Simon Zöchbauer: Eine neue Ära der Blasmusik

Der Niederösterreicher Simon Zöchbauer zählt mit seiner Formation Federspiel zu den vielseitigsten Protagonisten heimischer Volksmusik.

Simon Zöchbauer will das Erbe der österreichischen Volksmusik hochhalten.
Simon Zöchbauer will das Erbe der österreichischen Volksmusik hochhalten.
Simon Zöchbauer will das Erbe der österreichischen Volksmusik hochhalten. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Aus der urbanen Perspektive wirkt die ländliche Blasmusik wie der Inbegriff des Hinterwäldlerischen. In den vergangenen Jahren hat sich aber auf diesem Gebiet einiges getan. Einerseits hat der feurige Balkan-Brass durch vermittelnde DJs und Musiker wie Shantel die innerstädtischen Musiklokale erobert, andererseits haben Kombos wie die bayerischen La Brass Banda auf höchst kulinarische Weise demonstriert, dass Volksmusik und Popmusik durchaus konvenieren.

„Ja, wir kommen alle aus ländlichen Gebieten und haben Wurzeln in lokalen Blasmusikkapellen“, sagt Trompeter und Zitherspieler Simon Zöchbauer, einer der prägenden Musiker von Federspiel – jener Wachauer Formation, die der Blasmusik derzeit Sensibilität und Intellektualität einimpft.

Was Federspiel gar nicht interessiert, ist die in volkstümlicher Musik und im Balkan-Brass grassierende Vollgasmentalität. „Authentizität und Zwischentöne sind uns wichtig. Uns haben die Klassik und die Volksmusik geprägt.“ Mit großem Ernst tüfteln sie an ihrem zum größten Teil selbst komponierten Repertoire. „Der Ayac Iuan Jiménez-Salvador ist gebürtiger Mexikaner und bringt Einflüsse aus seiner Heimat mit. Ansonsten beschäftigen wir uns mit der hiesigen Tradition. Extrem, welche Kraft so ein echter Jodler, etwa von der Gretl Steiner, haben kann.“

Vorurteilsfreie Generation

Der 1988 geborene Zöchbauer sieht sich als Teil einer Generation, die als erste wieder vorurteilsfrei mit der Volksmusik umgeht. Während anderswo, etwa in Skandinavien, Folklore die dortigen Popmelodien und Jazzimprovisationen nährt, machte man hierzulande die längste Zeit einen großen Bogen um die Tradition.

„Der Zweite Weltkrieg hat bei uns einen Schnitt gemacht. Während der Nazi-Ära wurde die Volksmusik missbraucht. Ich sehe es ein bisschen als Aufgabe unserer Generation, die traditionelle Musik im deutschsprachigen Raum auf den Stand zu bringen, auf dem andere Volksmusiken längst sind“, so Zöchbauer. „Wir wollen, dass man sie wieder als das anerkennt, was sie ist: unser Erbe. Es gibt da wahnsinnig viel Schönes, das kaum wer kennt.“

Eines der wenigen gelungenen Beispiele der Integration heimischer folkloristischer Klänge in zeitgenössische Musik sieht Zöchbauer im Werk von Österreichs Paradejazzer Joe Zawinul. Auf Federspiels soeben erschienenem Opus „Live im Wiener Musikverein“ zelebrieren sie dessen Komposition „The Harvest“. Warum gerade dieses Stück? „Es hat uns einfach gepackt und nicht mehr losgelassen.“

Und doch klingt es bei „Federspiel“ auf erfrischende Art unjazzig. Woher das rührt? „Wohl daher, dass die meisten von uns Klassik studieren. Einige aus Passion, andere wie ich eher aus pragmatischen Gründen. Es ist ein guter Weg, um die Technik zu lernen.“ Vorbild an der Trompete ist ihm der feinsinnige Hans Gansch. Bei aller Liebe zur Trompete wurden ihm deren Ausdrucksmöglichkeiten schon früh zu knapp. Schon mit 18 Jahren lernte er deshalb zusätzlich das Zitherspiel. „Die Feinheiten des Instruments haben mich sehr angesprochen. Als ich im Wienerlied-Film ,Herzausreisser‘ das Soyka-Stirner-Duo gesehen habe, war's um mich geschehen. Ab da hab ich mich sehr hineingesteigert.“

In seiner Hauptformation Federspiel wird die Zither neben dem Gesang als Antidot gegen das viele Blech eingesetzt. Privat beschäftigt sich Zöchbauer gerne mit hermetischer Philosophie. Diese antike Lehre besagt etwa, dass man für alles, was man hat oder was einem fehlt, einen gewissen Preis zahlen muss, um das Gleichgewicht wiederherstellen zu können. In diesem Sinne treibt ihn die Spannung zwischen Trompete und Zither permanent zu neuen, kreativen Schöpfungen.

Seit etwa zwei Jahren können Federspiel, die auch international gefragt sind, auf bescheidene Weise von ihrer Musik leben. Kommt man da wirklich ohne Militärmärsche aus? „Locker“, sagt Zöchbauer. „Allerdings spielen wir manchmal beim Aufwärmen den Marsch der Steirer. Der macht total geil aufs Spielen.“

Zur Person

Multitalent. 1988 wurde Simon Zöchbauer in Herzogenburg geboren. 2004 rief der Trompeter und Zitherspieler das siebenköpfige Blasmusikensemble Federspiel (unter anderem mit Fréderic Alvarado-Dupuy, Matthias Werner, Robert Puhr und Ayac Iuan Jiménez-Salvador) ins Leben. Sechs Jahre später folgte das Debütalbum. 2013 gründete er auch noch das moderne Volksmusikduo Ramsch und Rosen mit Multiinstrumentalistin Julia Lacherstorfer. Vor Kurzem erschien das neue Federspiel-Album mit dem Titel „Live im Wiener Musikverein“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.07.2014)

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