Volksseuche Übergewicht: OECD fordert Maßnahmen

Fettleibigkeit ist zur Volkskrankheit geworden: Etwa die Hälfte der Österreicher ist übergewichtig. Schwer Fettleibige sterben laut OECD acht bis zehn Jahre früher als Normalgewichtige.

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Problem Übergewicht - OECD drängt auf Maßnahmen – Bilderbox

Durchschnittlich wiegt jeder zweite Mensch in den 33 OECD-Staaten (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) zu viel, jeder sechste ist fettleibig. Die Österreicher - etwa die Hälfte gilt als übergewichtig - passen in dieses Bild. Gemeinsam könnten Regierungen und Wirtschaft das Problem aber bereits für wenige Euro pro Kopf im Jahr erfolgreich bekämpfen, behauptete die OECD am Donnerstag bei der Vorstellung der Studie "Fit not fat" in Paris.

Regierung und Wirtschaft muss handeln

Regierungsverantwortliche und Privatwirtschaft müssten an einem Strang ziehen, forderte die OECD: Mit einer Präventionsstrategie, die sich auf Kampagnen zur Gesundheitsförderung, staatliche Regulierungen und eine spezielle hausärztliche Betreuung von Betroffenen stützt, "könnten zukünftig Hunderttausende vor dem Tod in Folge von chronischen Erkrankungen gerettet werden". Die Gesundheitsminister der OECD-Staaten wollen den Bericht bei einem Treffen am 7. und 8. Oktober in Paris beraten.

Ernährung, Stress und Bewegungsarmut

Die Maßnahmen würden je nach Land jährlich etwa zehn bis 30 Dollar (7,48 Euro bis 22,4 Euro) pro Kopf kosten. Die geforderte Gesundheitserziehung, Lebensstilberatung durch Hausärzte sowie gesetzliche Regelungen und steuerpolitische Maßnahmen wären eine bessere Investition als viele derzeit angebotene medizinische Behandlungen. Ohne Gegensteuern wird sich der Anteil der Übergewichtigen laut OECD-Prognose in vielen Ländern in der nächsten Dekade um ein Prozent pro Jahr erhöhen. Ursachen seien schlechte Ernährungsgewohnheiten, Stress und zu wenig Bewegung.

Kinder sind besonders gefährdet

In Österreich sind laut dem Bericht 57 Prozent der Männer und 43 Prozent der Frauen übergewichtig, zwölf bzw. 13 Prozent adipös. Die meisten Übergewichtigen insgesamt leben prozentual gesehen in den USA und Mexiko. Am wenigsten Gewichtsprobleme gibt es in Japan und Korea. Insgesamt steigen die Zahlen aber nahezu überall an. Kinder sind immer stärker betroffen: Schon jetzt bringt jedes dritte zu viel auf die Waage. Kinder mit zumindest einem fettleibigen Elternteil haben ein drei- bis viermal so hohes Risiko, selbst adipös zu werden.

Weniger Geld, mehr Speck auf den Hüften

Eine stetige Zunahme hat es nach einem leichten Rückgang in den 80er Jahren auch in Österreich gegeben. Mehr als jeder zweite Mann ist zu dick. Anders als in den USA oder Großbritannien sind bei den Frauen sozial schwächer gestellte besonders betroffen: Die Wahrscheinlichkeit für Adipositas ist bei geringem Haushaltseinkommen 2,8 mal höher als bei besser situierten Österreicherinnen. Bei Männern gibt es diesbezüglich kaum Unterschiede.

Fettleibige sterben früher

Schwer Fettleibige sterben laut OECD acht bis zehn Jahre früher als Normalgewichtige. Ihre Gesundheitskosten seien um mindestens ein Viertel höher, denn sie haben häufiger Leiden wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs.

Info

Die verwendete Messgröße für Übergewicht und Fettleibigkeit stützt sich auf den Body-Mass-Index (BMI), bei dem das Gewicht einer Person im Verhältnis zur Körpergröße gemessen wird. Laut Definition der WHO gelten Erwachsene mit einem BMI zwischen 25 und 30 als übergewichtig und Personen mit einem BMI von über 30 als fettleibig.

 

(APA)

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