Sonntagstafel: Salzamt

Am Sonntagabend kann man im guten alten Salzamt essen. Ja, das gibt es noch!

Es gibt wenige gastronomische Konstanten in Wien, Szenelokale, die lange währen, sind noch seltener. Das Salzamt ist eine Ausnahme. Wobei falsch: Eigentlich haben wir das Restaurant sträflich vernachlässigt, fast vergessen. Das kann daran liegen, dass es in der Mitte des unsäglichen Bermudadreiecks liegt. Manche meinen, das Salzamt sei einst auch Entstehungsort und Epizentrum des Ausgehviertels gewesen.

Das lag an der völligen neuen Architektur von Hermann Czech: So edel-karg hatte keiner vor ihm gebaut. Das und eine verlässlich gute, mediterran angehauchte Küche zog die Wiener Szene an. Ein Besuch im Salzamt hat daher heute – auch heute am Sonntag! – eine fast nostalgische Note: Weil sich das nachdenkliche Publikum in den vergangenen zehn, 20 Jahren kaum änderte, also nur ein wenig grauer wurde. Bemerkenswert sind die Öffnungs- beziehungsweise die Küchenzeiten: Bis Mitternacht kann man hier bestellen, eine Seltenheit in der angeblichen Großstadt Wien. Einige Klassiker verdienen die Bezeichnung: das Roastbeef auf Blattsalat etwa, das Beef Tatar, das hier nie von der Karte verschwand und nur vielleicht eine etwas zu deutliche Ketchupnote hat, das Wiener mit seiner schön krachenden Panier darf und soll man bestellen. Zuletzt gibt es auch Piroggi, die polnische Nudeln, auf der Karte! Schön.

diepresse.com/schaufenster

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.05.2010)

Kommentar zu Artikel:

Sonntagstafel: Salzamt

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen