Unter 20 Euro

Trattoria Pulcinella

Aus dem einstigen Fischrestaurant La Marée am Naschmarkt wurde die Trattoria Pulcinella, in der Italokitsch gepflegt wird.

Die Trattoria Pulcinella von innen.
Die Trattoria Pulcinella von innen.
Die Trattoria Pulcinella von innen. – Trattoria Pulcinella

Der Naschmarkt also. Man ist sich nicht sicher, ob er selbst oder das Jammern darüber anstrengender ist. Ja, er hat sich gewandelt und ist nicht mehr das, was er einmal war – ob das gut oder schlecht ist, hängt vom Vergleichszeitraum ab. Touristen lieben ihn, oder zumindest glauben das jene Menschen, die sie dorthinkarren. Die Standler haben ihr Sortiment dementsprechend angepasst. Und wo sonst steht Servicepersonal vor den Restaurants, um potenzielle Kunden zu einem Besuch zu bewegen. Wie das Ganze weitergeht, lässt sich schwer sagen.

Die jüngste Neueröffnung macht aber weniger den Eindruck, dass sich der Naschmarkt in eine neue Richtung entwickeln würde. Viel eher erinnert sie an fast schon vergessen geglaubte Zeiten. Denn während anderswo in neuen Pizzerien aus der Frage nach dem richtigen Teig eine philosophische Grundsatzdebatte gemacht wird und der Pizzaofen hübsch verkleidet und wie ein Heiliger Schrein prominent platziert wird, war das früher anders. Etwa so, wie die neue Trattoria Pulcinella aussieht: rot-weiß-karierte Tischdecken, kitschige Luster, Felswände und Italoklassiker aus dem Lautsprecher. Inhaber Yanis Kaikov, der auch schon das Vorgängerlokal La Marée betrieben hat, hat sich dafür Unterstützung von Roberto d'Atri (Il Melograno) geholt.

Trattoria Pulcinella von außen
Trattoria Pulcinella von außen
Trattoria Pulcinella von außen – Trattoria Pulcinella

Die Trattoria Pulcinella macht mit ihrem Namenszusatz „dal 1982“ den Eindruck, hier schon lange zu bestehen. Laut dem überaus freundlichen – fast schon aufdringlichen – Kellner bezieht sich das aber auf ein Schwesterlokal in Deutschland. Auf der Karte stehen italienische Klassiker: ein paar Vorspeisen, ein bisschen Pasta, Pizza und Dolci. Pepata di Cozze (11,50 Euro), Miesmuscheln in Weißwein-Olivenöl-Sauce, sind in Ordnung, können aber mit jenen Exemplaren, die an unzähligen mediterranen Ferienorten verspeist werden, nicht mithalten. Fettuccine mit Zucchini und Garnelen (14,50 Euro) sind eine Enttäuschung. Die Pizza, zum Beispiel Pulcinella (14,90 Euro) mit Bresaola, Grana und sehr viel Rucola, war wohl in Zeiten vor dem Pizzahype ein Renner. Heute ist sie guter Durchschnitt, aber auch sie gibt es anderswo weitaus besser. Es wird sich weisen, wie es den Touristen schmeckt.

Trattoria Pulcinella: Naschmarkt 94–101, 1060 Wien, ✆ 01/586 14 205, Mo bis Sa 11.30–23.45 Uhr, Pulcinella

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.09.2017)

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