„The Boys“: Diese Helden sind nicht super

In der Serie „The Boys“ spielt in einer Gesellschaft, die von Superhelden beschützt und betrogen wird. Für alle, die Spannung gern mit etwas absurdem Witz und Sozialkritik genießen.

Die sieben Superhelden: Der dritte von links ist nicht kopflos, er kann sich unsichtbar machen, und deshalb sieht man nur sein Kostüm.
Die sieben Superhelden: Der dritte von links ist nicht kopflos, er kann sich unsichtbar machen, und deshalb sieht man nur sein Kostüm.
Die sieben Superhelden: Der dritte von links ist nicht kopflos, er kann sich unsichtbar machen, und deshalb sieht man nur sein Kostüm. – (c) Amazon

Nein, der Jüngste ist er nicht mehr: Homelander, der blonde Superheld, dem die Menschen vertrauen, weil er so strahlend lächelt, die USA zuverlässig großartig findet und durch die Kraft seiner Augen ein Flugzeug zum Absturz bringen kann. Eigentlich schaut er sogar ein bisschen überwutzelt aus: Sein Cape wirkt wie ein billiges Kostüm. Das Blond seiner Haare scheint nicht ganz echt zu sein. Der Zug um seinen Mund ist ein bisschen hart. Manchmal plagen ihn Fantasien von seiner Vorgesetzten, wie sie ihre Milch abpumpt. Das heißt: Man weiß nicht recht, ob die Fantasien ihn plagen oder ihn erregen.

Ja, die Superhelden in dem neuesten Streich aus dem Hause Amazon sind nicht ganz so super, wie ihre Fans sie gern hätten. Nicht so jung, nicht so schön, nicht so glücklich. Dafür reicher, gemeiner, ausgebuffter – und vor allem korrupter: Sie haben Gefallen an der Macht gefunden, überlegen sich PR-technisch genau, wen sie retten und wen sie lieber sang- und klanglos verrecken lassen. Ein riesiger Konzern steht hinter ihnen, der sie vermarktet und den Einfluss der großen sieben, der heldenhaftesten aller Superhelden, beständig vermehrt. Falls nötig, indem man einen Abgeordneten erpresst.

Und wenn die Superhelden etwas falsch machen? Wenn Translucent seine Fähigkeit, sich unsichtbar zu machen, dafür nutzt, in Damentoiletten zu spannen, oder A-Train eine junge Frau über den Haufen rennt, sodass nur noch Matsch und zwei Hände von ihr übrig bleiben? Wird das unter den Teppich gekehrt. So gewöhnt sind die „Supes“ daran, dass für sie Gesetze nicht gelten, dass A-Train nur ein oberflächliches „Sorry“ hinwirft und umgehend weiterzischt. Sollen sich andere darum kümmern.

Komisch, auch wenn das Blut spritzt

Das will der Freund der Zermatschten nicht auf sich sitzen lassen: Hughie (dargestellt von Jack Quaid, Sohn von Meg Ryan und Dennis Quaid) ist ein klassischer Antiheld. Ein bisschen patschert, ein bisschen nerdig, zu feige, um den Boss um die längst fällige Lohnerhöhung zu bitten. Im Kampf gegen die Superhelden wächst er über sich hinaus – mithilfe ein paar anderer Outlaws rund um Billy Butcher (Karl Urban), Typus nicht ganz einsamer Wolf.

„The Boys“ basiert auf dem gleichnamigen Comic von Garth Ennis und Darick Robertson und wurde von drei Stars des Seriengeschäfts entwickelt – das merkt man. Eric Kripke („Supernatural“) sorgt dafür, dass die Spannung nicht abreißt, und setzt die Charaktere bedacht miteinander in Beziehung. Seth Rogen und Evan Goldberg („Superbad“, „This is the End“) sorgen für einen ironischen Ton – sogar noch dann, wenn Blut spritzt.

Wobei vor allem die Superhelden komisch sind. In ihrer Borniertheit, in ihrer Eitelkeit, mit ihren nicht ganz passenden Kostümen. Wenn Homelander (kaum wiederzuerkennen: Antony Starr) bei einem Abendessen mit Kongressabgeordneten den Vorzeige-Ami gibt, sagt er zwar nicht „Let's make America great again“ – aber etwas ganz Ähnliches. Hat er sich übrigens nicht selbst ausgedacht: Für das Wording der Superhelden hat die Konzernspitze natürlich einen Redenschreiber.

„The Boys“: Amazon, basierend auf dem gleichnamigen Comic von Garth Ennis und Darick Robertson, acht Folgen zu je einer Stunde, eine zweite Staffel wurde bereits in Auftrag gegeben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.07.2019)

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