Gartenkralle

Die Früchte ehrlichen Fleißes

Über Charles Dudley Warners Essay über seinen Sommer in einem Garten.

Die Passagen über Schädlinge und andere Gartenbewohner gehören zu den vergnüglichsten.
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Die Passagen über Schädlinge und andere Gartenbewohner gehören zu den vergnüglichsten.
Die Passagen über Schädlinge und andere Gartenbewohner gehören zu den vergnüglichsten. – (c) Ute Woltron

„Die Liebe zum Schmutzigen, Erdigen zählt zu den frühesten menschlichen Leidenschaften, und sie ist auch unsere letzte.“ So beginnt der US-Jurist, Journalist und Schriftsteller Charles Dudley Warner 1870 seinen Essay „Mein Sommer in einem Garten“. Der Zeitgenosse und Freund Mark Twains ist unter anderem berühmt für seinen Ausspruch: „Jeder beklagt sich über das Wetter, aber niemand tut etwas dagegen.“

Sein Gartenessay, übersetzt von Herbert Allgeier, erschienen bei Schöffling & Co., ist geprägt von Humor und Liebe zur Natur und ihrer Kreatur. In seiner Einleitung nimmt Warner sein Credo vom Menschen als Gärtner vorweg: „Schlammtorten sprechen einen unserer ersten und besten Instinkte an. Solange wir schmutzig sind, sind wir rein. Die Liebe zur Scholle kehrt wieder, wenn wir unsere Vergnügungs- und sonstigen Touren hinter uns haben – nachdem wir Dreck aßen und Wildhafer säten, uns durch die Welt treiben ließen und das Leben in vollen Zügen genossen.“ Der erwähnte Wildhafer ist ein Unkraut, und zu den vergnüglichsten Passagen gehören jene, die sich der Pflege des Gartens und den Widrigkeiten in Form diverser Schädlinge widmen. Warner führt in diesem Zusammenhang an, dass im Jahr 1120 ein Bischof die Raupen in seiner Diözese exkommunizierte, wie auch der heilige Bernhard die Fliegen im Kloster Foigny, „und 1510 richtete das Kirchengericht den gefürchteten Bannstrahl gegen die Ratten von Autun, Macon und Lyon“.

Große Fragen

Mit Kater Calvin, der „wie für Katzen typisch, eine echte Liebe für die Schönheiten der Natur“ hegt, betreut der Autor seine Blumen und sein Gemüse, stellt sich die Frage, was denn der Mensch sei, bemerkt schließlich: „Die Freude am Umgraben (oder daran, jemandem zuzuschauen, der es für uns tut) kehrt so sicher zurück, wie wir alle, früher oder später, für immer unter die Grasnarbe müssen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.07.2017)

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