„Achttausender besteigen ist nicht kreativ“

Bergsteiger Reinhold Messner und Sportartikel-Hersteller Heiner Oberrauch haben vieles gemeinsam: Sie sind Weinbauern und Ruinenbesitzer. „Die Presse“ sprach mit den Freunden.

Die Presse (Clemens Fabry)

Wien hat seit diesem Wochenende ein neues Bergsportgeschäft. Mitten in der Innenstadt. Der Inhaber des Familienunternehmens Salewa ist der Südtiroler Heiner Oberrauch (47). Seine Familie ist eng mit Reinhold Messner (62) verbunden.

Die zwei Südtiroler verbindet aber nicht nur die Arbeit mit den Bergen, sie sind auch beide Wein- und Bergbauern – und Ruinenbesitzer. Es lag also auf der Hand, dass Messner als „Stargast“ zur Geschäftseröffnung am Donnerstag kam – inklusive Segnung durch Dompfarrer Anton Faber. Mit Wien wird die zwei in Zukunft noch etwas verbinden: Eine von Oberrauchs Töchtern beginnt, so wie Messners 19-jährige Tochter, im Oktober ihr Studium in Wien. „Die Presse“ traf die engen Freunde im neuen Geschäft.

 

Die Presse: Herr Oberrauch, es heißt, Sie wollen Salewa in Zukunft auch in anderen Bergsportorten eröffnen. Jetzt ist ja Wien nicht unbedingt ein Bergsportort – warum also Wien?

Heiner Oberrauch: Weil Wien eine hohe alpinistische Tradition hat. Und es soll hier das Tor zu den neuen Märkten in Osteuropa sein.

 

Reinhold Messner: Es gibt in Wien eine 150-jährige Tradition die Alpen betreffend.

Wie lange sind Sie befreundet?

Oberrauch: Ich war 14, da hat der Reinhold einen Kletterkurs gemacht und wir sind zusammen am Rosengarten eine Tour gegangen. Als junger Bergsteiger war er natürlich das große Idol. Und sein Bruder Sigfried (verunglückte 1985 durch einen Blitzschlag am Stabeler Turm, Anm.) verbindet uns, der hat 1983 mit mir angefangen, Salewa in Italien zu vertreiben.

 

Messner: Seit ein paar Jahren widmen wir uns dem Thema Berg, da arbeiten wir also auch ganz konkret zusammen: Ich mache die Bergmuseen, der Heiner wird in Bozen eine große Zentrale für Salewa schaffen, so wollen wir Bozen zur Berghauptstadt Europas machen, was derzeit noch Chamonix ist.

 

Oberrauch: Und ganz wichtige Bausteine dabei sind die fünf Bergmuseen, die zusammen das „Messner Mountain Museum“ sind.

 

Messner: Das Herzstück der Museen liegt in der Burgruine Siegmundskron, oberhalb von Bozen. Ich selbst wohne im Schloss Juval im Vinschgau, das auch ein Museum beheimatet. Wir sind alle Ruinenbesitzer.

 

Sie auch, Herr Oberrauch?

Oberrauch: Ja, ich habe genau auf der anderen Talseite von Bozen eine Ruine. Wir können also Feuerzeichen hin und her schicken. Wir nennen uns Kulturburg und Restaurant.

 

Und Sie wohnen dort auch?

Oberrauch: Nein. Das widerspricht dem Familiengeist. Bei uns gilt eher die gepflegte Einfachheit.

 

Sie beide – als Burgbesitzer – haben also ziemlich viel Geld mit dem Geschäft „Berg“ verdient?

Messner: Also, der Heiner musste ja Geld verdienen mit seinen Geschäften, sonst wäre es ja nicht weitergegangen. Bei mir ist es ein bisschen anders. Ich habe mich immer nur gefragt, ob ich meine Projekte überhaupt finanzieren kann. Dass eine solche Tour dann als Abfallprodukt auch wirtschaftlich so viel abwirft, dass man die nächste machen kann, das ist eine Selbstverständlichkeit.

 

Herr Messner, Sie sind Bergsteiger, Wirt, Autor. Als was sehen Sie sich?

Messner: Ich habe keinen Beruf. Ich habe u.a. Hoch- und Tiefbau studiert, das aber nie ausgeübt. Ich sage auch, der Mensch muss nicht unbedingt einen Beruf haben. Ich habe mich im Grunde in lauter nicht gelernten Tätigkeiten versucht und alle 15 Jahre einen Umstieg gewagt. Ich war Felskletterer, dann Höhenbergsteiger, dann Grenzgänger in der Horizontalen, dann Forscher, Politiker und jetzt bin ich Museumsgestalter.

 

Letzte Woche hat die österreichische Bergsteigerin Gabriele Kaltenbrunner geheiratet. Sie haben sie kritisiert, weil sie ständig darüber spricht, alle 14 Achttausender besteigen zu wollen. Warum?

Messner: Nein, es ist einfach so, die Achttausender besteigen ist heute keine wichtige Geschichte mehr. Das ist auch nicht kreativ. Sie ist eine großartige Bergsteigerin, aber mich wundert das ihr nichts Gescheiteres einfällt.

 

Aber das ist doch das, was Sie auch gemacht haben?

Messner: Die 14 Achttausender waren bei mir am Ende eine Summe von vielen verschiedenen Zugängen. Aber mir ging es nie um die 14 Achttausender, sondern um die Besteigung eines Achttausenders im Alleingang, die Besteigung des Everest ohne Sauerstoffmaske etc. Am Ende kamen halt alle 14 Achttausender heraus. Sie hat ja, glaube ich, schon zehn. Jetzt soll sie mal die vier machen und dann werden wir alle applaudieren. Ich mein', die Paris Hilton geht ja auch überall herum und sagt, heute macht sie das und jenes. Oder der Grasser und die Fiona. Und Kaltenbrunner macht das halt so ähnlich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.09.2007)

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