Unter 20 Euro

Heidenkummer

Die Gastwirtschaft Heidenkummer ist seit Anfang des Jahres komplett rauchfrei. Das schadet der köstlichen Hausmannskost keineswegs.

Heidenkummer
Heidenkummer
Heidenkummer – (c) Heidenkummer

Da sage noch einer, Essen sei nicht politisch. Spätestens seit der hitzigen Debatte, ob in den heimischen Gaststätten geraucht werden darf, wird deutlich, dass Essen (gehen) hochpolitisch sein kann. Und es stellt sich die Frage: Rudert die Politik von ihrem Zurückrudern wieder zurück? Oder einfacher formuliert: Kommt nun doch ein generelles Rauchverbot? Es wird wohl noch ein bisschen dauern, bis das ausdiskutiert ist. Wer will schon ein so emotionales Thema allzu rasch aufgeben.

Die Wirtsleute von der Gastwirtschaft Heidenkummer in der Josefstadt zum Beispiel. An jenem Tag, an dem das Leider-doch-nicht-Rauchverbot verkündet wurde, hat die Wirtin ein Schild vor die Tür gestellt, mit der Aufschrift: „Die Politik trifft keine Entscheidung. Wir schon. Die Gastwirtschaft Heidenkummer ist ab 8. Jänner 2018 rauchfrei. Wir danken für Ihr Verständnis.“

Das war offenbar keine schlechte Entscheidung. Das Lokal, das bereits in dritter Generation geführt wird, ist gut besucht. Die Dame am Nebentisch kann die neue Rauchfreiheit gar nicht glauben und fragt den Kellner, ob das jetzt wirklich ein Nichtraucherlokal sei (immerhin gibt es beim Eingang noch einen Zigarettenautomaten). Ja, ist es, antwortet ihr der junge Herr. Sie strahlt und sagt nur: Super.

Und so viel sei vorweggenommen, das kann man auch über die Küche sagen, die hier serviert wird. Neben einem täglich wechselnden Mittagsmenü gibt es eine Karte mit Wirtshausklassikern und eine ausführliche Tageskarte. Die Vorspeise Himmel auf Erden, ein gebratenes Blunzenradl auf Bratapfel und mit Erdäpfelpüree (5,50 Euro), verdient den Namen, der sich aus dem rheinischen, westfälischen Gericht ableitet. Das Wildschweinragout mit Serviettenknödeln (12,50 Euro) schmeckt auch der Tischnachbarin, und das Filet von der Ybbstaler Forelle mit Grillgemüse und Petersilerdäpfeln (14,50 Euro) ist nicht nur eine überaus großzügige, sondern auch ebenso schmackhafte Portion. Super, würde die Dame am Nebentisch sagen, die man jetzt dank fehlender Rauchschwaden sehen kann.


Heidenkummer: Breitenfelder Gasse 18, 1080 Wien, ✆ 01/405 91 63, www.heidenkummer.at

diepresse.com/essen

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.01.2018)

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