Kräuterbitter: Amaro Averna

Alle sagen Averna zu ihm, dabei heißt er eigentlich Amaro Siciliano. Warum der Kräuterbitter aus Sizilien so genannt wird und weshalb er Botschafter braucht, erklärt der Direttore persönlich.

(c) Averna

Botschafter sind der letzte Schrei in der Spirituosen-Branche: Mika Häkkinen etwa, pensionierter Formel-1-Weltmeister, ist Ambassador für Johnny Walker. Der Schnellfahrer, der in jüngeren Jahren keiner Party aus dem Weg ging, referiert für den Whiskyproduzenten über verantwortungsvolles Trinken – Erfahrung hat er ja genug.

Auch Averna leistet sich „Ambasciatori“. Das sind Herrschaften (wie Luigi Barbaro vom Barbaros in Wien), die mit ihren Restaurants italienisches Lebensgefühl verbreiten. Das Hause Averna unterstützt sie dabei. Das schaut dann so aus: Francesco Rosario Averna, der Konzernchef, fliegt nach Wien, im Gepäck hat er seine neuen Degustationslinie: bauchige, auf der Seite liegende Gläser, in denen Averna mit frischen Kräutern gemischt wird. „Jeder soll sich seinen eigenen Averna mixen“, sagt Signore Averna, „am besten passen Rosmarin, Thymian, Basilikum, Majoran, Minze, Lavendel, Oregano, Orangen oder Zitronenschalen zu unserem Halbbitter.“ Die Botschafter lauschen ehrwürdig. Wie er denn seinen Amaro Siciliano bevorzuge, fragen sie ihn. Der Kräutermischer: „In der Winterzeit bei Raumtemperatur und im Sommer eisgekühlt.“ Man könne ihn auch pur trinken, wie es normalerweise die Italiener tun, oder „on the rocks“, mit Blutorangensaft („In Sizilien gibt es die Blutorangen mit der besten Qualität“), mit Zitrone oder einfach mit Tonic Water. „Junge Leute mögen Amaro in Cocktails oder in Long-Drinks mit Zitrusfrüchten“, so Averna.

Dass der Kräuterbitter schmeckt, sieht man an den Verkaufszahlen: Amaro Sicilianco Averna, wie er richtig heißt, wird heute in über 50 Ländern exportiert. Der Umsatz der Averna-Gruppe betrug 2006 etwa 200 Millionen Euro. Heute gehört auch die friaulische Weinkellerei „Villa Frattina“ (Produzent von Weinen, Grappa und Sekt unter der Marke „Frattina“) und die piemontesische Konfektfirma „Pernigotti“ (führender Produzent von Schokolade, Nougat-Riegeln, Eiscreme und Rohmaterial für Feingebäck für Eissalons) zum Konzern.

Fast schon Medizin? Seit Beginn der Produktion in Caltanissetta im Jahr 1868 ging man davon aus, dass der Kräuterbitter nervenstärkende und therapeutische Wirkung hat. Das wussten schon die Kapuzinermönche, die nach alten Rezepten Kräuterexlixiere produzierten, die sich mit der Zeit durch die Unterstützung der Zisterzienserklöster in ganz Europa verbreiteten. Das Averna-Rezept stammt vom Mönch Fra Girolamo, der die Rezeptur 1865 an Salvatore Averna übergab.
Die Bitterstoffe wirken wie ein Schleimhauttraining: „Der bittere Geschmack lässt die Schleimhäute zusammenziehen, danach dehnen sie sich wieder aus. Dabei können Gifte, Stoffwechselschlacken, Bakterien und Viren leichter abtranportiert werden“, sagt Averna. Fest stehe auch, dass Kräuterbitter die Produktion des Magensaftes steigert und die Magen- und Darmschleimhäute kräftigt. Dann noch die Übersäuerung: „Bitterstoffe wirken basisch. Sie entsäuern und schaffen ein Gleichgewicht zwischen Säuren und Basen.“

Spätenstens hier würde Mika Häkkinen eingreifen, würde er für Averna arbeiten: „Alkohol macht nicht gesund. Er zerstört den Körper. Die Dosis macht das Gift. Und don‘t drink and drive ...“.

Einfache Herstellung

Die Mischung aus 60 getrockneten Kräutern wird 45 Tage in 96-prozentigem Alkohol eingelegt, danach werden die Feststoffe entfernt, die gefilterte Essenz mit Zuckersirup und Karamel versetzt. Dann braucht sie zwei bis drei Monate Lagerung. Mehr als zwei Millionen Liter Averna werden jährlich in der Fabrik in Caltanissetta produziert.

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