Harry Diem: "Einmal noch ein Lebenstraum"

Tennisplatzbetreiber Harry Diem will die einstige Casanova-Bar mit Kabarett und Musik wiederbeleben. Ab 2014 plant er auch ein Lokal.

Harry Diem
Harry Diem
Harry Diem – (c) Clemens Fabry

Noch muss man, wenn man in Wiens neueste Kabarettspielstätte will, erst einmal neben dem Havelka in einem Glücksspielcafé verschwinden. Nur ein Schild deutet vorerst auf das, was darunter liegt: „Casa Nova“ steht da, ein neues Haus, an einem alten Standort. Auf den Treppen nach unten erinnern Reproduktionen von Plakaten an den rot gestrichenen Wänden an die alten Tage der Casanova-Bar. An die guten zumindest: „Lenz und Liebe“ von Karl Farkas und Hugo Wiener wurde da gespielt; Josephine Baker war 1958 „das Ereignis der Saison“. Auch 80 Prozent vom „Dritten Mann“ seien hier gedreht worden, sagt Harry Diem, während er weiter nach unten führt und auf Fotos der einstigen, verlorenen Einrichtung deutet: „Was für ein Verlust.“

Dann kamen die nicht ganz so guten Zeiten der Revuebar, „in ihrer Endphase ist sie in Richtung Striptease abgeglitten“. Einen ersten Wiederbelebungsversuch startete Besitzer Johann Hirschhofer vor sechs Jahren, er baute eine Bar und organisierte ein paar Clubbings, die allerdings schnell wegen Lärmbelästigung verhindert wurden. Nun will Harry Diem einen neuen Versuch wagen, und aus dem Etablissement eine neue Kabarettspielstätte machen. Mit Freund Viktor Gernot hat er ein Zugpferd – nach seiner aktuellen Auszeit will Gernot ab September zehn Monate sein neues Programm hier präsentieren.


Diem versucht sich als Quereinsteiger – eigentlich stammt er aus der Welt des Tennis. Mit 16 schmiss er die Schule, um Profispieler zu werden. Mit 19 ließ er es wieder sein, „weil ich draufgekommen bin, dass das Leben sehr schön ist“, und er lieber ausging als zu trainieren. Gespielt habe er aber immer, und in seinen „besten Zeiten“ vier Tennisanlagen geführt. Heute sind es immer noch zwei, die Tennispoints Südstadt und Vienna im Dritten, wo sich vor allem Wirtschaftsleute gern treffen, erst nächstes Wochenende wieder zum Business-Cup, den Diem vor 20 Jahren mit dem Journalisten Peter Michael Lingens ins Leben gerufen hat.

Fast genauso lang organisiert er Kabarett für die Tennisspieler, daher der Konnex; seit drei Jahren zudem das Kabarettfestival im Rathaus. Eher nur kurz war er indes im Tennisverband aktiv, „da war ich zu undiplomatisch und bin an den Funktionären gescheitert.“ Vom leer stehenden Lokal hörte er, wenig überraschend, auch beim Tennis. Fast ein Jahr habe er überlegt, „ob ich mich drüber trauen soll“. Im Oktober fiel die Entscheidung. „Da bin ich 50 geworden, hab zum zweiten Mal geheiratet und mit gedacht: Einmal erfüll' ich mir noch einen Lebenstraum.“

Inzwischen hat Diem das „Casa Nova“ technisch aufgerüstet, gestrichen und dekoriert – mit Büsten von Dichtern und Denkern, die sein Geschäftspartner, der Hilfiger- und Diesel-Geschäfte führt, gerade ausgemustert hat. Als Quereinsteiger müsse man „ein bissl aufpassen“, finanziell gesehen. Weshalb er fürs Erste auch auf bekannte Namen setzt, beziehungsweise auf das Konzept des „Doppelpacks“, das er mit Kabarettist Klaus Eckel erfunden hat: Zwei Künstler unterhalten je eine Stunde, als Zugabe improvisiert man gemeinsam. An Soloabenden sollen Junge das Publikum aufwärmen, danach gibt's Jazz bis Mitternacht. „Mein Wunsch wäre es, dass das hier ein Kabarettistentreff wird“, sagt Diem, ein kleines „Wohnzimmer“ im Publikumsraum soll dabei helfen. Daneben plant Diem noch drei Musikformate, darunter eine Black Night mit den Rounder Girls und Eddie Cole, dem Großneffen von Nat King Cole.

Präsentieren will Diem sein Konzept nächsten Dienstag; schon letzte Woche fanden drei Baustellenpartys statt. „Ausverkauft“, staunt er. Über die provisorische Homepage sind auch schon 3000 Tickets für den Herbst weg. „Das kann an Neugier liegen oder am Programm“, gibt sich Diem vorsichtig, aber ein gutes Zeichen sei es allemal. Und wenn mit Ende 2014 das kleine Glücksspiel in Wien verboten sein soll, will Diem auch das Lokal darüber nutzen. „Als richtiges Gesamtpaket.“

Auf einen Blick

Harry Diem(50) führt die Tennispoints Vienna und Südstadt. Anfang September eröffnet er in der Dorotheergasse die einstige Revuebar Casanova als Musik- und Kabarettlocation „Casa Nova“ neu. Den Auftakt machen Viktor Gernot mit seinem neuen Programm und die Schiene „Doppelpack.“ Daneben gibt es Black Nights, Latin Nights und Abende mit Mat Schuh für die Zielgruppe „35, 40 plus“. Zudem kann man das Kellerlokal für Firmenevents buchen. Ab Ende 2014 will Diem das Cafe darüber als Restaurant übernehmen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.03.2013)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Harry Diem: "Einmal noch ein Lebenstraum"

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.