Neue Weinbar am Naschmarkt: Krawall, Wein und Bisongulasch

Der Münchner Investor Hans Kilger hat mit dem Winzer Uwe Schiefer eine neue Weinbar eröffnet. Vor Ort sind aber drei andere Herren anzutreffen.

Barleiter Adriano Iovene (v. l.), Küchenchef Markus Leitgeb und Sommelier Alexander Herbei in der neuen Weinbar Krawall am Naschmarkt.
Barleiter Adriano Iovene (v. l.), Küchenchef Markus Leitgeb und Sommelier Alexander Herbei in der neuen Weinbar Krawall am Naschmarkt.
Barleiter Adriano Iovene (v. l.), Küchenchef Markus Leitgeb und Sommelier Alexander Herwei in der neuen Weinbar Krawall am Naschmarkt. – (c) Clemens Fabry

Ist die Katze aus dem Haus, feiern die Mäuse Kirtag, lautet ein altes Sprichwort. Im Falle der neuen Weinbar am Naschmarkt ist das sogar erwünscht. Dort soll nämlich mit und ohne Katze – oder vielmehr Hausherren – Kirtag gefeiert werden. Immerhin trägt die Weinbar den Namen Krawall, was einerseits auf die einstige, dort ansässige Standlerin zurückzuführen ist (die Krawall-Minerl), andererseits aber auch Programm sein soll.

Dem Münchner Investor und Weingut- sowie Bisonfarmbesitzer Hans Kilger und dem burgenländischen Winzer Uwe Schiefer ist es zu verdanken, dass der Wiener Naschmarkt um eine hochwertige kleine Weinbar reicher ist. Ende Oktober wurde ganz still und leise eröffnet, Soft Opening nennt man diese Phase, bei der noch nicht alles hinhauen muss. Kommenden Dienstag folgt die offizielle Eröffnung. Bis dahin ist hoffentlich alles da, inklusive der neuen Sessel (derzeit müssen noch jene des Vorgängers herhalten), hoffen die drei Herren, die in der Weinbar die Stellung halten, also tatsächlich vor Ort sind.

Das sind Barleiter Adriano Iovene, der unter anderem lang im Yohm tätig war und einst bei Werner Matt im Hilton Plaza gelernt hat, Sommelier Alexander Herwei, der schon vor 19 Jahren zum Gründungsteam der Wein&Co-Bar am Naschmarkt gehörte, sowie Küchenchef Markus Leitgeb. Letzterer hat nach 20 Jahren sein Gasthaus Zum alten Weinstock im Südburgenland aufgegeben und verpachtet.

 

Wein, Bison und Wasserbüffel

Jetzt also sind die drei Herren in der kleinen Weinbar bei der Schleifmühlbrücke anzutreffen. Winzer Uwe Schiefer will ein Mal die Woche, etwa für kommentierte Verkostungen, vorbeischauen. Finanzier Kilger wird hier ehre selten anzutreffen sein. „Die Grundidee ist ein Ab-Hof-Verkauf der beiden Weingüter mit einer Weinbar“, sagt Alexander Herwei, der Sommelier. Immerhin hat Kilger seine Tätigkeit mittlerweile auf 50:50 zwischen Kulinarik und „den übrigen Tätigkeiten wie Wirtschaftsprüfung und Immobilien“ aufgeteilt. Zur Kulinarik zählt er nicht nur das weststeirische Weingut Domaines Kilger sowie das südburgenländische Weingut Schiefer & Domaines Kilger, sondern (neben Restaurants in der Steiermark und in München) auch eine Bisonfarm im rumänischen Siebenbürgen. „Wir wollen weitere exotische Nutztiere züchten und auch andere Lebensmittel wie typisches steirisches Kürbiskernöl produzieren“, sagt Kilger.

An die 40 verschiedene Weine (und Schnäpse) der Weingüter von Kilger und Schiefer sind nun also in der Weinbar zu kaufen oder eben gleich zu verkosten. Begleitet werden sie von den Produkten aus einer ansprechenden Wurstvitrine und dem, was Küchenchef Leitgeb daraus macht. Das Fleisch kommt aus Kilgers Bisonzucht, aber auch Wasserbüffel, Yak und Wild (aus eigener Produktion) sind hier zu haben, zum Beispiel in Form von hochwertigen Wurstplatten, etwa mit Grapefruit und Haselnuss marinierten und dünn aufgeschnittene Bison-Rohschinken. Aber auch Bison-Leberkäse, Hirschgulasch, Polenta mit Stockfischcreme oder Erdäpfel-Gemüse-Tortilla stehen auf der Speisekarte.

Barleiter Iovene wünscht sich viel junges Publikum, trotz Weinkompetenz soll es keine „gediegene“ Weinbar werden, sondern eher unkompliziert sein. So wartet er noch sehnsüchtig, bis die Stehtische geliefert werden, „das gehört einfach zu einer Bar“. Momentan stehen Bistrotische zur Verfügung (insgesamt etwa rund 25 Sitzplätze drinnen und 35 draußen). Aperol gibt es hier ebenso wenig wie Chai Latte to go (was tatsächlich bestellt wurde), sagt Herwei. Es gibt zwar Kaffee (Franco) sowie Joseph-Brot und ein paar Mehlspeisen, „wir wären aber dafür, dass es Milch nur bis 10 Uhr gibt, danach gibt es Grappa zum Kaffee“.

Hans Kilger ist hingegen schon mit den nächsten Projekten beschäftigt. In zwei Wochen eröffnet er in München das neue Weinhäusl, auch in Österreich sollen neue Lokale dazukommen. Er denkt dabei an Salzburg und Graz, aber auch an ein weiteres, größeres Lokal in Wien. Ein Steakhaus etwa, das Fleisch dazu hätte er schon.

AUF EINEN BLICK

Krawall nennt sich die neue Weinbar am Wiener Naschmarkt (Stand C8, Nr. 975), gleich bei der Schleifmühlbrücke. Dahinter stehen der Münchner Investor und Weingut- sowie Bisonfarm-Inhaber Hans Kilger und der burgenländische Winzer Uwe Schiefer. Neben den Weinen der beiden Weingüter gibt es auch Bisonfleisch sowie Wasserbüffel, Yak und Wild aus eigener Produktion. Die Weine werden zu Ab-Hof-Preisen verkauft (Stoppelgeld 12 Euro), auch Wurstwaren werden über die Gasse verkauft. In Zukunft sind auch Weinverkostungen geplant (Di–Sa 9–23 Uhr).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.11.2018)

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