„Good Omens“: Ein Engel und ein Dämon gegen Armageddon

Die Welt ist zu schön, um zerstört zu werden. Eine amüsante Miniserie rund um den Kampf zwischen Gut und Böse, die auf einem Kultbuch von Terry Pratchett und Neil Gaiman basiert.

Ein Traumpaar: Michael Sheen als naiver Engel und David Tennant als eloquenter Dämon.
Ein Traumpaar: Michael Sheen als naiver Engel und David Tennant als eloquenter Dämon.
Ein Traumpaar: Michael Sheen als naiver Engel und David Tennant als eloquenter Dämon. – (c) Amazon Prime

Das Leben auf der Erde ist manchmal schwer zu verstehen. Wie entstehen die großen Triumphe und Tragödien der Geschichte? „Sie werden nicht von Menschen herbeigeführt, die grundsätzlich gut oder böse sind – sondern von Menschen, die grundsätzlich menschlich sind.“ Dieser Gedanke wird in der Miniserie „Good Omens“ auf die Spitze getrieben. Denn in der satirischen Fantasy-Geschichte um den bevorstehenden Weltuntergang, den Showdown zwischen Himmel und Hölle, agieren nicht nur die Menschen äußerst menschlich. Sondern auch der Dämon Crowley und der Engel Erziraphael, die bereits einige Zeit auf der Erde verbrachten.

Seit dem Sündenfall standen sie sich immer wieder gegenüber, sie waren vor Ort, als die Arche Noah beladen und Jesus gekreuzigt wurde, sie prosteten einander im antiken Rom zu und verhandelten in Ritterrüstung gute und böse Taten. Irgendwann wurde aus dem Gegeneinander ein zartes Miteinander mit feinsinnigen, sarkastischen Dialogen. Es sind die stärksten Momente der Serie, wenn der Dämon (herrlich: David Tennant) und der Engel (ebenso gut: Michael Sheen) über ihre Chefs diskutieren und der Gesandte der Hölle es verwerflich findet, dass Gott bei der Sintflut nicht einmal die Kinder verschont. Oder wenn Erziraphael wegen seiner kleinen Laster (gute Kleidung und französische Küche) fast unter der Guillotine zu liegen kommt. Die beiden mögen die Welt. Weshalb sie auf eigene Faust und ohne das Wissen von Himmel und Hölle versuchen, das nahende Armageddon abzuwehren.

Die Serie beruht auf dem 1990 erschienenen gleichnamigen Roman des damals noch recht unbekannten „Scheibenwelt“-Autors Terry Pratchett und Neil Gaiman (“American Gods”). Vor seinem Tod wünschte sich Pratchett noch eine Verfilmung, die nun endlich verwirklicht wurde. Die Kooperation von BBC und Amazon Prime wurde hochklassig besetzt, die Stimme Gottes etwa gehört Frances McDormand („Three Billboards“), der einfältig-bürokratische Erzengel Gabriel wird von „Mad Men“-Star Jon Hamm gespielt. Und Benedict Cumberbatch („Sherlock“) leiht Satan seine Stimme.

Geschwätzige Erzähler

Die vielen Off-Stimmen sind für den Fluss der Serie allerdings hinderlich, der Witz des mit Fußnoten gespickten Buchs wirkt am Bildschirm schaumgebremst. Die Kommentatoren nehmen dem drohenden Armageddon, ausgelöst durch einen nichtsahnenden Buben, dem Sohn Satans, einigen Wind aus den Segeln. Man kann damit allerdings leben: Die beinahe romantische Männerfreundschaft zwischen dem Engel und dem Dämon und ihre sehr weltlichen Probleme entschädigen ausreichend.

Die sechs etwa einstündigen Episoden der Miniserie sind ab 31. Mai auf Amazon Prime zu sehen.

 


[PI5IC]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.05.2019)

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