Testessen: Pizza Randale

Kreativpizzen im Karohemdmodus, Das Pizza Randale an der Ecke Kettenbrückengasse/Marga­reten­straße hat dem Grätzl gerade noch gefehlt.

(c) Carolina Frank

Draußen lüftet der Mann auf dem Leuchtschild seine Wampe. Darauf zu lesen: Randale. Drinnen dampft es, das Lokal ist bummvoll. Das Pizza Randale, das an der Ecke Kettenbrückengasse/Marga­reten­straße auf das Transporter gefolgt ist, eröffnete Ende des Vorjahres und hat dem Grätzl offenbar gerade noch gefehlt. Auch zum Kartenspielen, wie ein Tisch beweist. Das Dutt-Stirnfransen-Omamantel-Aufkommen, sprich: der Hipsteranteil, ist angemessen bis hoch, je nach Uhrzeit. Nach dem Essen wird hier nämlich der Tisch neben der Bar über die Köpfe der Gäste hinweg davongetragen und durch ein DJ-Pult ersetzt. Betreiber des Pizza Randale ist der Kreuzberger Nikolai Kölbl, der auch Chef der Weinschenke-Filialen ist. Das Lokal in der Franzensgasse war das erste; hier stand Kölbl zunächst am Herd, kochte eine aufwendigere Linie, sattelte dann aber auf das einfachere Erfolgskonzept Burger um. Es folgten Weinschenke-Dependancen am Siebensternplatz und am Karmelitermarkt. Seine „Toasterei“ Bunter Hund in der Praterstraße, im Frühling 2017 eröffnet, hat Kölbl inzwischen wieder geschlossen. Sie hatte zu wenig abgeworfen.

(c) Carolina Frank

Am massiven Ofen im Pizza Randale – die Anlieferung in süditalienischer Manier sorgte für einiges Verkehrschaos im Viertel mit Nachwehen für Kölbl – steht ein Mann, der auch schon andere hippe Wiener Pizzaöfen befeuert hat: Carmine Cilento, zuvor etwa in der Pizza Marí und im Kitch. Die Randale-Karte macht klar, worum es hier geht, reiht Pizze Bianche und Pizze Rosse vor die Vor- und Nachspeisen. Man muss freilich hoffen, dass nicht gerade all das aus ist, was man wollte. Aus ist zum Beispiel der „Italian Burmese Salat“, der Amalfi-Zitronen, Weißkraut, Grünteeblätter, gerösteten Buchweizen und noch so einiges anführt. Aus ist auch eine Pizza Rossa namens „Wiener Blut“ – keine Hödl-Blutwurst mehr da. Angesichts der wachsamen Augen des großformatigen Bud Spencer an der Wand bestellt man aber ohnehin besser die Pizza Bud, mit Salsiccia, Pancetta und gekochten Cime di Rapa. Oder die Strada del Sole, eine Bianca mit roher Lachsforelle, gehobelter Zitrone, gelben Paradeisern und einer wunderbaren Safrancreme. Der Teig: neapolitanisch, also elastisch, klappbar. Die Vorspeisen klingen vielversprechend, leiden aber unter aromatischen Schwächeanfällen. Sowohl die Caprese als auch die geschmorte Melanzani hätten durchaus mehr Forza vertragen. Vom Fass kommt das Bier My Antonia. Aus der Faema E61 Espresso. Nein, doch nicht: „Kaffeebohnen sind aus.“ Randale!!

Info

Pizza Randale, Kettenbrückengasse 1, 1050 Wien. Tel.: 0650 855 07 72, Mo–Mi, So: 16–1, Do–Sa: 16–4 Uhr.

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