Wie man »Salzburg« neuerdings schreibt

Auf der Straße werden wir förmlich davon erschlagen: Schriftzüge, Beschriftungen und Aufschriften, so weit das Auge reicht. Österreich bekommt ein neues typografisches Gesicht dank neuer Verkehrszeichen.

Salzburg neuerdings schreibt
Salzburg neuerdings schreibt
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Wien.Auf der Straße werden wir förmlich davon erschlagen: Schriftzüge, Beschriftungen und Aufschriften, so weit das Auge reicht. Viele der ausgewählten Schrifttypen genießen Wiedererkennungswert wie die schnörkellose „Arial“ oder „Times New Roman“, die dem von der „Presse am Sonntag“ verwendeten Schrifttyp stark ähnelt.

Nie mehr wieder wurde in Österreich so intensiv über Schriften diskutiert wie 1992/93, als Neville Brody dem ORF ein neues Aussehen und einen vollkommen neuen Schrifttyp verpasste. Dabei bekommt das Land seit einigen Wochen ein neues typografisches Gesicht – nur eben beinahe unbemerkt.

Wer Wien etwa auf der Westautobahn verlässt, erhält einen ersten Eindruck. Kurz nach Auhof ist auf einer blauen Hinweistafel zu sehen, wie sich Salzburg, Linz oder St. Pölten neuerdings schreiben: in einer neuer Schrift, die nach Ansicht der Wissenschaftler noch leichter lesbar ist.

„Tern“ heißt der neue Schriftyp, ein Akronym, das für „Trans European Road Network“ steht. Entwickelt wurde „Tern“ vom International Institut for Information Design (IIID) mit Sitz in Wien, im Rahmen des EU-Projekts „In-Safety“, das auf die europaweite Harmonisierung von Verkehrszeichen abzielt. Stefan Egger, der als Grafiker maßgeblich am Projekt der Non-Profit-Institution beteiligt war, erzählt von der dreijährigen Entwicklungsphase. „Zuerst wurden die drei am weitesten verbreiteten Verkehrszeichenschriften analysiert.“ Die britische „Transport“, die holländische „RWS“ und die deutsche Normschrift „Din“ standen gleichsam Pate für „Tern“, die in drei Jahren Arbeit mit dem deutschen Design-Guru Erik Spiekermann entwickelt wurde. In Labortests wurde der neue Schrifttyp auf Erkennbarkeit und Klarheit überprüft. „Bei der alten Schrift wurde das e aus größerer Entfernung zu einem o, das l wurde oft mit I, i, 1 oder ! Verwechselt“, nennt Egger nur einige Beispiele. Mit der neuen Schrift soll das nicht mehr passieren.

Erstmals wurde damit die Schrift für Verkehrszeichen in Österreich normiert. Denn mit der bislang verwendeten Typografie hat es eine besondere Bewandtnis: Eine ungefähre Richtlinie, wie die einzelnen Buchstaben auszusehen haben, fand sich zwar in der Straßenverkehrsordnung, die Lettern waren aber nicht spezifiziert. Die Schilderhersteller mussten nach Gutdünken Nachbildungen versuchen. Ganz im Gegensatz zu Deutschland, wo die verwendete Din-Schrift streng geregelt ist. Mit der „Tern“ geht nun auch Österreich diesen Weg: Zukünftig, wenn alle Schilder in einigen Jahren vollständig geändert sind, soll das Schriftbild einheitlich sein. Ein Austausch soll aber nur dort stattfinden, wo er auch notwendig ist, heißt es aus dem Verkehrsministerium.

Für das Projekt haben sich Egger und die Kollegen aus dem IIID im Rahmen des Forschungsprojekts auch der Piktogramme auf den Verkehrszeichen in den 27 Mitgliedsländern angenommen – und kuriose Schilder entdeckt. „In Portugal“, erzählt Egger, „gibt es ein Zeichen für ,kein Benzin an der nächsten Tankstelle‘.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.07.2010)

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