„How to Sell Drugs Online (Fast)“: Netflix-Serie als Generationenporträt

Die neueste deutsche Netflix-Produktion über Teenager im Erfolgsrausch: eine allzu oberflächliche Spielerei aus der Böhmermann-Schmiede.

„How to Sell Drugs Online (Fast)“ basiert auf der wahren Geschichte eines 18-jährigen Leipzigers.
„How to Sell Drugs Online (Fast)“ basiert auf der wahren Geschichte eines 18-jährigen Leipzigers.
„How to Sell Drugs Online (Fast)“ basiert auf der wahren Geschichte eines 18-jährigen Leipzigers. – (c) Netflix

Man rede nicht darüber, wenn man mit einem Online-Drogenimperium seine Millionen verdiene, zumal als Teenager, sagt Moritz in die Kamera. So blöd dürfe man nicht sein. Es sei denn – und jetzt grinst er breit –, Netflix rufe an und wolle eine Serie über einen machen. „Badam!“, singt er den Jingle des Streamingdienstes nach. Und grinst noch ein bisschen breiter.

Selbstreferenziell, verspielt, selbstbewusst und auch ein bisschen hochmütig: Wer will, kann schon in den ersten Minuten der neuesten deutschen Netflix-Produktion, „How to Sell Drugs Online (Fast)“, Parallelen zu einer anderen Sendung ziehen, die aus derselben Schmiede kommt: Die Kölner Bildundtonfabrik, die die Serie produziert hat, steckt auch hinter Jan Böhmermanns Satireshow „Neo Magazin Royale“ (und nebenbei auch hinter dem Video zum Bilderbuch-Song „Frisbee“); die Autoren der Serie sind auch im kreativen Team Böhmermanns.

„How to Sell Drugs Online (Fast)“ basiert auf der wahren Geschichte eines 18-jährigen Leipzigers, der zwischen 2013 und 2015 vom Kinderzimmer aus Drogen nach ganz Europa verkaufte. Dessen Serienversion, Moritz, ist ein verklemmter Nerd, der mit seinem körperbehinderten Freund Lenny schon in präpubertären Zeiten erfolglose Crowdfunding-Kampagnen lanciert hat. Mit dem Ecstasy-Handel scheint es nun endlich zu klappen. Programmiert ist der Shop in einer Nacht, mit illegalem Vertrieb kennt sich Moritz naturgemäß aus: „In meiner Generation war vermutlich jeder schon mal im Darknet.“

Überall Chat-Sprechblasen

Diese Generation zu porträtieren scheint ein Hauptanliegen der Serie zu sein, die gewählten Mittel sind denkbar plakativ: Da poppen ständig Chat-Sprechblasen auf, Figuren werden via Instagram vorgestellt und laufen auf dem Schulweg durch einen Videospielparcours. Andere Stilmittel dürften eher jene Jahrgänge ansprechen, die ihre ersten Drogen nicht in Bitcoins bezahlt haben: etwa wenn Mystery-Master Jonathan Frakes („X-Factor“) das Darknet erklärt, eine nette Überraschung für Kinder der 1990er-Jahre. Eine nette Überraschung für das österreichische Publikum: Stefanie Reinsperger spielt eine gestandene Kleinstadtpolizistin.

Warum Moritz überhaupt Drogen verkauft? Weil er seine Exfreundin beeindrucken will – komplexer wird's nicht. Und das ist die große Schwäche der Serie: Sie tut radikal, bleibt dabei aber schrecklich oberflächlich. Wirklich zu interessieren scheint sie sich für die Generation Darknet nicht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.06.2019)

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