Völlerei

In das Café Engelmaier am Yppenplatz ist mit der Völlerei ein modernes Beisel mit Frastanzer Bier vom Fass und hervorragender Küche eingezogen.

Völlerei
Völlerei
Völlerei – (c) Clemens Fabry

Wenn ein altes Wirts- oder Kaffeehaus schließt, wird das hierzulande traditionell groß betrauert. Je nachdem, was dann danach folgt, hält die Trauer an – oder schlägt in Euphorie um. Beim jüngsten Neuzugang am Yppenplatz ist es auf jeden Fall Letzteres. Das Café Engelmaier, vis-à-vis von Staud und dem ebenfalls recht neuen Wirr, wurde erst kürzlich von zwei Vorarlbergern übernommen. Um die Verwirrung nicht zu groß zu machen, wurden an der Hausmauer neben dem großen (ganz alten) „Café Berger“- und dem kleinen „Café Engelmaier“-Schild nun kein drittes Schild angebracht. Stattdessen weist eine Schiefertafel davor darauf hin, dass das Lokal nun Völlerei heißt. Eventmanagerin Diana Fritz und Brauhund-Betreiber Lukas Lang haben das Lokal behutsam renoviert. Die Holzvertäfelung und Resopaltische wurden behalten, die Bar mit grünen Kacheln verkleidet, kleine Tonic-Flaschen mit Palmzweigen schmücken derzeit die Tische. In der Küche steht Philipp Hauer, der zuvor im Roten Bären gekocht hat. Eine Speisekarte gibt es hier nicht.

Stattdessen eine Tafel, die der freundliche Herr einfach zum Tisch stellt. Je zwei Suppen, Vorspeisen, Hauptspeisen und Desserts, mehr braucht es nicht. Wirklich alles klingt sehr verlockend – und ist es auch. Die Hühnerlebercreme (7 Euro) ist eine feine Vorspeise, die darauf hinweist, warum dieser Lokalname gewählt wurde. Ebenso das Brennsüpple mit Graukäseknödel (5 Euro), die gut gewürzt ist und Durst auf Bier macht. Praktischerweise gibt es hier Frastanzer Bier vom Fass. Günthers Kasnudeln (10,50 Euro) kommen offenbar direkt vom Markt, immerhin verkauft hier die Kärntnerei ihre Kasnudeln. In der Völlerei kommen sie mit blanchiertem Mangold daher. Auch gut. Und zum Glück nicht jene Exemplare, die den anschließenden Verdauungsschnaps obligatorisch machen. Eine Wucht aber ist das unglaublich mürbe Ochsenwangerl mit Spargel und Mangold (18 Euro). Ein gutes Wirtshaus, das sich auch traut, ein bisschen modern zu sein. Und aus dem Lautsprecher kommt Jimi Hendrix. Danke dafür!

Völlerei: Brunnengasse 69, 1160 Wien, Di–Fr ab 16, Sa ab 10, So, 11–15 Uhr, ✆ 01/942 65 37

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