Warhol, Steinway, Pekingente

Martin Ho eröffnet an der Seilerstätte ein halbes Haus: Chinarestaurant trifft Taco-Tresen, Gin-Bar und Galerie. Es soll das letzte typische Ho-Projekt sein.

Leicht erschöpft: Martin Ho in seiner Galerie im neuen „One of One“.
Leicht erschöpft: Martin Ho in seiner Galerie im neuen „One of One“.
Leicht erschöpft: Martin Ho in seiner Galerie im neuen „One of One“. – (c) Marlies Plank

Die Adresse: Seilerstätte 16. Direkt nebenan liegt der Vegetariertempel Tian, gegenüber der Eingang des Ronacher. Rechts auf Hüfthöhe hängt eine Art kleiner chinesischer Lampenschirm mit einer Schnur. Zieht man daran, öffnet sich die Glastür. Dann geht es hinein und nach rechts. Imposante Treppe, schwarzer Teppich, riesige karierte Vorhänge, bunte Farbrechtecke auf dem altehrwürdigen Stuck. „Schachmatt“ steht in Neonschrift über dem Empfangstresen: Partie beendet. Spiel gewonnen?

Es ist jedenfalls Martin Hos letzter Zug, den er hier gesetzt hat. „Hier ist Endstation“, sagt er über sein neues „Multi-Concept-Projekt“, das heute eröffnet und viele Dinge vereint, die er schon lang umsetzen wollte. Ein Chinarestaurant vor allem und eine (private) Sportbar für sich und seine Freunde. Als er das Wohnhaus, in dem auch die Galerie Krinzinger beheimatet ist, das erste Mal betreten habe, sei ihm klar gewesen, „dass ich hier all das umsetzen kann, was ich seit Jahren mit mir herumschleppe“.

In den Räumen einer ehemaligen Privatbank gelegen, besteht das „1o1“ oder „One of One“ im Prinzip vor allem aus seinem Stiegenhaus, um das sich nicht besonders große Räume gruppieren. Im Halbstock liegt das „Tetate“ mit Tacos und Tequila, Mezcal und mexikanischem Bier unter einer Kunstinstallation von Tomek: Alte Militärplanen, Schießscheiben und Stacheldraht erinnern an die US-mexikanische Grenze.

 

Sportbar nur mit Fingerabdruck

Einen Stock höher hängen schon die irischen Enten in den Reifeschränken. Der rot gestrichene Fine-Dining-Raum „Mr. Wow“ konzentriert sich mit seinen rund 40 Sitzplätzen auf Hos Vorstellung der perfekten Pekingente, daneben gibt es chinesisch-vietnamesische Küche im typisch asiatischen Family-Sharing-Stil. Derzeit speist man hier übrigens neben einer ganzen Reihe von Warhols Campbell-Suppendosen, von „Mushroom“ über „Clam Chowder“ bis „Cheddar Cheese“, Leihgabe einer Schweizer Sammlung.

Der größte Raum gehört indes Hos Galerie, die nunmehr hier untergebracht ist; zum Auftakt widmet man sich passend zum EU-Asien-Gipfel Werken chinesischer Künstler. Nebenan wiederum steht ein Steinway-Unikat, der Flügel ist innen mit einer Klimt-Replik bemalt, soll von Pianisten genützt werden und seine Klänge mithilfe von Bang & Olufsen ins ganze Haus tragen (er kann aber auch allein spielen). Ergänzt wird das Angebot durch eine Gin- und Martini-Bar, benannt nach Hos eigenem „Chin Chin“-Gin, als Leuchtkörper dient ein hölzerner Flugzeugpropeller.

Gleich daneben liegt der Eingang zum privaten Goat Club. Der Name steht bescheiden für „Greatest of all Time“, dahinter verbirgt sich, rosa beleuchtet und bunt gemustert, Hos Kindheitstraum der Sportbar, in der er seinen signierten Memorabilien Platz bieten und mit langjährigen Wegbegleitern bei goldenen (ja richtig) Chicken-Wings-Boxen Fußball, Fechten, Golf und Stabhochsprung schauen will. Schlüssel wie für den mehr oder weniger geheimen X-Club in der Wollzeile gibt es nicht – hier hilft nur der richtige Fingerabdruck.

Abgesehen davon, sagt Ho, hoffe er hier auf eine gesellschaftsübergreifende Mischung des Publikums, wie sie in kosmopolitischen Städten wie London oder New York üblicher sei als in Wien. Er könne dafür nur das Konzept zur Verfügung stellen. „Ob sie das wollen, entscheiden die Gäste.“ Bis zum ersten Abendessen sind es zu diesem Zeitpunkt noch 24 Stunden. Ho hat nicht geschlafen, das letzte halbe Jahr auf Baustellen verbracht, erst im September sein Hotel in der Wachau eröffnet. Das hier, versichert er, werde das letzte typische Ho-Projekt. „Ich war noch nie so sicher wie jetzt.“

AUF EINEN BLICK

„1o1“ oder „One of One“ heißt das neueste und angeblich letzte Gastro-Projekt von Martin Ho (32). Der Name kommt aus dem Kunstbereich und steht quasi für ein Unikat. Mit seiner 2005 gegründeten Dots-Gruppe betreibt Ho zwei Sushi-Lokale, die Clubs Vie i Pee und Pratersauna (samt extra Beach-Club), eine Kunstgalerie, einen Memberclub, die vietnamesischen Street-Kitchen-Lokale Ivy's Pho House und das Golfmagazin „Perfect Eagle“. Vor Kurzem eröffnete er das Boutiquehotel La Petite Ivy im Trenninghof in der Wachau.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.10.2018)

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