"M - eine Stadt sucht einen Mörder": Berlin war düster, Wien ist düsterer

Die Adaption des Fritz-Lang-Klassikers läuft seit 17. Februar im ORF. Es ist weniger Krimi als das Psychogramm einer Großstadt.

Im Bild: Julia Stemberger (Psychologin), Verena Altenberger (Mutter Elsie).
Im Bild: Julia Stemberger (Psychologin), Verena Altenberger (Mutter Elsie).
Im – Julia Stemberger (Psychologin), Verena Altenberger (Mutter Elsie). / Bild: (c) ORF (Ingo Pertramer)

Es hat geschneit in Wien, der Schnee legt sich wie eine weiße Decke über die Stadt. Die achtjährige Elsie war abgelenkt auf dem Heimweg und hat ihre Winterjacke „ausgestreut“, wie man hier sagt. Ihre nervenschwache Mutter (Verena Altenberger) schimpft und schickt sie erbost hinaus, um die Jacke zu finden. Doch das Mädchen kehrt nicht zurück. Elsie ist weg, wie zuvor ein Flüchtlingsmädchen. Schnell wird klar, was da passiert: Ein Serienmörder geht um. Die Morde versetzen Polizei, Politik, Medien und die Eltern kleiner Kinder in Nervosität.

Es sind starke, einprägsame Bilder aus Wien, mit denen die Adaption des Fritz-Lang-Klassikers „M – eine Stadt sucht einen Mörder“ aufwartet. Ein Clown mit roter Perücke und Downsyndrom steht im verschneiten Wien, einer seiner weißen Luftballone mit Grinsegesicht fliegt durch die Luft. Es ist kalt in der Stadt – und das liegt nur bedingt am Schnee.

Schnell packt einen diese Geschichte, die weniger Krimi als das Psychogramm einer Großstadt ist. Deswegen ist die Besetzungsliste auch so lang und prominent. Was die Koproduktion von ORF, dem zu RTL gehörenden Videoportal TV NOW und Superfilm mit rund 6,2 Millionen Euro zu einer der teuersten Serienproduktionen im deutschsprachigen Raum gemacht hat.

Verena Altenberger und Lars Eidinger spielen das entfremdete Elternpaar von Elsie, Moritz Bleibtreu einen Verleger mit bestem Draht zum Innenminister, Christian Dolezal und Sarah Viktoria Frick die Kommissare, Murathan Muslu den Einsatzleiter, Johanna Orsini-Rosenberg die Polizeipräsidentin, Sophie Rois die Königin der Unterwelt und Udo Kier einen mysteriösen Mann im Fuchspelzmantel, der alles um sich herum sieht und fotografiert.

„M“ ist David Schalkos bisher politischste Serie und die erste, die er mit seiner Frau Evi Romen geschrieben hat. Das Entsetzen über die Kindermorde wirkt gerade nach den gehäuften Frauenmorden seit Jahresbeginn nachvollziehbar. Langs Originalgeschichte wurde um die Flüchtlingsthematik erweitert. Und der Innenminister, obwohl lange vor der Angelobung der türkis-blauen Regierung mit Dominik Maringer besetzt, hat erstaunliche Ähnlichkeit mit Europaminister Gernot Blümel. Der ORF zeigt die sechsteilige Mini-Serie ab 17. Februar am „Tatort“-Platz: sonntags um 20.15 Uhr. (awa)

 

Bela B Felsenheimer (Bleicher Mann).
Bela B Felsenheimer (Bleicher Mann).
Bela B Felsenheimer (Bleicher Mann). – (c) ORF (Ingo Pertramer)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      "M - eine Stadt sucht einen Mörder": Berlin war düster, Wien ist düsterer

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.