Brokkoli-Diät gegen häufigen Magenkeim

Infektionen mit dem Helicobacter pylori gehören zu den häufigsten bakteriellen Infektionen. Die Folgen reichen von keinerlei Beschwerden bis Krebs. Antibiotika und möglicherweise ein Pflanzeninhaltsstoff können den Keim bekämpfen.

Brokkoli enthält den Wirkstoff Sulforaphan. Der soll in der Lage sein, einen gefährlichen Magenkeim auszurotten.
Brokkoli enthält den Wirkstoff Sulforaphan. Der soll in der Lage sein, einen gefährlichen Magenkeim auszurotten.
Brokkoli enthält den Wirkstoff Sulforaphan. Der soll in der Lage sein, einen gefährlichen Magenkeim auszurotten. – imago/Westend61

Von sechs Österreichern tragen mindestens drei einen Magenkeim in sich, der im schlimmsten Fall Krebs auslösen kann. Antibiotika sind ein probates Mittel gegen den Keim Helicobacter pylori. Aber auch Brokkoli soll ihn bekämpfen können. Bereits in Pharaonen-Mumien wurde dieses Bakterium nachgewiesen, das heute noch weit verbreitet ist – 50 bis 80 Prozent der Menschen tragen den Keim in sich. In vielen Fällen bereitet er keine Beschwerden. Häufig jedoch verursacht er eine bakterielle Gastritis sowie Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre. Im schlimmsten Fall aber löst er Magenkrebs und eine spezielle Art von Lymphdrüsenkrebs aus.

Die deutsche gastroenterologische Gesellschaft hat nun neue Leitlinien herausgegeben: Bereits die Besiedelung der Magenschleimhaut mit Helicobacter pylori gilt als Infektionskrankheit (früher: Als krank galt nur, wer bereits Beschwerden hatte). Ein generelles Screening auf den Helicobacter-Keim wäre nur schwierig bewältigbar, die neuen Leitlinien raten zu folgendem Vorgehen: Wer länger als sechs Wochen Beschwerden hat (saures Aufstoßen, Übelkeit, Magenschmerzen, chronisches Völlegefühl) sollte sich auf Helicobacter untersuchen lassen (Gastroskopie; Stuhl-, Atem- oder Bluttest; letztere sind zwar angenehmer als die Magenspiegelung, sagen aber nicht aus, ob etwa schon eine Gastritis oder ein Geschwür vorhanden sind). Bei einem Nachweis von Helicobacter pylori sollte der Keim sofort ausgerottet werden.

Normalerweise wird er mit einer intensiven Antibiotika-Kur (sieben bis zehn Tage) plus Protonenpumpenhemmer behandelt. Das Problem: Antibiotika können der Darmflora sehr schaden, außerdem zeigen sie teilweise schon Resistenzen. Die Alternative: Brokkoli. Sein Inhaltsstoff Sulforaphan soll in der Lage sein, den Keim wirkungsvoll zu bekämpfen.

Internist und Gastroenterologe Marcus Franz, der sich auch als Politiker probierte und mit zweifelhaften Aussagen bekannt wurde, hat sich in seinem eigentlichen Fachgebiet auf Helicobacter-Infektionen spezialisiert und therapiert seit sechs Jahren mit einer Brokkoli-Diät. „Die Erfolgsrate beträgt mehr als 80 Prozent. Meine Patienten müssen mindestens sieben Tage lang täglich ein halbes Kilo Brokkoli essen und dazu Protonenpumpenhemmer nehmen. Die hemmen die Bildung von Magensäure, in einem nicht sauren Milieu ist der Keim leichter abzutöten.“ Brokkoli, rät Franz, sollte nicht zu lange gekocht werden (sonst gehen bis zu 90 Prozent des Wirkstoffs Sulforaphan verloren). Noch intensiver wirken Brokkolisprossen, sie enthalten noch mehr Sulforaphan. „Noch effektiver ist die Brokkoli-Kur, wenn man sie mit Milchsäurebakterien kombiniert, also täglich ein Joghurt dazu isst.“ Die Studienlage zu Sulforaphan gegen Helicobacter pylori ist allerdings dürftig.

Es gebe „keinerlei wissenschaftliche Evidenz“, monieren Kritiker. „Wir konnten keine Studien finden, die die Wirkung von normalem Brokkoligemüse auf Gastritiskranke untersucht haben. In Laborversuchen im Reagenzglas wirkt Sulforaphan gut gegen den Helicobacter-Keim. Auch Tierversuche weisen in diese Richtung. Doch Versuche im Labor sagen noch nichts darüber aus, ob Brokkoli oder ein Bestandteil des Gemüses bei Menschen mit Gastritis dieselbe Wirkung hat“, schreibt „Medizin transparent“. „Ja, es gibt kaum Studien dazu, Pharmafirmen haben wenig Interesse, solche Studien zu unterstützen“, kontert Franz. Er plane nun selbst eine Studie dazu.

Heilmittel Gemüse

Den Magenkeim Helicobacter pylori (führt unter anderem zu Gastritis) soll der Brokkoli-Inhaltsstoff Sulforaphan bekämpfen. Das Universitätsklinikum Heidelberg hat in Laborversuchen an Mäusen nachgewiesen, dass Sulforaphan besonders aggressive Tumorstammzellen angreifen kann.

Buchtipps: „Kitchen für den modernen Alltag. Traditionelle Heilküchen aus Ost & West“, Anja Haider-Wallner, Ulli Zika, Verlag Maudrich, 23,60 Euro; „Medical Food. Warum Obst und Gemüse als Heilmittel potenter sind als jedes Medikament“, Anthony William, Arkana-Verlag, Seiten 24,70 Euro.

Web-Infos: medizin-transparent.at; internist-hietzing.at.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.10.2017)

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