Eurovision Song Contest: Die 17 Songs des ersten Halbfinales in der Einzelkritik

breadcrumbs-arrow-small
breadcrumbs-arrow-small

Startnummer 1: Zypern

Tamta eröffnete die Show in Tel Aviv mit „Replay“. Rein optisch braucht's da gar keine Madonna mehr im Finale. Ein Song mit dicken Beats im Refrain und einer knackigen Choreographie. Dafür gibt es nichts zum Mitsingen, maximal zum Mitwippen oder So-cool-wie-möglich-mit-dem-Kopf-Wippen. Tamta präsentierte den Song sicher, nur kleinere Probleme in der Intonation, aber wer tanzt, darf geringfügig daneben liegen.

>> Finale

Text: Klemens Patek

(c) APA/AFP/JACK GUEZ (JACK GUEZ)
breadcrumbs-arrow-small
breadcrumbs-arrow-small

Startnummer 2: Montenegro

D mol mit „Heaven“: ein Desaster von Anfang bis Ende - und das ganze auch noch ohne Trash-Faktor. Süßlich, über-gestikuliertes Schmuse-Gesinge mit leichten Nervositätswacklern. Der Chorgesang im Refrain war nett. Unvermeidlich beim Song Contest: Eine Modulation vor dem letzten Refrain, die Tonart wird erhöht. Aber das ist eher ein Schmäh aus den 1990er-Jahren.

>> Verdient Ausgeschieden

(c) REUTERS (RONEN ZVULUN)
breadcrumbs-arrow-small
breadcrumbs-arrow-small

Startnummer 3: Finnland

Darude feat. Sebastian Rejman zeigten gleich die nächste Horror-Nummer. „Look Away“ hieß das 0815-Pseudo-Dj-Teil, das uns die beiden Herren präsentierten. Mit einem guten Sänger hätte es vielleicht dank feiner Bühnenshow der Tänzerin samt grafischen Einblendungen für das Finale gereicht, aber Sebastian Rejman hat in den Refrains leider eindrucksvoll gezeigt, wie schwierig es sein kann, die Töne richtig zu treffen. Und das DJ-Getue von Darude ist bekanntermaßen auch sinnlos. Es gibt ja auch nichts zu tun, wenn das Halbplayback läuft.

>> Verdient Ausgeschieden

(c) APA/AFP/JACK GUEZ (JACK GUEZ)
breadcrumbs-arrow-small
breadcrumbs-arrow-small

Startnummer 4: Polen

Tulia aus Polen sangen „Fire of Love" ("Pali się"). Und das mit geballter Power. Ganz im slawischen Folk-Sound schmetterten die vier Damen immer gemeinsam und einstimmig die Melodie in die Mikrofone. Das ergibt einen kräftigen, schneidenden Sound - eine ganz bestimmte Gesangstechnik, die in Kombination mit dem Gitarrensound einen spannenden Beitrag ergibt. Folklore trifft Pop/Rock, das hat schon öfters funktioniert. Vielleicht hätte man an der etwas hölzernen Choreographie noch arbeiten können und optisch etwas moderner auftreten können.

>> Leider ausgeschieden 

(c) APA/AFP/JACK GUEZ (JACK GUEZ)
breadcrumbs-arrow-small
breadcrumbs-arrow-small

Startnummer 5: Slowenien

Zala Kralj & Gašper Šantl hatten ganz schön viel Augenkontakt auszuhalten - drei Minuten. Sie sangen „Sebi“, bzw. Zala sang leicht säuselnd - ohne dabei wirklich den Mund aufzumachen. Gašper spielte Gitarre und tippte auf einem kleinen Midi-Keyboard herum. Elektro-Pop zum Einschlafen. Dennoch:

>> Finale

(c) APA/AFP/JACK GUEZ (JACK GUEZ)
breadcrumbs-arrow-small
breadcrumbs-arrow-small

Startnummer 6: Tschechien

Tschechien versuchte es erneut mit dem Bubi-Konzept. Lake Malawi waren dabei aber weniger überzeugend als Mikolas Josef letztes Jahr. Aber auch „Friend of a Friend“ ist Gute-Laune-Pop für die Sommer-Playlist der Streaming-Plattform nach Wahl: ein Refrain in Timberlake-Manier. Der würde das Ganze aber eine Oktave höher und knackiger phrasiert singen und jedenfalls besser tanzen. Der Verkauf von gelben Pullis könnte in die Höhe schnellen.

>> Finale

(c) REUTERS (RONEN ZVULUN)
breadcrumbs-arrow-small
breadcrumbs-arrow-small

Startnummer 7: Ungarn

Joci Pápai hat Ausstrahlung und Kraft in der Stimme, ohne dafür auf irgendwelche Effekte setzen zu müssen. Barfuß reicht. Sein in der Roma-Sprache vorgetragenes „Az én apám“ berührt auch ohne Textverständnis. Vielleicht nicht ganz so sicher, wie in den Proben.

>> Leider Ausgeschieden 

(c) REUTERS (RONEN ZVULUN)
breadcrumbs-arrow-small
breadcrumbs-arrow-small

Startnummer 8: Weißrussland

Zena sang "Like it" - bzw schrie sie das die ganze Zeit im Refrain, der ihr eher zu gelegen ist. Dabei schien ihr die Strophe eher teils zu tief zu liegen. Die Intonation war daher nicht immer gut. Sonst bot "Like it" die üblichen Elektro-Beats mit leichten Folklore-Klängen, insgsamt kein Meisterwerk und gar nicht herausragend aus der ESC-Masse.

>> Finale 

(c) APA/AFP/JACK GUEZ (JACK GUEZ)
breadcrumbs-arrow-small
breadcrumbs-arrow-small

Startnummer 9: Serbien

Auf Serbien ist Verlass, was die Power-Balladen betrifft. Nevena Božović schmetterte „Kruna“ in den LED-Wand-Himmel. Stehend, Abendkleid, Lippenstift, massive Halskette - gestikulierend, als gebe es kein Morgen mehr. Aber gesangstechnisch klar und stark. Funfact: Einziges Lied im 6/8-Takt des Abends.

>> Finale

(c) REUTERS (RONEN ZVULUN)
breadcrumbs-arrow-small
breadcrumbs-arrow-small

Startnummer 10: Belgien

Belgien schickte erneut einen Jungspund ins Song-Contest-Rennen - diesmal einen jungen Mann namens Eliot, der „Wake up“ darbot, eine moderne Elektro-Pop-Nummer, die sich sicher gut im Radio machen wird. Die Nervosität von Eliot schlug leider ein wenig auf die Tonsicherheit. Der erste Refrain war in dieser Hinsicht eher aus der Kategorie Katastrophe. Und dann stand er meist etwas gar uncharismatisch in der Gegend rum. Eliot setzte den Song mit Hit-Potenzial eindrucksvoll in den Sand.

>> Ausgeschieden

(c) APA/AFP/JACK GUEZ (JACK GUEZ)
breadcrumbs-arrow-small
breadcrumbs-arrow-small

Startnummer 11: Georgien

Oto Nemsadze brachte etwas härteres Timbre in die Show. Die Abwechslung tat gut. Bei „Keep on Going“ gab es aber außer viel Pathos und später viel Lautstärke leider nicht viel zu erleben außer einem folkloristischen Männergesangsverein gegen Ende. Zu viel gewollt mit einem schwachen Song.

>> Ausgeschieden

(c) APA/AFP/JACK GUEZ (JACK GUEZ)
breadcrumbs-arrow-small
breadcrumbs-arrow-small

Startnummer 12: Australien

Kate Miller-Heidke, die Königin der Nacht aus Australien, schmetterte „Zero Gravity“ ins Convention Center von Tel Aviv. In luftiger Höhen waren nicht nur die Töne sondern auch Miller-Heidke. Sie sang den Song zu Beginn gehaucht a la Evanescence und wechselte im Refrain dann in eine klassische Gesangstechnik. Das macht das Lied etwas chaotisch, aber auch zum auffälligen Song-Contest-Beitrag. Ein bisschen Cirque du Soleil-Stimmung dank Akrobatik auf der riesigen Federstange sorgte dafür, dass Australien jedenfalls im Gedächtnis blieb. Der höchste Ton war übrigens ein "dreigestrichenes Cis" - doch noch ein Stückerl unter dem höchsten Ton der Königin der Nacht in Mozarts Zauberflöte (fis''')

>> Finale

(c) REUTERS (RONEN ZVULUN)
breadcrumbs-arrow-small
breadcrumbs-arrow-small

Startnummer 13: Island

Auf Island haben wir ja alle gewartet. Hatari grunteten (verzerrte Schrei-Technik) und hauchten „Hatrið mun sigra“ ins Mikrofon - in Lack und Leder. Mitsingen ist da schwer, Mitgröhlen geht aber - soferne man des Isländischen mächtig ist. Und mit dem hohen Falsett-Refrain setzte man einen krassen, aber entlastenden Gegenpunkt. Laut und heftig blieb der Song dennoch durchgehend - Feuershow inklusive. Optisch dank Gehabe und Kostümen generell gut inszeniert.

>> Finale

(c) REUTERS (RONEN ZVULUN)
breadcrumbs-arrow-small
breadcrumbs-arrow-small

Startnummer 14: Estland

Victor Crone, der Schwede, sang und quälte sich unter estnischer Flagge mit „Storm“ und verströmte nur kurz Lagerfeuer-Stimmung. Wo ist die Gitarre hinverschwunden? Die Haare hatte er jedenfalls schön. Die Stimme live leider weniger. Wenn man falsch singt, sollte man den langen Ton am Höhepunkt des Songs lieber abkürzen. Der Song verfällt nach dem netten Gitarren-Intro leider dem mittelmäßigen und austauschbaren Avicii-Nachmach-Sound.

>> Finale

(c) REUTERS (RONEN ZVULUN)
breadcrumbs-arrow-small
breadcrumbs-arrow-small

Startnummer 15: Portugal

Conan Osiris' „Telemóveis“ muss man wohl selbst gehört und gesehen haben. Verstehen wird man es trotzdem nicht. Ein paar Stichworte: Klangschalen, Zappeltanz, Netta-Hühnerglucksen, Conchita-Bart, Ballett in Sneakers. Jedenfalls nichts zum Nachsingen. Ein Gesamtkunstwerk, das man als absurd oder genial betrachten kann. Ein, zwei dieser Kaliber verträgt doch aber noch jeder Song Contest!

>> Ausgeschieden

(c) APA/AFP/JACK GUEZ (JACK GUEZ)
breadcrumbs-arrow-small
breadcrumbs-arrow-small

Startnummer 16: Griechenland

Katerine Duska („Better Love“) ist eine dieser Kandidatinnen, die ihre Aussprache des Textes vollkommen dem Sound ihrer Stimme unterordnen. Da wird geknödelt, was das Zeug hält - mit durchaus spannender Stimmfarbe, wenn auch nicht ganz sicher geführt in den filigraneren Teilen. Über das Kleid verlieren wir lieber kein Wort.

>> Finale

(c) APA/AFP/JACK GUEZ (JACK GUEZ)
breadcrumbs-arrow-small
breadcrumbs-arrow-small

Startnummer 17: San Marino

Serhat greift bei seinem zweiten ESC-Auftritt nach 2016 besonders tief in die Text-Trickkiste mit „Say Na Na Na“. Wenn es ein Land gibt, dessen Beitrags-Qualität man in den letzten Jahren verlässlich im Vorhinein anzweifeln durfte, war es San Marino. Und Serhat setzte diese Tradition mit seinem Sprechgesang fort. Trash ohne jegliche positive Konnotation. Ein Song für den Müllhaufen der Geschichte. Und doch hat es für das Song-Contest-Finale am Samstag gereicht.

>> Finale 

(c) imago images / ITAR-TASS (via www.imago-images.de)
Kommentar zu Artikel:

Die 17 Songs des ersten Halbfinales in der Einzelkritik

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.