Exotische Spezialitäten: Was friert denn da?

Wir haben in Tiefkühltruhen exotischer Supermärkte gestöbert. Und dabei so manches Kuriosum gefunden, aber auch Zutaten für Ramen in Perfektion oder Fritto Misto.

Dim Sum, tiefgefroren.
Dim Sum, tiefgefroren.
Dim Sum, tiefgefroren. – (c) die Presse (Carolina Frank)

Was denn da so atemberaubend stinke, fragt ein Kollege fassungslos. Er ist nicht der einzige, der unter diesem Shooting für die aktuelle Coverstrecke leidet, die zeigen soll, welch unerwarteter Reichtum an Frischeprodukten in den Tiefkühltruhen hiesiger exotischer Supermärkte wartet. Durian, mutmaßt jemand, die sagenumwobene Stinkfrucht, für die es in Hotels oder öffentlichen Verkehrsmitteln asiatischer Länder eigene Verbotsschilder gibt, weil der Geruch kaum jemals wieder herauszubekommen ist. Durian war es aber nicht, was vor die Linse von Carolina Frank gewandert ist, sondern vielmehr eine vegane Stinkwurst. Sie hüllte den Redaktionskühlschrank (und einen nicht so kleinen Radius darüber hinaus) in einen olfaktorischen Mantel aus Erbrochenem, Käsefüßen und Leichenteilen: Bobolo, gestampfter und fermentierter Maniok, der in Palm- oder Bananenblätter gewickelt wird, ist in Kamerun gebräuchlich und lässt Europäer zunächst völlig ratlos zurück.

Kulinarischer Kurztrip. Der Wiener Supermarkt Prosi, der Spezialitäten aus tatsächlich aller Welt versammelt, führt Bobolo und eine ausufernde Auswahl an anderen, bisweilen kuriosen Lebensmitteln. Ein Bummel im Prosi ist wie ein Kurztrip in die kulinarischen Eigenheiten einzelner arabischer, südamerikanischer oder afrikanischer Länder. Eine eigene Welt sind die Tiefkühltruhen, vor denen Afrikanerinnen fachsimpeln und aus denen sie Säckchen mit ominösem Grünzeug holen oder bunte Fische, die sie nach kurzer Begutachtung wieder zurücklegen, um weiterzusuchen und ein anderes tiefgekühltes Trumm in ihrem Wagen zu platzieren.

Froschschenkel und Entenzungen. Die Tiefkühltruhen exotischer Supermärkte sind aber auch für all jene interessant, die auf der Suche nach Sardellen oder Minioktopussen für Fritto Misto sind, die Entenzungen für authentische chinesische Tafeln oder auch Nose-to-Tail-Mutprobenpartys brauchen oder aber mit Froschschenkeln historische französische Menüs nachkochen wollen. Wer sich die Arbeit antun und Ramen, die auch hierzulande gehypte japanische Nudelsuppe, selbst herstellen will (in Japan macht das übrigens kaum jemand), findet im ewigen Eis von Wiener Märkten wie Prosi, Lili-Markt oder Huan Yu Säcke mit Hühnerfüßen für die richtige, nämlich viskos-schmelzige Konsistenz der Brühe. Auch einer gewöhnlichen Hühnersuppe schadet eine Handvoll Hühnerfüße durchaus nicht. Ebenfalls in Tiefkühltruhen lagernd: hauchdünn geschnittenes Rindfleisch für Feuertöpfe à la Shabu Shabu, vorgeschnittener Wantan-Teig für schnelle Ravioli – und appetitliche Stücke von Durian, der Stinkfrucht. Die Wiener U-Bahn kennt da bisher kein Verbot.

Tipp

Exotische Supermärkte: Die größte Auswahl aus aller Welt hat Prosi, Wimbergerg. 5, 1070 Wien. Ebenfalls gut: Huan Yu, Rechte Wienzeile 33, 1040.

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