion.

Mit Eindringlingen im Eigenheim („The Purge“), dem Überlebenskampf auf der Straße („Anarchy“) und der politischen Instrumentalisierung („Election Year“) wurde das Konzept bereits gründlich abgearbeitet. In der zehnteiligen Serie versucht man sich nun an gleich vier Handlungssträngen gleichzeitig: Ein polyamouröses Paar besucht eine groteske Purge-Party. Eine Investmentfirma ordert ihre Mitarbeiter ins Büro – die Wirtschaft schläft schließlich nicht. Und gleichzeitig versucht ein Marinesoldat seine Schwester Penelope zu finden, die einer suizidalen Sekte beigetreten ist. Diese fährt unterdessen in einem Bus voller Teenies durch die Stadt, um sich selbst zu opfern und dadurch in die "Unsichtbarkeit" zu gelangen.

Mordtoursimus und Purge-Partys

Für eine Horrorserie fließt – anderes als in den Filmen – erstaunlich wenig Blut. Die Erzählweise ist langsamer, die Charaktere sind detaillierter. Die Serienmacher scheinen einen Genrewechsel zum Psychothriller vollziehen zu wollen. Doch was man einem Horrorfilm noch verzeiht, wird jetzt problematisch: Zu viele Logikfehler im Drehbuch, platte Figuren, unrealistische Handlungsweisen. Spannend wird es nur dann, wenn die kleinen Geschichten im Hintergrund angedeutet werden.

Etwa dass manche Taxifahrer die ganze Purge-Nacht lang durchfahren, weil sie ihre Preise drastisch erhöhen können. Dass Mordtouristen eigens für den blutigen Feiertag in die USA einreisen. Und dass die reichen Amerikaner Verträge aufsetzen, die Purge-Partygäste dazu verpflichtet, ihre Gastgeber nicht abzuschlachten. Denn sein Wort zu brechen – das geht selbst in dieser düsteren Zukunftsvision zu weit.

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