Fête à la Niederösterreich: Pröll testet die Hofburg

Bei ihrer fünften Auflage stand die Fête zum ersten Mal unter Länderpatronanz. Erwin Pröll tanzte, Lisl Wagner-Bacher lieferte die Knödel.

(c) Fete Imperiale/RGE-Photo

Es sei ja nicht sein Ball, gab sich Erwin Pröll nach der Eröffnung des Balls (durch ihn) bescheiden, als er vergnügt den Innenhof der Sommerreitschule begutachtete, in der von allen Wänden großformatig Niederösterreich strahlte: Da Rudolf Buchbinder in Gesellschaft eines Lipizzaners in Grafenegg, dort Abtprimas Bernhard Backovsky mit Mitbrüdern vor dem Stift Klosterneuburg und einem Hengst in Levade vor dem ehrwürdigen Gemäuer, allesamt abgelichtet von Fotografin Inge Prader. Starköchin Lisl Wagner-Bacher aus Mautern an der Donau ließ sich indes nicht von ihrem Bild vertreten, sondern stand selbst weißbeschürzt in ihrer Open-Air-Schauküche, wo sie ebenfalls großformatige Wachauer Marillenknödel mit Zucker bestäubte.

Zu übersehen war es nicht, dass die Fête Impériale heuer unter der Patronanz des Landes Niederösterreich stand, auch wenn man auf blau-gelbe Farbspiele verzichtet hatte: Aus Finanzräson hatte man heuer die Österreich-Dekoration aus dem Vorjahr ausgepackt und die Spanische Hofreitschule flächendeckend rot-weiß-rot eingefärbt, was mit Hoch- und Deutschmeistern und Karos mitunter beinahe an gehobene Bierzeltatmosphäre erinnerte. Die Verbindung zwischen Wiens Heldenplatz und dem niederösterreichischen Heldenberg liege jedenfalls nahe, erklärte Pröll, schließlich befindet sich seit einigen Jahren im Schloss Heldenberg ein Ausbildungszentrum der Lipizzaner, in dem sie auch ihre Sommerfrische verbringen, während an ihrer Wiener Arbeitsstätte Hofreitschul-Chefin Elisabeth Gürtler zum Fundraising-Ball lud. Und das Schmidatal, in dem der Heldenberg liegt, gedenke man in Niederösterreich nun auch touristisch zu entwickeln, erklärte Pröll.

Begonnen hat man damit 2005 mit der Landesausstellung, dazu kam etwa die Amethystwelt in Maissau, rundum sei ein Netz an Heurigen entstanden. Pröll: „Die Lipizzaner sind bei uns sehr willkommen.“ Zur Eröffnung zuvor hatte Kammersänger Wolfgang Bankl (aufgewachsen in Tribuswinkel, das heute zu Traiskirchen gehört) aus dem „Zigeunerbaron“ „Ja, das Schreiben und das Lesen/Ist nie mein Fach gewesen“ gesungen („Denn schon von Kindesbeinen/Befasst' ich mich mit Schweinen“), und die beiden zwölf Wochen alten Ferkel Resi und Mitzi hatten sich dabei so entzückend um ihn und seinen Futtersack bewegt, dass man sie sich nur schwer als Schnitzel vorstellen konnte. Zumal immer mehr über die Intelligenz der Tiere bekannt wird.

Margarita Gritskova, die heuer schon auf dem Opernball gesungen hatte, gab das Vilja-Lied aus der „Lustigen Witwe“. Thomas Schäfer-Elmayer, mit seiner Tanzschule in der Bräunerstraße ja nächster Nachbar der Lipizzaner, dirigierte 80 Debütantenpaare mit Fächern in fragwürdigen Neonfarben. Das Ballett kam wieder aus Niederösterreich: Das Europaballett St.Pölten tanzte zur Ouvertüre zu „Wilhelm Tell“ und scheint sich generell mit Ballauftritten in Wien neues Publikum erschließen zu wollen. Schlagersänger Gregor Glanz, schon früher Gast, übernahm die Mitternachtseinlage, was besser funktionierte als Anna F., mit der Gürtler im Vorjahr versucht hatte, ein junges Publikum anzusprechen. Das braucht es offenbar nicht, der Ball war gut von jungen Tänzern besucht, allerdings mit 2500 Gästen deutlich nicht ausverkauft; auch benachbarte Luxusmarken vom Kohlmarkt hatten dem Vernehmen nach darauf verzichtet, Tische zu kaufen.

 

Prohaska sang, Hahn tanzte

Den Gästen schien es jedenfalls zu gefallen, Pferdefreund Herbert Prohaska sang begeistert „Mit sechsundsechzig Jahren“, EU-Kommissar Johannes Hahn tanzte noch zu später Stunde schwungvoll Boogie, Iva Schell kam erstmals ohne ihren verstorbenen Ehemann Maximilian, und auch Peter Weck, Melanie Scheriau, Karl Merkatz oder Ball-Patronesse Maria Rauch-Kallat mit Ehemann und Waffenlobbyist Alfons Mensdorff Pouilly wurden gesehen. Und mit Frau Pröll war auch wieder einmal eine Sisi in der Hofburg.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2014)

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