Lena Reichmuth: Eine Vertraute von Weltstars

Reichmuth ist Schauspielerin, Sprachtalent und Coach für Stars und Manager. Emmanuelle Riva drückt sie für den Oscar die Daumen.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wenn am Sonntagabend Michael Haneke und sein Team im Dolby Theatre auf die Worte „and the Oscar goes to...“ warten, dann wird in Wien jemand ganz besonders die Daumen drücken: Schauspielerin Lena Reichmuth hat Hauptdarstellerin Emmanuelle Riva bei der Wien-Premiere „gecoacht“, war mit ihr beim Filmfestival in Zürich, am liebsten hätte die alte Dame die Vorarlbergerin überhaupt mit auf Tournee genommen, allein: Reichmuth konnte nicht.

Schließlich ist „Weltstarassistenz“ für sie nur ein Nebenjob, erstmals erprobt bei Hanekes „Klavierspielerin“, damals betreute sie Isabelle Huppert, später Catherine Deneuve, als die auf Deutsch spielen musste. Sie geht mit ihren Schützlingen durch die Regieanweisungen ebenso wie auf einen Spaziergang durch die Stadt, ist Übersetzerin, Assistentin, Fremdenführerin, Vertraute. „Und gekocht haben wir auch.“

All das, sagt sie, erfordere vor allem eines: „Einfühlungsvermögen für die Person, die da so unter Druck steht.“ Der aktuelle Trubel um „Amour“ etwa sei „schon sehr crazy: Das, was man sich immer wünscht, dass man vom Publikum geschätzt wird, tritt ein und wird zu einer Welle, dass es fast nicht auszuhalten ist.“ Mit Riva, mit 85 immerhin die älteste Oscar-Nominierte der Geschichte, sei sie bis heute in Kontakt: „Eine fantastische Schauspielerin und ein ganz feiner Mensch.“

Lena Reichmuth selbst ist 44, geboren in Dornbirn als Tochter einer „k.u.k.-Mutter und eines Schweizer Vaters“, bis zu ihrem zwölften Lebensjahr ist sie zehnmal umgezogen. Mühsam, aber einer der Gründe, auf die sie ihr Talent zurückführt – das Talent, sich einzufühlen, anzupassen, Sprachen zu lernen; sie spricht immerhin fünf. Ihre Matura war die beste an der Schule seit 20 Jahren, man erwartete ein Studium, doch sie wollte lieber schauspielern und ging nach Paris. „Wenn ich es dort schaffe, habt ihr den Beweis.“ Sie bekam sogar Stipendien, und Pantomine-Unterricht, auch bei Samy Molcho, als sie vor 20 Jahren schließlich als Austauschstudentin ans Reinhardt-Seminar kam. Seither sieht sie Wien als ihre Basis – und liebt es.

Daheim ist Reichmuth dennoch eher selten. Zur Hälfte dreht sie in Italien, zu einem Viertel in Frankreich und der Schweiz, das letzte Viertel in Österreich und Deutschland. Sie überlegt kurz, ob das stimmt – „ich bin schon Perfektionistin“. In Italien ist sie „die Deutsche“, gleichzusetzen mit böse, korrupt, schlecht. „Da wurde fast ein Kult aufgebaut.“ Wobei, inzwischen hat sie sich vorgearbeitet, zuletzt spielte sie schon eine Mailänder Richterin. „Fast ein Triumph“ war es, als sie als Magda Goebbels in Oskar Roehlers „Jud Süß“ besetzt wurde. „In Deutschland ,die Deutsche‘ zu spielen, ohne Deutsche zu sein – das war schon cool“, findet sie. Auch wenn sie noch ein halbes Jahr nach der grausamen Rolle Albträume hatte.


Nur in Wien nutzt sie ihr anderes Talent, „aus Leuten was rauszuholen“: Sie unterrichtet (nicht genannt werden wollende) Führungskräfte mit Schauspielmethoden in Persönlichkeitsarbeit. Es tue gut, aus sich herauszugehen, zu spielen. Am Ende stehe kein sich besonders gut verstellender, sondern ein möglichst authentischer Mensch („Sie werden ehrlicher. Können besser sagen, was sie sagen wollen.“) Und nicht selten auch „ein großer Karrieresprung“.

Zur Person

Lena Reichmuth (44) wurde in Dornbirn geboren und studierte Schauspiel in Paris. In Wien spielte sie fünf Jahre am Theater der Jugend. Sie spricht fünf Sprachen und ist als Film- und Fernsehschauspielerin auch in Frankreich, Italien, der Schweiz und Deutschland („Jud Süß“) aktiv. Daneben trainiert sie Führungskräfte mit Schauspielmethoden und agiert bei Bedarf als persönliche Assistentin und Coach für Stars wie Isabelle Huppert, Catherine Deneuve oder Emmanuelle Riva. www.actingforsuccess.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.02.2013)

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