„Château d'Yquem 2012? Gibt's nicht!“

Wein. Stolperfallen, schwarze Gläser und jede Menge Zeitdruck: die Sommelier-EM in Wien.

Wien. Ein Zündholz, das nicht das tut, was es sollte. Ein lautes Niesen im Publikum. Ein staubtrockener Mund. Alles Kleinigkeiten, die aber entscheidende Punkte und Konzentration kosten können – wenn es darum geht, Europas bester Sommelier bzw. beste Sommelière zu werden. Donnerstagabend traten im Parkhotel Schönbrunn die vier Finalisten, die erst vor Ort auf der Bühne verkündet wurden, an: Piotr Pietras aus Polen wurde als erster Halbfinalist genannt – ein lauter Befreiungsschrei war die Reaktion – und zog dann auch gleich das Los, als Erster anzutreten. Ihm folgten Julia Scavo aus Rumänien, Raimonds Tomsons aus Lettland und David Biraud aus Frankreich.

Die erste Aufgabe, die die vier gleichzeitig zu bewältigen hatten: einen Magnum-Champagner unter Zeitdruck so auf 18 Gläser aufzuteilen, dass überall möglichst gleich viel darin ist – nachschenken verboten. Außerdem: einem Gästetrio eine Stegreifweinbegleitung zu einem bestehenden Menü vorzuschlagen, wobei jeder Wein aus einem anderen Land kommen musste. Auch hier: Zeitdruck, fünf Minuten. Ein Rotwein musste beschrieben und, wenn möglich, erkannt werden – drei Minuten Zeit. Das schon erwähnte Streichholz war an der Reihe, als die Finalisten eine Flasche Blaufränkisch dekantieren mussten (das Kerzenlicht dient dazu, das Depot zu kontrollieren), um es einem Sechsertisch einzuschenken.


Karte mit eingebauten Fehlern

Aus dem Konzept gebracht wurden die Kandidaten dabei durch plötzliche Fragen der Schauspielergäste auf der Bühne. Die berühmten schwarzen Verkostungsgläser waren mit Getränken, auch Bränden, gefüllt, die erkannt werden mussten, und auch die vier Süßweine galt es zu benennen. Eine Publikumsaufgabe war auch die letzte Aufgabe: Eine Weinkarte mit eingebauten Fehlern – sie war für alle im Saal zu sehen – musste analysiert werden. So waren u. a. eine falsche Region, falsche Winzer oder ein Jahrgang, der wie ein gewisser Château d'Yquem 2012 in Wirklichkeit nie auf den Markt kam, angeführt. Sieger wurde schließlich Raimonds Tomsons aus Lettland. (abu)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.05.2017)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgelesen
    Meistgekauft
      Kommentar zu Artikel:

      „Château d'Yquem 2012? Gibt's nicht!“

      Schließen

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.