Opernball: "Tanzen, tanzen, bissl trinken"

Der 58.Opernball eröffnete mit Arien statt Operette, weil es "nicht nur um Entertainment" gehe. Aber natürlich auch.

(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)

Er sei, erklärte Kammersänger Michael Schade, „sehr beeindruckt von Dominique Meyer“. Denn eigentlich hatte er, Schade, „einen Operettenschlager vorgeschlagen“, er hatte da etwas, das passen würde. „Aber Meyer sagte ,Nein, beim Opernball wird Oper gesungen‘. Ich finde das toll, dass hier unterstrichen wird, wir sind ein Opernhaus. Und nicht nur Entertainment.“

Dementsprechend hatte der Staatsoperndirektor für die Eröffnung des Gesellschaftsereignisses in seinem Haus drei Arien vorbereitet. Jungstar Margarita Gritskova hatte sich dabei schon im Vorfeld über ihre Arie gefreut – „Di Tanti Palpiti“ von Gioachino Rossini habe sie zur Abschlussprüfung in St.Petersburg und zum Vorsingen an der Wiener Staatsoper begleitet.

Eindeutig nervös war auch Anita Hartig vor ihrem Auftritt. Mitten im Saal zu singen sei nicht einfach – „die Distanz ist groß, wir singen mit Mikrofon, alles kommt mit ein bisschen Verspätung beim Dirigenten und bei mir an“. Nichtsdestoweniger hatte sie mit ihrer „voluptuösen, intensiven“ Arie „Depuis Le Jour“ aus Gustave Charpentiers „Louise“ schon bei der Generalprobe ein begeistertes Bravo von ORF-Moderatorin Barbara Rett geerntet.

Die war wie immer für die Künstlerinterviews zuständig, während sich Alfons Haider und Mirjam Weichselbraun um die sonstigen prominenten Gäste auf dem roten Teppich und in den rotgepolsterten Logen kümmern sollten. Schließlich ist der Opernball eben doch auch Entertainment – und ein Medienereignis, das heuer allerdings Konkurrenz erhielt: Wie das Match Opernball gegen Red Bull Salzburg–Ajax Amsterdam an den Fernbedienungen ausging, wird die Quote zeigen.

Gering war jene der erwarteten Regierungsmitglieder: Zwar wollten Kanzler Werner Faymann und Vizekanzler Michael Spindelegger den offiziellen Ball der Republik besuchen, ansonst hatten aber nur noch die SP-Minister Doris Bures und Josef Ostermayer in Zeiten von Budget- und Hypokrise das Tanzereignis in ihren Terminkalendern stehen. Und natürlich Heinz Fischer, als Bundespräsident zentraler Akteur. Er hatte heuer Ex-UN-Generalsekretär Kofi Annan in seine Loge geladen.

Dominique Meyer hatte seinerseits Tobias Moretti eingeladen; ansonst wurden etwa Regisseur Stefan Ruzowitzky, Sunnyi Melles, Christian Ludwig Attersee, Johann Lafer, US-Medienphänomen Kim Kardashian oder Hubertus Hohenlohe erwartet, der vor einer Woche noch in Sotschi auf der Piste stand. Auch Schade war vor einer Woche noch dort; danach in Toronto, nächste Woche in New York. „Aber“, meinte er, „es lohnt sich doch, nach Wien zu fliegen.“ Seinen ersten Opernball absolvierte er vor zehn Jahren – mit einer Mitternachtseinlage unter Elisabeth Gürtler. Er war froh, diesmal früher zu singen. „So komm ich früher zum Glaserl Sekt.“

Selbiges wollte sich auch Hartig erlauben – ein „Partytier“ sei sie allerdings nicht. Anders als Renato Zanella, der ehemalige Ballettchef des Hauses, der nach zehn Jahren Pause seinen zehnten Ball zelebrierte. Er hatte eine dynamische Choreografie „an der Grenze der Geschwindigkeit“ vorbereitet. Sein Plan für danach: „Tanzen, tanzen, bissl trinken und weitertanzen.“ Auch bei zwei der mittlerweile drei Quadrillen wollte er mitmachen. „Ich habe sie bis heute nicht hundertprozentig gelernt. Weil ich finde, man kann dabei nur Spaß haben, wenn man sie nicht wirklich tanzen kann.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.02.2014)

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