Kostüme: „Lambert Hofer“ muss weitergehen

Nach dem Tod ihres Mannes führt Olga Hofer den bekannten Kostümverleih. Bei dem man sich auch für den Life Ball ausstatten kann.

 Olga Hofer
 Olga Hofer
Olga Hofer – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Eigentlich, doch das hört man nur zwischen den Zeilen, hat sich gar nicht so viel geändert. Olga Hofer hat sich auch ums Geschäft gekümmert, noch bevor ihr Mann Anfang des Jahres unter tragischen Umständen ums Leben kam und ein letztes Mal als „Promi-Schneider“ für Schlagzeilen sorgte. Nur dass sie jetzt für sich selbst spricht, das ist vielleicht wirklich neu.

Grüne Wände, alte Ledersofas, Bilder zufriedener Kunden aus vergangenen Tagen: Wer den Lambert Hofer Frack- und Kostümverleih in der Margaretenstraße betritt, ist wie früher dem Alltag schon ein wenig entflohen. Monate nach Ende der Ballsaison, so könnte man meinen, herrsche hier frühsommerliche Ruhe, doch das ist nicht der Fall. Weil die Menschen heiraten und die Herren einen Cut brauchen. Weil ganze Catering-Brigaden für Events eingekleidet werden müssen.

Oder weil am Samstag der Life Ball ansteht – und man sich auch dafür vorbereitet hat. Sie habe die „passenden Kostüme mit wenig Stoffvolumen“ herausgesucht, berichtet Olga Hofer, Perlen und Stickereien auf Tausendundeine-Nacht-tauglichen Bustiers kontrolliert, und: sich Wege überlegt, wie man dabei dann doch wieder kaschiert.

Das Leben müsse weitergehen, sagt Olga Hofer, und weil es draußen weitergeht, geht es auch drinnen bei ihr, im Atelier mit den gedämpften Geräuschen, weiter. Sie habe immer da sein müssen, habe „durch alle Höhen und Tiefen gearbeitet“, und das tue sie auch jetzt, nachdem der erste Schock überwunden sei. Alkohol, ein Schlaganfall und eine kalte Winternacht hatten dem Leben des bekannten Schneiders vor dem Wochenendhaus in Niederösterreich ein Ende gesetzt. Davor hatte es glänzende Zeiten gegeben, schwierige, und einen Konkurs.

Nun hat Olga Hofer im ersten Stock des Geschäfts ihr Büro neu dekoriert, schlicht, weiß, dabei irgendwie englisch – ein Neustart, also doch. Englische Herrenmode mag sie, „weil man die Männer so schön einkleiden kann“. Mit Damenmode hat sie aufgehört. „Das macht mir keinen Spaß.“


Die Arbeiten für Film- und Theaterproduktionen sind heute weniger geworden, dafür habe Maßanfertigung wieder einen hohen Stellenwert. Nicht nur Fracks und Smokings, auch Jagdbekleidung bekommt man hier. 25 Jahre lang habe sie ihren Mann zur Jagd begleitet, sagt Hofer. Sie hat ihn im Unternehmen kennengelernt – mehr als 30 Jahre ist es her, dass sie als Modistin, Hutmacherin, im 1862 gegründeten Haus angeheuert hat. Damals noch in der Margaretenstraße 19, seit rund einem Vierteljahrhundert ein paar Häuser weiter. Hofers Stiefsohn Lambert wäre der fünfte in der Reihe, zeige am Handwerk aber wenig Interesse. Das zweite Haus in Simmering führt auch ein Sohn der Gründerfamilie, die beiden haben heute aber allenfalls noch die Geschichte gemein.

Olga Hofer erzählt indes lieber von Geschichten. Von Ban Ki-moon, den sie eingekleidet hat. Oder vom Zirkus, auf den sie sich spezialisiert hat. Erst kürzlich war sie dafür in Düsseldorf, Bernhard Paul hat im Roncalli neue Clowns. Die brauchen Uniformen – Olga Hofer liefert sie, wie immer. Auch das ist Tradition.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.05.2013)

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