Kosmos Life Ball: Der Punk der Aliens

Knallbunt im Kampf gegen Aids. Linda Evangelista, Kim Cattralll, Sharon Stone und Joseph Corré engagieren sich lautstark.

(c) APA (Hans Klaus Techt

Ja, es geht um Konfrontation. Es geht raus auf die Straße, auf die Prachtstraße nämlich – hinein in des Bürgermeisters Büro. Bunt ist es, schillernd – und ein gutes Stück weit glamourös. Denn, wenn Life Ball ist, hier in Wien, dann weht auch ein Hauch von Hollywood durch die Stadt, ins Rathaus hinein und raus auf die Bühne.

Auch in seinem sechzehnten Jahr wird das Charity-Spektakel kraftvoll inszeniert. Da tummeln sich – frei nach dem heurigen Motto „Landing on Planet Life Ball“ – giftgrüne Marsmännchen, Weltraum-Prinzen und Prinzessinnen und allerlei anderweitig kosmisch-metallen Kostümierte rund um den roten Teppich. Auch André Hellers „Afrika, Afrika“-Interpreten sind dabei, genauso wie „Wir sind Oscar“-Mann Stefan Ruzowitzky („Der Lifeball steht für ein modernes, junges Wien. Ein Wien, das ich gut finde“) und Debbie Harry (die war mal Blondie).

Michael Konsel flaniert im dunklen Anzug über den Teppich und steigt beiläufig knöcheltief in ein Fettnäpfchen. (Auf die Frage „Warum gibt es keine schwulen Fußballer“ antwortet er: „Wahrscheinlich ist der Sport zu hart für sie“) Es geht ums Sehen- und Gesehenwerden. Für die Schaulustigen ebenso wie für die geladenen Stars. Es geht ums Feiern. Gegen die Angst.

Da gibt sich Kim Cattrall, in Vivienne Westwood Robe violett gewandet, die Ehre, verweist gekonnt und scheinbar wie nebenbei auf ihre Rolle in der Lifestyle-Serie „Sex and the City“ („Der Charakter von Samantha ist sexuell aktiv, aber intelligent. Man sollte sich ein Beispiel an ihr nehmen, sie hat immer ein Kondom bei sich“) und schwärmt ganz charmant, und, ja, auf Deutsch von der schönen Wiener Stadt. Auch Linda Evangelista, Schöne von Beruf, findet lobende Worte – vor allem für Ballvater Gery Keszler: „Dieser Mann ist unglaublich“.

Sympathische Skurrilitäten.

Es drängelt sich also, Agent Provocateur-Mann Joseph Corré fährt gemeinsam mit Sängerin Sophie Ellis Bextor im eigens designten Mini vor und dann ist es schon soweit: Die traditionelle Show auf dem Red Ribbon kann beginnen. Und weil nun mal 2008 ist, das Jahr des runden Leders, dürfen auch heimische Fußballer auf die Bühne. Sie singen gemeinsam mit den Sängerknaben zu Georg Friedrich Händels „Alexander Feast“ und das ist skurril und auf eigentümliche Art sympathisch. Bloß Toni Polster und Michael Konsel scheint das Lampenfieber vom angekündigten Auftritt abgehalten haben.

Dem Thema Ausgrenzung und Isolation nähert man sich heuer mit einer theaterhaften Inszenierung der „Geschichten aus dem Wiener Wald“ an. Da dreht sich die junge Ballerina mit einem Alien im Walzertakt bevor Valerie, Zweitfrau und Andere eine ambitionierte, wie eigentümliche Version von „Vienna Calling“ geben.

Aliens im Rathaus

Und dann sind die Allesmacher Miriam Weichselbraun und Alfons Haider an der Reihe, sie begrüßen 40.000 Schaulustige auf dem Rathausplatz, erinnern an den Hintergrund der Veranstaltung, rufen gegen „Verlogenheit und Pseudo-Toleranz“ auf und begrüßen Life Ball-Patron Michael Häupl, der sich vor „den Aliens“ in seinem Haus nicht fürchtet und „das tolle Fest mit Botschaft“ gleich 100 weitere Male möglich machen möchte. Dafür wird er von der freudestrahlenden Linda Evangelista mit einem kleinen Award belohnt „Das ist die beste Party auf der ich jemals war“, sagt die. Und weiter: „Die Arbeit des Life Balls ist weltweit zu spüren und dafür soll Wien als Stadt gewürdigt werden.“ Auch Kim Cattrall darf einen Preis überreichen, nämlich den mit 100.000 Euro dotierten „Crystal of Hope“. „Das Leben zu feiern, ist die beste Antwort auf Aids. Wir müssen die nächste Generation retten“, sagt sie. Und so geht der Preis auch an das Projekt „Yier Nigma“, das im Kampf gegen die Übertragung des HI-Virus’ an Kinder steht.

Ein Ehrenzeichen für den Ballvater.

Auch Ministerin Claudia Schmid lässt sich einen Auftritt nicht nehmen und macht gleich einen Staatsakt draus. Sie überreicht das „Goldene Ehrenzeichen für besondere Verdienste um die Republik Österreich“ an Gery Keszler und sagt „das solidarische Österreich muss für Toleranz stehen. Deswegen bin ich gerne hier“. Natürlich darf bei dieser Veranstaltung auch das eine oder andere Musical-Zitat nicht fehlen und so gibt das Ronacher-Ensemble „Keep it gay“ aus dem Stück „The Producers“.

Und dann wird es noch einmal ernst. Sharon Stone kommt in ihrer Eigenschaft als AmFar-Botschafterin: „Eure Worte haben Gewicht. Wir können Aids nicht beenden, solange wir nicht für Menschlichkeit einstehen, solange wir unseren Worten keine Relevanz einräumen“.

Von Bikern und Schlächtern

Die ehemaligen Kunststudentinnen „Chicks on Speed“, Porno-Star Amanda Lepore und die österreichische Tausend-Sassarin Mel Merio kommen auf die Bühne, sie singen den offiziellen Life Ball Song als Club-Hymne und da funkelt es schon ein bisschen auf dem Red Ribbon bevor die Agent Provocateur Show losgeht.

Und da kommen sie dann alle raus: Niki Lauda gibt den Biker, Stefan Ruzowitzky den Schlächter, Jazz Gitti stolziert in roter Spitzenwäsche und Nina Hagen singt dazu. Lily Cole, Lydia Hearst, Peaches Geldorf, Markus Schenkenberg und Co flanieren schließlich als Fetisch-Armee auf und ab, flankiert von gut 150 Models. Und plötzlich ist der Punk eingezogen, in der Wiener Stadt, klammheimlich, zwischen Burgtheater und Rathaus. (may)

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