Testessen im Klyo: Ein Name ist die halbe Miete

Von Sternen, Proteinen und starkem Huhn: Zu Tisch im neuen Urania-Restaurant.

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Zu den großen Geheimnissen unserer Zeit zählt neben Wahlkämpfen, Kanzlerkronen und Prinzessinnenschmuck die Lehre von der richtigen Namensgebung. Kindervolle – das ist das logische Gegenstück zu Kinderlosen – kennen das. Da überlegt man über Monate einen Namen für das Baby, wähnt sich im Besitz globaler Originalität, um spätestens im Kindergarten bemerken zu müssen: Der gesamte Bezirk hatte dieselbe Namensidee. Aber wie gesagt: Ein Name ist die halbe Miete. Daher verwundert mich die Namenswahl im neuen schmalen Urania-Restaurant besonders. Klyo? Sicher gibt es einen Stern, der so heißt, oder einen Statisten in Game of Thrones, aber warum eigentlich nicht was mit Sternen? Sternenfresser etwa? Oder Venus? Oder Mondfenster? Egal, testen wir das Klyo, das wie ein Kleinfahrzeug klingt. Die beauftragte PR-Agentur hat uns übrigens via E-Mail gebeten, die Information auch an Florian Holzer vom Falter weiterzugeben, der schaue nämlich selten in seine Mailbox. Das machen wir an dieser Stelle gerne! Sonst noch wen benachrichtigen? Den Kanzler eventuell? Das übernimmt dann der Falter.

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Optisch hat sich nicht viel geändert, die Kanal-Aussicht ist fein, innen sitzt man funktional. Alle Gerichte werden mit ihrem Proteingehalt auf der Speisekarte angegeben. Es sitzen dennoch oder deswegen vor allem junge Frauen in dem sympathischen Lokal und nicht etwa Bodybuilder, die sich heute sicher auch anders nennen. Mit gerade einmal fünf Gramm Protein schlägt die wunderbare zart bitter schmeckende, im Ganzen gedämpfte Artischocke zu Buche, beim begleitenden feinen Olivenöl-Zitrusdip frage ich nicht. Die Gnocchi, die dem Speisekarten-Vernehmen nach zu 100 Prozent aus Melanzani fabriziert wurden, fallen als Muskelmacher auch nicht ins Gewicht, geschmacklich herrscht aufgrund einer wässrigen weißen Paradeiser-Sauce, Oliven-Stücken, Kresse und Cashewkäse irgendwie Verwirrung vor. Klarer wird es wieder beim knusprig gebratenen halben ausgelösten Huhn, das mit etwas langweiligem Spinatsalat und Salzzitronenpolenta serviert wird. So ein gutes steirisches Huhn braucht ein kräftigeres Visavis am Teller. Ich natürlich auch. Und das Frühstück – etwa das „grüne“ mit pochiertem Ei, Safran-Hollandaise (also ein bisschen Benedict) und Avocado – ist definitiv auch zu empfehlen. Und das ist jetzt keine Wahlempfehlung.

Info

Klyo, Uraniastraße 1, 1010 Wien, Tel: 01/7105946, Restaurant: Täglich 9–1 Uhr

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