Frauen achten weniger auf ihr Herz

Bei der Vorsorge sind Frauen inkonsequenter als Männer. Eine neue Kampagne soll helfen.

Rauchen gehört zu den stärksten Risikofaktoren für Herzkreislauferkrankungen. Gefährdet sind vor allem junge Frauen.
Rauchen gehört zu den stärksten Risikofaktoren für Herzkreislauferkrankungen. Gefährdet sind vor allem junge Frauen.
Rauchen gehört zu den stärksten Risikofaktoren für Herzkreislauferkrankungen. Gefährdet sind vor allem junge Frauen. – (c) REUTERS (JOSE LUIS GONZALEZ)

Wien. Wenn es um Gesundheitsvorsorge bei Frauen geht, beklagen Ärzte ein merkwürdiges Paradoxon. Denn obwohl Frauen zumeist die Gesundheitsmanager für ihre Familien sind und ihre Eltern, Kinder und Ehemänner zu regelmäßigen Arztbesuchen animieren, sind sie bei sich selbst oft nachlässig. Und das nicht nur bei der Vorsorge, sondern auch im Notfall.

Bei einem akuten Herzinfarkt beispielsweise, bei dem jede Minute zählt, rufen Frauen im Schnitt eine Stunde später Hilfe als Männer. Und liegen damit um eine Stunde später auf dem Operationstisch. „Aus für mich nicht ganz nachvollziehbaren Gründen“, sagt Andrea Podczeck-Schweighofer. Die Präsidentin der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft unterstützt die neue Initiative „Starke Frauen – Starke Herzen“ (www.starkesherz.at), die in Österreich Bewusstseinsbildung in Sachen Herzgesundheit betreiben will, wie bei einem Medientermin am Mittwoch mitgeteilt wurde.

Häufigste Todesursache

Herzkreislauferkrankungen sind in Österreich nach wie vor die häufigste Todesursache bei Männern und Frauen – wobei die Tendenz bei Frauen stärker steigend ist. Im Jahr 2015 lag der Anteil der Frauen an den an Herzkreislauferkrankungen Verstorbenen bei 47,4 Prozent. Die Ursachen dafür sind vielfältig, aber zumeist dieselben: lange Zeit nicht behandelter Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte wie Cholesterin, Bewegungsmangel, Rauchen und Übergewicht. Faktoren, die bekannt sein sollten und „beinahe täglich“ in der Zeitung stehen, betont Podczeck-Schweighofer, die Primaria im Kaiser-Franz-Josef-Spital ist.

Dennoch würden zu viele Frauen auf die jährliche, kostenlose Vorsorgeuntersuchung bei ihrem Hausarzt verzichten. Wie viele genau, ist nicht bekannt. Verlässliche Zahlen darüber gibt es nicht, was die Kardiologin kritisiert. Es brauche mehr konkrete Daten über die Präventionsdefizite von Frauen, aber auch Männern.

„Neben dem durchschnittlich höheren Lebensalter haben Frauen auch zusätzliche Risiken wie die Einnahme der Pille und die vor allem bei jungen Frauen immer stärker verbreitete Angewohnheit des Rauchens“, sagt Podczeck-Schweighofer. Ihre Botschaft lautet daher: „Kümmert euch um euren Körper. Es gibt gute Medikamente, die Herzinfarkte und Schlaganfälle hinauszögern oder sogar verhindern können.“

Vernetzung unter Ärzten

Für eine engere Kooperation zwischen Gynäkologen und Hausärzten spricht sich Allgemeinmediziner Erwin Rebhandl aus. Er ist Präsident des Vereins „Am Plus“, das sich für die Verbesserung einer wohnortnahen Gesundheitsversorgung einsetzt. „Viele Frauen haben ein sehr gutes Verhältnis zu ihren Gynäkologen“, sagt Rebhandl. „Diese können nicht oft genug auf die regelmäßige allgemeine Vorsorgeuntersuchung hinweisen.“

Auch Nationalratsabgeordnete Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ), die die Kampagne ebenfalls unterstützt, beklagt Präventionsdefizite bei Herzkreislauferkrankungen, während Früherkennung in der Gynäkologie gut verankert sei. Zudem könnten die Symptome bei einem Herzinfarkt bei mehr als 50 Prozent der Frauen anders sein als bei Männern, sagt Heinisch-Hosek. Gemeint sind etwa Bauchschmerzen, die als geschlechterspezifische Symptome missverstanden werden könnten, was zu einer Verkennung der Gefahr führe.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.07.2017)

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