Ein Mann will zum Mond: Hans Hofer und die Zweisitzrakete

Der junge Regisseur Hans Hofer wagt sich auf für den österreichischen Film neues Terrain: Er schickt eine romantische Komödie in die Säle.

Mann will Mond Hans
Mann will Mond Hans
(c) Fabry

Es ist natürlich kein Zufall, dass er sich genau hier treffen will, in einem jener Cafés der Stadt, die die Attribute „cool“ und „alternativ“ tragen. Ihn als Stammgast des „Phil“ auf der Gumpendorfer Straße zu bezeichnen, wäre noch untertrieben: Hans Hofer sitzt, wie so oft, auf einem der abgewetzten Sofas, vor ihm sein MacBook, über seine Kopfhörer lässt sich der 29-jährige Regisseur mit Musik von Bernhard Fleischmann und Archive versorgen („schöne, ruhige Musik, die gut nebenher rennt“), während er an seinem Drehbuch schreibt.

„Das Phil“, wird er später erzählen, „ist so filmisch“. Da lag es nur nahe, dass er, nachdem er hier Stunden, Tage, Wochen an dem Drehbuch zu seinem ersten Kinofilm gefeilt hatte, das Café auch zur Filmkulisse gemacht hat: Eine zentrale Szene seines Erstlings „Zweisitzrakete“ wurde hier gedreht. Es sind nur noch wenige Tage, bis „Zweisitzrakete“ in den Kinos anläuft.

Der Erwartungsdruck ist hoch, nicht nur sein eigener, immerhin betritt Hofer mit seiner „Zweisitzrakete“ Neuland: Ist es doch ein österreichischer Film geworden, der so gar nicht nach österreichischem Film klingt: eine romantische Komödie, ein „Märchen“, wie es Hofer selbst nennt, ganz fernab des für Österreich typischen Betroffenheitskinos. Kein beklemmender, sozialrealistischer Film also, aber auch keine überzogene, sarkastische Komödie à la „Die unabsichtliche Entführung der Elfriede Ott“. „Es war mir wichtig, einen positiven Film zu drehen, einen der motiviert und schön ist“, sagt Hofer, unverkennbar im Südtiroler Dialekt. „Ich finde es toll, dass der österreichische Film gerade international so gut ankommt. Aber ich hoffe, ich kann die Leute mit einem anderen Zugang glücklich machen.“

Den Gegenwind, der einem hierzulande entgegen weht, wenn man sich auf ungewohnte Pfade wagt, hat Hofer schon beim Schreiben des Drehbuchs vor zwei Jahren gespürt. „Warum einen Liebesfilm?“, wurde er immer wieder gefragt. Der Inhalt klingt tatsächlich nach modernem Großstadtmärchen: Manuel (gespielt von Manuel Rubey) ist heimlich in seine beste Freundin Mia (Alissa Jung) verliebt, die sich in einen Italiener verschaut und zu ihm nach Rom ziehen will. Mit Unterstützung einer Männer-Selbsthilfegruppe – prominent besetzt mit Simon Schwarz, dem deutschen Kinostar Denis Moschitto („Rubbeldiekatz“) und Thomas Stipsits – versucht er, Mia zurückzubekommen.

Romantisch und ja, auch kitschig: Der Dor Film gefiel das Buch des Südtirolers, der unter Peter Patzak an der Filmakademie studiert hat. Einen Härtetest hat die „Zweisitzrakete“ bestanden: Als Überraschungsfilm wurde die Komödie dem „anspruchsvollen Votivkinopublium“ gezeigt, „das wahrscheinlich eher auf einen Arthouse-Film eingestellt war“. Und durchaus positiv reagiert hat: „Das Schlimmste wäre, wenn die Leute bei den kitschigen Szenen lachen, und das ist glücklicherweise nicht passiert.“

Für einen Südtiroler aus einem kleinen Dorf (Stilfs) „ist Regisseur natürlich ein exotischer Beruf“. Bei Besuchen in seiner Heimat werde er immer noch scherzhaft gefragt, wann er endlich nach Hollywood ziehe. Hofers Pläne klingen freilich bescheidener: Einen Film in Deutschland zu drehen würde ihn reizen. Vorerst ist er aber in Wien zufrieden und schreibt an seinem nächsten, noch geheimen Drehbuch. „Es wird“, sagt er, „wieder ein positiver Film“. Wie „Zweisitzrakete“, in der Wien „anders, schöner, heller“ gezeigt werde. Gedreht wurde im vergangenen Sommer auf dem Naschmarkt, im Prater und im Technischen Museum.

Neuland betritt Hofer auch insofern, als er den Film – abseits der offiziellen Werbeschiene – seit Monaten intensiv über Facebook bewirbt, auf einer „ein bisschen patscherten, aber sympathischen Seite“ („Wir wollen zum Mond“). Mit Interviews mit den Schauspielern und Eindrücken vom Nachsynchronisieren. Auch der skurrile „Motivationstanz“ der Selbsthilfegruppe wurde via Facebook zigfach verteilt. Kommenden Freitag (15Uhr) wird ein Flashmob gemeinsam mit den Hauptdarstellern den Motivationstanz auf dem Stephansplatz inszenieren. „Mein Ziel war es“, sagt Hofer, „mit 30 meinen ersten Film in die Kinos zu bringen“. Mission erfüllt: „Zweisitzrakete“ läuft am ersten März an, am fünften März feiert Hofer seinen Dreißiger.

Zur Person

Der Regisseur Hans Hofer, 29, hat unter Peter Patzak an der Filmakademie Wien studiert.

Nach mehreren Kurzfilmprojekten läuft am 1.März der von Dor Film produzierte erste Kinofilm des Südtirolers an: „Zweisitzrakete“ – nach Definition des Regisseurs ein „romantisches, unsarkastisches Märchen“ mit Manuel Rubey, Alissa Jung, Simon Schwarz und Thomas Stipsits in den Hauptrollen.

www.zweisitzrakete.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.02.2013)

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