Caro Maurer: Master of Wine

Als erste Frau im deutschsprachigen Raum darf sich Caro Maurer Master of Wine nennen. Der Weg dorthin war lang.

(c) Ilja Höpping

Caro Maurer wird jetzt wohl noch seltener auf ein Gläschen Wein eingeladen. Was keineswegs an ihrem Charakter liegt. Ihre Freunde haben schlicht Angst davor, ihr einen schlechten Tropfen zu kredenzen. „Manche denken, sie müssen mir den teuersten Wein einschenken“, sagt die deutsche Weinkritikerin und Journalistin. Und diese Angst wird nun wohl noch ein Stückchen größer werden. Maurer darf sich nämlich seit Kurzem „Master of Wine“ nennen. Der Titel des gleichnamigen britischen Instituts ist in der Weinwelt die Auszeichnung schlechthin. Weltweit zählen rund 300 Mitglieder zum erlesenen Kreis der Weinkenner. Maurer ist nicht nur eine der wenigen Frauen, die diesen Titel tragen – derzeit sind es 87. Sie ist auch die erste Frau im deutschsprachigen Raum, die auf ihre Visitenkarte ein kleines, aber wichtiges „MW“ drucken darf.

Vorurteile. „Gerade in konservativen Ländern wie Deutschland hat man es als Frau mit blonden, langen Haaren schwer“, sagt Maurer. Allzu oft wird allein aufgrund ihres Äußeren die Assoziation Weinprofi von vornherein ausgeschlossen. Wobei sie die Vorurteile weniger unter Kollegen, sondern eher unter Weinsammlern ausgemacht hat. Bei Verkostungen musste sie sich schon Sätze wie „Das ist aber nett, dass sie heute mit uns ein bisschen Wein probieren“ anhören. Mit dem Master of Wine dürfte sich das jetzt ändern. „Ich muss mich jetzt einmal weniger rechtfertigen oder erklären, dass ich mich mit Wein auskenne“, sagt Maurer. Zumindest bei jenen Menschen, die wissen, was hinter dem Master steckt, kann sie sich diese Mühe nun sparen.
Die Schwierigkeiten beim Master of Wine beginnen nämlich schon bei der Zulassung. Ohne jahrelange Erfahrung als professioneller Weinkenner braucht man bei dem britischen Institut, das vor etwa 50 Jahren speziell für Weinhändler gegründet wurde, gar nicht erst anzufragen. Hat man den Zutritt zu den heiligen Hallen einmal geschafft, heißt es üben, üben, üben.
„Bei der praktischen Prüfung gibt es drei Blindverkostungen zu je zwölf Sätzen. Ich habe deshalb auch in Zwölfersätzen trainiert.“ Pro Woche kam Maurer so schon auf ein „paar hundert Weine“. Insgesamt hat sie es in ihrer rund 20-jährigen intensiven Beschäftigung mit Wein sicher auf mehrere tausend verschiedene Weine gebracht. „Man lernt dabei ein System. Man lernt, wie man einen Wein objektiviert und analysiert. Und man lernt, eine Argumentationskette zu bilden. Am Ende muss man wie bei einer Addition einen Strich ziehen und den Wein bestimmen.“
Weil ein Master aber nicht nur mit praktischem Wissen erlangt werden kann, galt es auch, einen Theorieteil inklusive Dissertation zu absolvieren. Vier Jahre lang hat sich Maurer darauf vorbereitet. „Es heißt, einer von zehn kommt durch“, sagt Maurer, um gleich ihre Kollegen zu verteidigen. „Das heißt aber nicht, dass die anderen durchgefallen sind, sondern aufgeben mussten, meist aus beruflichen Gründen.“ Immerhin ist die Ausbildung berufsbegleitend, zeitaufwendig und nicht gerade billig. Zu den Kursgebühren von rund 4000 Euro pro Jahr kommen noch Prüfungsgebühren, Reisekosten und Spesen. Ohne Weine kann schließlich schwer geübt werden.

Optimismus. Dass Frauen die feineren Riech- und Schmeckrezeptoren haben, wie oft behauptet wird, glaubt Maurer nicht. „Eine Frau ist nicht automatisch eine bessere Weinkritikerin, genauso wenig wie ein Mann.“ Nur dass manche Frauen durch gewisse Erziehungsmuster einen kleinen Startvorteil haben, kann sie sich vorstellen. „Ansonsten gehe ich von einer gleichberechtigten Welt aus.“ Vielleicht braucht es diesen Optimismus in einer Welt, die besonders stark von Männern dominiert ist.
Die Ausbildung hat Maurer aber weniger gemacht, um sich in der Weinwelt durchzusetzen, sondern schlicht für sich selbst. „Ich habe das nicht gemacht, damit sich etwas ändert, sondern um mehr Wissen, Selbstsicherheit und Erfahrung zu haben.“ Maurer, die freiberuflich für die deutschen Medien General-Anzeiger, Der Feinschmecker und Fine tätig ist, will das auch weiterhin tun.
Eines hat sich aber sehr wohl geändert – und zwar bei ihr selbst. „Man lernt die einfachen Weine zu schätzen. Ein guter Wein muss nicht 50 Euro kosten, die gibt es auch um fünf“, sagt die 48-Jährige. Da können sich ihre besorgten Freunde also entspannt zurücklehnen und ihr beim nächsten Besuch etwas Einfaches, aber Gutes kredenzen. 

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