Harald Windisch: Der (zu) ehrliche Schauspieler

Harald Windisch ist vor der Kamera ebenso zu Hause wie auf der Bühne. Wer ihn engagieren will, muss - wie er sagt - "die Körperscheiße mitnehmen".

Harald Windisch
Harald Windisch
Harald Windisch – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Der Premierenabend seines neuen Films „Der stille Berg“ am Mittwoch im Wiener Urania-Kino sagt viel über den derzeitigen Berufsalltag von Harald Windisch aus. Der Streifen beginnt um 20 Uhr – ohne ihn. Beim Empfang zuvor ist er aber da. Bei der Aftershowparty auch. Dazwischen eilt er ins Theater Nestroyhof Hamakom, wo er ebenfalls um 20 Uhr die Hauptrolle Iwan Wyrypajews Liebesdrama „Valentinstag“ spielt, das erst am Freitag uraufgeführt wurde.

Schon seit einigen Jahren gelingt es dem gebürtigen Innsbrucker, eine perfekte Balance zwischen Auftritten auf der Bühne und vor der Kamera zu finden. Auch künftig will er auf beides nicht verzichten. Die von Kritikern umjubelten Leistungen in „Valentinstag“ und dem mit knapp fünf Millionen Euro nicht nur für österreichische Verhältnisse hoch budgetierten Kriegsfilm „Der stille Berg“ von Regisseur Ernst Gossner bilden den vorläufigen Höhepunkt seiner Karriere, die 1985 in der Schauspielschule des Innsbrucker Kellertheaters ihren Anfang nahm.

„Das Großartige am Kellertheater war, dass wir neben dem theoretischen Unterricht auch ständig spielen und uns austoben durften“, blickt Windisch zurück. „Ich war 19, hatte gerade die Matura gemacht und wollte nichts mehr, als auf der Bühne zu stehen. Die vier Jahre dort waren fantastisch.“

Nach Abschluss der Schule geht er 1990 für ein Jahr nach Wien, um weitere Erfahrungen am Theater zu sammeln, eher er 1991 das Angebot bekommt, ans Volkstheater nach München zu wechseln. Dort wird ihm nach eineinhalb Jahren sogar ein Fix-Engagement in Aussicht gestellt. Aber er lehnt ab. „Das ging mir alles zu schnell, ich fühlte mich überrumpelt“, sagt er.

 

Selbstfindung auf den Bergen

Es folgen zweieinhalb Jahre als Skilehrer, die Schauspielerei wird hintangestellt. Diese „Selbstfindung“ habe er gebraucht: „Auf den Bergen hatte ich viel Zeit, um nachzudenken.“ Anschließend kehrt er nach München zurück und wird sofort wieder am Volkstheater aufgenommen.

In den Jahren danach spielt er immer erfolgreicher am Theater und übernimmt diverse kleine Rollen in Fernsehserien. Bis 2004 sein erstes Kind geboren wird – eine Zäsur in seinem Leben. „Da wurde mir klar, dass ich eine Zusatzverantwortung habe“, so Windisch. „Ich wusste, meine Arbeit muss leidenschaftlicher und ernster werden.“

Also geht er zurück an das Kellertheater in Innsbruck und übernimmt dort die Hauptrolle in Elmar Drexels „Das Gigli-Konzert“. Eine „extrem wichtige Etappe“ in seiner Laufbahn, wie er betont. In weiterer Folge nimmt er Engagements am Tiroler Landestheater (unter anderem in „Othello“ und „Sommernachtstraum“), am Theater in der Josefstadt („Kasimir und Karoline“), in der Garage X (wo das Stück „Gegen die Wand“ basierend auf Fatih Akins gleichnamigem Kinofilm aus dem Jahr 2004 bis heute gespielt wird) und am Berliner Ensemble.

Parallel spielt er in Filmen („Vollgas“, „Trautmann“) und Serien („Soko Kitzbühel“, „Tatort“). Die Rolle in „Der stille Berg“ ist seine erste große in einem Kinofilm. Er verkörpert darin den Vater von Anderl Gruber, gespielt von William Moseley („Die Chroniken von Narnia“), der in den Wirren des Ersten Weltkriegs auf seine erste große Liebe trifft. Als Nächstes wird er für Marie Kreutzers neuen Spielfilm „Gruber geht“ vor der Kamera stehen.

Was sowohl Theater- als auch Filmregisseure an ihm schätzen, ist seine enorme Einsatzbereitschaft und Ernsthaftigkeit bei seinen Rollen. „Er lässt nicht locker, bevor er eine Szene geklärt hat. In diesem Punkt ist er einzigartig“, sagt Ernst Gossner. „Er will keinen Satz sagen, der nicht ernst klingt. Dabei zeigt er vollen Körpereinsatz.“

Oder wie es Windisch selbst formuliert. „Wer mich engagiert, muss die Körperscheiße mitnehmen. Mein Ansatz ist ein extrem ehrlicher. Vielleicht bin ich sogar zu ehrlich für diesen Beruf. Aber das ist nun einmal meine Herangehensweise. Und die will ich nicht verändern.“

ZUR PERSON

Bühne und Film. Harald Windisch wurde 1966 in Innsbruck geboren. Nach der Matura absolvierte er die Schauspielschule am Innsbrucker Kellertheater. Neben Engagements am Theater in Innsbruck, Wien und Berlin wirkte er in den vergangenen Jahren in erfolgreichen Filmen bzw. Serien wie „Vollgas“, „Trautmann“, „Soko Kitzbühel“ und „Tatort“ mit. Ab Freitag läuft sein neuer Kinofilm „Der stille Berg“ im Kino. Zudem spielt er derzeit die Hauptrolle in Iwan Wyrypajews „Valentinstag“ am Theater Nestroyhof Hamakom.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.03.2014)

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