Sender schließt: Scheidet Israel aus Song Contest aus?

Nach einem Streit in der Regierung wird der staatliche Sender IBA eingestellt, der jedes Jahr den Song Contest übertrug. Ob Israel am Liederwettbewerb weiterhin teilnimmt, ist offen.

Imri Ziv landete mit "I Feel Alive" auf Platz 23 von 26
Imri Ziv landete mit "I Feel Alive" auf Platz 23 von 26
Imri Ziv landete mit "I Feel Alive" auf Platz 23 von 26 – (c) APA/AFP/SERGEI SUPINSKY (SERGEI SUPINSKY)

Die Einstellung des staatlichen Senders IBA, kurz für Israel Broadcasting Authority, nach jahrelangem Gezerre wirkt sich möglicherweise auch auf den Song Contest aus. Ein Sprecher der alten Rundfunkanstalt IBA hatte am Samstagabend für Aufregung gesorgt, als er bei Mitteilung der Punktevergabe live verkündete, nach 44 Jahren israelischer Teilnahme an dem Wettbewerb sei es das letzte Mal. Ein Sprecher des Außenministeriums in Jerusalem sagte jedoch am Sonntag, es werde erwartet, dass die neue israelische Rundfunkanstalt Kan, die IBA ersetzen soll, die Zuständigkeit übernimmt. Die "Times of Israel" schrieb am Sonntag, Kan wolle die künftige Verantwortung für die Teilnahme am ESC übernehmen. Fix ist das aber nicht: Denn dafür müsse sie nämlich von der Europäischen Rundfunkunion EBU aufgenommen werden.

Israel liegt zwar geografisch nicht in Europa, nimmt aber als Mitglied der EBU seit 44 Jahren an dem Wettbewerb teil und hat auch schon dreimal gesiegt. "Aber heute ist unsere letzte Nacht, bald wird die IBA für immer ihre Sendungen einstellen", hatte der israelische Sprecher während des Song Contests am Samstag gesagt. Man danke Europa "für all die zauberhaften Momente und die schönen Jahre". Der diesjährige israelische Teilnehmer Imri Ziv trat mit "I Feel Alive" zwar als Erster auf, landete jedoch nur auf Platz 23 von insgesamt 26.

Wie kann es sein, dass Israel, Marokko oder Aserbaidschan beim ESC teilnehmen?

Die Teilnehmerländer des Eurovision Song Contests richten sich nicht nach der geografischen Lage in Europa, sondern nach der Mitgliedschaft in der Rundfunkunion EBU (European Broadcasting Union) mit Hauptsitz in Genf. Die 1950 gegründete EBU hat derzeit 73 Mitglieder in 56 Ländern, wozu auch Nationen Nordafrikas und des Nahen Ostens gehören.

IBA wird nach 49 Jahren von dem neuen staatlich finanzierten Sender Kan (hebräisch für: hier) abgelöst. Der Streit um die Rundfunkanstalt hatte im März eine Koalitionskrise ausgelöst. Ministerpräsident Benjamin  Netanyahu hatte sich nämlich gegen Kan ausgesprochen und damit eine vorherige Vereinbarung mit Finanzminister Moshe Kahlon von der Mitte-Rechts-Partei Kulanu aufgekündigt, der sich für die neue Rundfunkanstalt stark gemacht hatte.

Wird Kan zu regierungskritisch?

Netanyahu zufolge sei die alte Rundfunkanstalt nach erheblichen Kürzungen billiger als die neue. Gegner warfen Netanyahu vor, er wolle die Anstalt stoppen, weil er sie als zu regierungskritisch einstufe.

Der Streit um Kan lief über Monate. Später einigten sich Kahlon und Netanyahu unter anderem darauf, dass eine zusätzliche Einrichtung für Nachrichten geschaffen werden soll, die später startet.

(APA/Red.)

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