Wein, frisch vom Fass

In dem kleinen Weinlokal Hügel von Bacco wollen ein Italiener und eine Britin den Wienern die südländische Trinkkultur näherbringen.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Das Geschäftsmodell ist – nennen wir es: mutig. Denn die Betreiber der kleinen Weinhandlung Hügel von Bacco, die vor einem Monat in der Pilgramgasse im fünften Wiener Bezirk eröffnet hat, wollen nicht einfach Wein verkaufen. Sie wollen den Wienern dabei auch gleich noch etwas beibringen. Nämlich, dass guter Wein nicht teuer sein muss. Und – als wäre das nicht ambitioniert genug – dass Wein, frisch abgefüllt, auch aus einer sogenannten Eco Box schmeckt. Ein System, das in anderen Ländern bekannt ist, für den Österreicher aber verdächtig nach Tetrapack aussieht.

Das Konzept könnte dennoch aufgehen. Zum einen, weil sich die Pilgramgasse im positiven Wandel zu befinden scheint, weg von Handyshops und Wettcafés. Schräg gegenüber vom Hügel von Bacco hat eben das durchaus charmante Budapest Bistro eröffnet, ein paar Häuser weiter gibt es jetzt Sandwiches. Vielleicht verträgt die Gegend auch ein paar neue Ideen.

Zum anderen, weil die italienischen Weine, die der 46-jährige Italiener Luca Peghin und seine Frau, die 23-jährige Britin Elizaveta Gelfreykh, hier verkaufen, sich durchaus sehen lassen können. Insgesamt 14 Sorten füllen die beiden, die erst im September nach Wien gezogen sind, frisch vom Fass in Ein-Liter-Flaschen – oder eben in die Drei-Liter-Eco-Box. Auch aus ökologischen Gründen, wie die beiden sagen. Innerhalb des Pappkartons aus Recyclingmaterial lagern die Weine in einem Aluminiumsack. Ein Jahr lang sind sie so haltbar, nach dem Öffnen immerhin noch einen Monat lang.

„Nicht auf den Preis schauen“

„Es sind keine komplizierten Weine“, sagt Peghin. Eher das, was man unter einem ordentlichen Tischwein versteht, der zur Portion Spaghetti ebenso passt wie zu einen Abend in geselliger Runde. Neben mehreren Rotweinen – empfehlenswert ist der Piemonte Rosso, ein gut trinkbarer Cuvée – gibt es auch Rosé- und (süße) Weißweine. Auch Prosecco frisch vom Fass verkaufen die beiden mittlerweile. Ausgewählt haben sie die Weine alle selbst. Vergangenes Jahr sind sie mit dem Auto unter anderem durch Piemont und Puglia gereist und haben bei vielen kleinen Weingütern haltgemacht.

Den Wienern wollen sie nun auch ein Stück italienisches Lebensgefühl und Trinkkultur vermitteln. „Wenn ich in Italien einen Abend mit Freunden verbringen will, komme ich mit einer Flasche nicht weit“, sagt Peghin. Daher die Preisgestaltung: 5,50 Euro kostet der Liter Wein – egal, welcher. „Jeder soll kaufen, was ihm schmeckt. Und dabei nicht auf den Preis schauen müssen.“ Nach zehn Litern erhält man – mit einer Bonuskarte – eine Flasche gratis. Für Studenten gibt es zusätzliche Aktionen. Nicht bei allen ist diese Philosophie schon angekommen, gesteht Peghin. Mancher zweifle ob der Preise an der Qualität. Daher kann alles gratis verkostet werden. „Aber auch da sind die Wiener eher zögerlich. Etwas konsumieren, ohne nachher zu kaufen? Da haben manche Hemmungen.“

Die beiden steuern mit demonstrativer Gastfreundschaft gegen. Jedem Kunden wird das Konzept ausführlich und wortreich erklärt. Von Peghin ganz authentisch auf Italienisch. Von seiner Frau, die in Oxford Sprachen studiert hat und in Österreich ein Auslandssemester absolvierte, auf Deutsch. Zum Konzept, betonen sie, gehört übrigens nicht nur der Wein. Sondern auch die Kunst (derzeit Werke des Italieners Alessandro Sala), die im Laden ausgestellt ist. Und ja, auch die könnte man wohl am besten als mutig bezeichnen.

AUF EINEN BLICK

Hügel von Bacco. Seit Jänner verkaufen Luca Peghin und Elizaveta Gelfreykh im fünften Bezirk (Pilgramgasse 3/5, Mo bis Fr, 14–20 Uhr, Sa 15–19 Uhr) italienische Weine sowie Prosecco aus Piemont, Puglia und Friuli Venezia Giulia quasi frisch vom Fass. Abgefüllt werden die Weine, die gratis verkostet werden können, vor Ort. Zu kaufen gibt es den Wein im Drei-Liter-Gebinde oder aber in der Literflasche, die Umweltbewusste auch selbst mitbringen können.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.03.2014)

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