Die Testerinnen: Das Spittelberg

Das Spittelberg: Auf der Suche nach der alten Kuh.

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(c) Stanislav Jenis

Erinnern Sie sich noch an den Hype um das erste Kussmaul? Ein ambitionierter Koch, die Haselsteiners als betuchte Investoren, Architektur von BEHF – und trotzdem ist das Projekt gescheitert. Jetzt ist Harald Brunner am Spittelberg eingezogen, und diese Kombination wirkt ein bisschen so wie ich selbst in Mode von Forever 21. Jede Umgestaltung bei dieser hyperdesignten Lokalkulisse zeigt sich rasch als kompletter Bruch: das Logo mit der Taube, der Strauß roter Rosen, das Madonnenbild oder die Laternen im Fenster. Die Rotisserie, dieser Grill für große Fleischteile, ist nun das Herzstück des Restaurants. Man fragt sich, warum es solche Geräte in unserem fleischversessenen Land eigentlich so selten gibt.

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(c) Stanislav Jenis

Entsprechend lang dauerte die behördliche Zulassung. Mit der Reservierung warte ich natürlich darauf. Endlich sollte sich der Spieß drehen. Tut er aber nicht. Bei der Bestellung meint der Kellner, das sei leider, leider, ein Missverständnis. Er sei selbst schon so gespannt, alle Kollegen in der Küche reden von Brunners alter Kuh, die hier rotieren soll. Er meint damit das acht Wochen gereifte Stück eines 14-jährigen Simmentaler Rindes, das sicher bald zum Signature Dish wird. Bis dahin gebe es auf der Karte einen im Rohr zubereiteten Vorgeschmack: Bratl und Ente. Na gut, meinetwegen. Zumindest geht es vielversprechend los. Ceviche und Selleriecreme als Gedeck (3,50 Euro). Es folgt eine kräftige Hühnersuppe mit Chili, Galgant und Udon-Nudeln. Dann die Ente (24 Euro). Von unwiderstehlich (© Karte) ist sie ziemlich weit weg. Das Duroc-Schwein (18,90 Euro) schmeckt lasch und aufgewärmt. Beides musste offenbar weg, weil auf dem Weg zur Tür sehe ich knusprige Braten und Enten auf der offenbar ziemlich überraschend eingeschaltenen Rotisserie (siehe oben: so hätte sie ausgesehen). Traurige Serviceleistung für Gäste, die konkret danach fragen. Auch wenn mich diesmal nur die Beilagen überzeugen – molliges Ingwer-Rotkraut, intensive Grammelknödel, frischer Pak Choi –, für die alte Kuh möchte ich schon irgendwann wiederkommen. Und für die versöhnlichen Topfenknödel zum Dessert. Ich weiß sogar bereits, wo ich dann sitzen werde: Sicherheitshalber am großen Tisch direkt vor dem Grill.

Info

Das Spittelberg, Spittelberggasse 12, 1070 Wien, Tel: +01/587 76 28, Restaurant: Di–Sa, 17–1 Uhr.

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