Christian Petz: Ein Starkoch geht baden

Er hat im Palais Coburg und mit Eckhart Witzigmann gekocht, jetzt sorgt Christian Petz für eine Überraschung, er arbeitet ab sofort am Badeschiff. Die Zeit der Hauben und Sterne ist vorbei. Vorerst.

Christian Petz
Christian Petz
Christian Petz: Ein Star kocht im Badeschiff – Teresa Zötl

Viel wurde geschrieben über die Krise der Luxus-Gastronomie. Dass Stars wie Christian Petz plötzlich ohne Küche dastehen. Dass sich Restaurants wie jenes im Palais Coburg, in dem Petz kochte, oder im Meinl am Graben nicht mehr rechnen und daher geschlossen werden. Doch wie ein trauriges Opfer der Wirtschaftskrise wirkt Petz dieser Tage eigentlich nicht. Das liegt an seinen neuen Projekten, die völlig untypisch für einen mit Sternen und Hauben dekorierten sind: Seit einigen Monaten läuft etwa die Schokolade-Manufaktur namens Xoxolat höchst erfolgreich, Petz übernahm die für ihn völlige neue Rolle des Chocolatiers.

Nun sorgt er wieder für eine Überraschung: Der 46-Jährige, der einst bei den alten Meistern Eckhart Witzigmann in der Münchener Aubergine und bei Werner Matt im Plaza arbeitete, wird ausgerechnet am Badeschiff kochen. Dort badet, feiert und isst jene Wiener Szene, die bisher her Star-DJ als Starköchen huldigte. Petz wird Kombüse und Betrieb des auffälligen Schiffs mit dem Pool-Beiboot am Wiener Donaukanal nahe der Urania am kommenden Dienstag eröffnen: Er verspricht kryptisch vorab dort die Zukunft der Gastronomie ein bisschen vorwegzunehmen. Der frühere Gaul Millau-Koch des Jahres (2002, damals Meinl am Graben) galt stets als mediterran angehauchter Purist, der nie ernsthaft mit Molekularküche und Co. experimentierte. Nun wird der Innereien-Spezialist für Bewohner von Bobostan kochen. Petz sagt: „Bitte nicht vier Hauben am Kanal schreiben!“

Zur Person

Christian Petz wurde am 14. November 1963 geboren, wuchs in Grein an der Donau in Oberösterreich auf. Auszeichungen: Vier Hauben, zwei Michelin-Sterne im Coburg, Trophée Gourmet für kreative Küche („A la Carte“) und Koch des Jahres 2002 (Gaul Millau).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.05.2010)

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