Unter 20 Euro

Café Klimt

Statt des innovativen Rien ist mit dem Café Klimt Systemgastronomie in das ehemalige Griensteidl gezogen. Ein Test, wie weit man bei Touristen gehen kann?

Café Klimt
Café Klimt
Café Klimt – (c) Clemens Fabry

„I would like to have that wonderful Wiener Schnitzel!“ „Geh, gib eam zehn Deka Polnische in a Wachauer!“ – „Yeah, that's really great!“ – „Was i eh. Des macht 100. Na, na Schilling, net Dollar. Übertreib'n woin ma's net.“ Es war 1985, als dieser Dialog zwischen einem US-Touristen und einem Würstelstandbetreiber in Falcos „America“ auftauchte. 33 Jahre später hat Wien das passende Lokal dazu. Das kürzlich eröffnete Café Klimt wirkt wie der Prototyp eines Innenstadtlokals, in dem getestet werden soll, wie weit man bei Touristen gehen kann. Wir erinnern uns, vergangenes Jahr sperrte das Café Griensteidl zu, Mitte August eröffnete darin mit dem Rien ein Zwischennutzungsprojekt. Das Pop-up-Hipster-Kaffeehaus mit Designshop war ein Testlabor, das vor allem die einheimische Bevölkerung begeisterte. Mit hoher Qualität, im Haus produzierten Speisen und Veranstaltungen, Konzerten und Lesungen, die das Café vor allem am Abend belebten. Am Ende war da direkt Bedauern, dass ein so innovatives Lokal nach nur wenigen Monaten wieder verschwinden musste.

Und nun? Ist mit dem Café Klimt ein weiteres Zwischennutzungsprojekt eingezogen, dessen Konzept dem des Rien diametral entgegengesetzt ist. Systemgastronomie mit zugekauften Süßspeisen, drei Sorten Panini (5,90 Euro) und als Höhepunkt den „Café Klimt Toast“ (5,80 Euro) – ein Schinken-Käse-Toast, serviert mit Packerl-Kartoffelchips. Die heiße Schokolade (4,10 Euro) ist ein dünner Kakao, die Sachertorte (4,90 Euro) zumindest okay. Der Eindruck der Systemgastronomie wird verstärkt durch Kellner im schwarzen Kapuzenpulli oder mit Klimt-T-Shirt. Edel wirkt nur der Schriftzug an den Fenstern. Aber immerhin, es scheint zu funktionieren. Die Touristen, die am Rien oft skeptisch vorbeigingen, strömen wieder in das Lokal. Und bekommen statt des Rien-Designshops noch einen Klimt-Souvenirshop nebenan. Für Einheimische also alles andere als einladend. Wirtschaftlich wird dieses Konzept in bester Innenstadtlage, das vorerst bis Ende 2018 getestet wird, aber wohl funktionieren.

Café Klimt: Michaelerplatz 2, 1010 Wien, Mo–So 10–19 h, ✆ 0664/882 746 71, www.cafeklimt.at

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.03.2018)

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