Eine Institution feiert: "das möbel" wird 20

Eine Fusion aus Kaffeehaus und Möbelgalerie: "das möbel", 1998 in der Burggasse eröffnet, brachte Wien ein völlig neues Lokalkonzept. Und hat die Design-Szene belebt und sichtbar gemacht.

Lothar Trierenberg, Ko-Gründer und Eigentümer von "das möbel" in der Wiener Burggasse.
Lothar Trierenberg, Ko-Gründer und Eigentümer von "das möbel" in der Wiener Burggasse.
Lothar Trierenberg, Ko-Gründer und Eigentümer von "das möbel" in der Wiener Burggasse. – Clemens Fabry

Es war ein Wien, wie man es sich heute kaum noch vorstellen kann: Das Museumsquartier gab es noch nicht, die Vienna Design Week war in weiter Ferne. Die vielen kleinen Läden, die den siebenten Bezirk heute ausmachen, fehlten großteils und auch die Künstler und Kreativen begannen gerade erst, den siebenten Bezirk zu erobern und damit sein Image als jungen, kreativen Stadtteil aufzubauen. Bekannt war Neubau damals für den Spittelberg als Weggeh-Grätzel.

In dieses - aus Designersicht - „Entwicklungsland“, wie es Lothar Trierenberg nennt, wurde im Mai 1998 in der Burggasse etwas geboren, das es damals in dieser Form in Österreich nicht ansatzweise gab: Eine Mischung aus Kaffeehaus und Möbelgalerie, ein Ort, in dem man seine Melange auf Designerstühlen an Designertischen trinken und sich die Möbel auch gleich kaufen kann: „das möbel“ nannten die drei Quereinsteiger, unter ihnen der Musikpädagoge Trierenberg, der heute alleiniger Eigentümer ist, ihr Wohndesign-Café. „Es gab damals,“, sagt er, „keine Anlaufstelle für Produkt- und Möbeldesign. Das wussten wir nicht, aber es lag irgendwie in der Luft.“

"Haben das erreicht, was wir wollten"

Aus einer Laune heraus hatten die drei die Idee geboren, einen Ort zu schaffen, an dem junge, kaum bekannte Kreative  („Es gab damals überhaupt keine bekannten Möbeldesigner“) ihre (selbst gebauten) Produkte präsentieren können. Der Kaffeehausbetrieb wurde eigentlich nur dazu genommen, um „das möbel“ wirtschaftlich führen zu können. „Es war aber nicht ganz zu Ende gedacht“,  sagt Trierenberg. „Denn ein Lokal funktioniert nur, wenn es gut besucht ist. Ist es aber gut besucht, sieht man die Möbel nicht mehr.“

Nun: Aufgegangen ist das Konzept trotzdem. Zwar finanziert der Lokalbetrieb – längst erweitert um viele vegane und glutenfreie Speisen („Das haben die Stammkunden so verlangt“) –  die Möbelgalerie nach wie vor, „ideell haben wir aber genau das erreicht, was wir wollten“: Junges Design bekam erstmals große Aufmerksamkeit, immer mehr Designer meldeten sich bei den „das möbel“-Herren, um ihre Produkte ausstellen zu können - heute bekannte Namen wie Karl-Emilio Pircher (heute mit "Walking -Chair" bekannt), Monica Singer (Polka Products) oder Marco Dessi fanden im "das möbel" eine ihrer ersten Plattformen.

Die Medien berichteten begeistert von diesem völlig neuartigen Lokalkonzept (das in diversen Spielarten mittlerweile viele Nachahmer gefunden hat). „Der G'Spritzte kostet 24 Schilling. Der Römische Klapphocker kommt etwas teurer: 2190 Schilling“, schrieb die „Presse“ damals.

Der beste Möbel-TÜV

Und auch bei jenen (studentischen) Kaffeehaus-Besuchern, die sich keine Designermöbel leisten können, sondern „das möbel“ eher als Kaffeehaus und Arbeitsplatz („Wir haben Wlan, seit es Wlan gibt“) nutzen, beobachtet Trierenberg zufrieden, „dass sie sich mit zeitgenössischen, europäischen Design beschäftigen. Und praktisch ausprobieren können, was ein Stuhl für sie können muss: Muss er nur schön sein oder auch bequem?“ Auch für die Designer selbst sei so ein Kaffeehaus „der beste Möbel-TÜV: Übersteht ein Möbelstück ein Jahr im Café, hält es zuhause ein Leben lang“.

Was sich in den 20 Jahren „das möbel“ geändert hat: „Wir sind solider geworden“, sagt Trierenberg. Wurden früher oft Unikate kleiner Designer ausgestellt und verkauft, setzt man heute vor allem auf etwas größere Manufakturen, „die eine gewisse Kontinuität“ bieten: Wer also nach einem Jahr zu seinen vier Stühlen zwei weitere dazu kaufen möchte, soll dazu die Möglichkeit haben“.

Ein großes Missverständnis hat Trierenberg aber auch nach all den Jahren noch nicht ganz ausräumen können: Interessiert man sich für ein Möbelstück, das man im Café entdeckt hat, wird es bestellt – man bekommt also nicht das (gebrauchte) Ausstellungsstück.

„das möbel das café“ (7., Burggasse 10) lädt am Freitag 18.5. ab 18 Uhr zum Jubiläumsfest: Die Fusion aus Möbelgeschäft und Café wurde 1998 von Lothar Trierenberg, Markus Luger und Justus Lück eröffnet, 2006 folgte „das möbel das geschäft“ (6., Gumpendorferstr.11), heute ist Trierenberg alleiniger Eigentümer beider „das möbel“-Unternehmen.

Zum Jubiläum am 18. Mai gibt es Gewinnspiele, ein Buffet mit Speisen wie vor 20 Jahren und Cocktails um einen Schilling (!).

www.dasmoebel.at

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