Phrasendrescher, die Lage eskaliert

Die Top-Plattitüden heute: "zeitgleich", "grünes Licht" und "Tote gefordert". Zwei Journalisten halten mit ihrer Floskelwolke den Medien einen Spiegel vor.

Schläge für Phrasendrescher
Schläge für Phrasendrescher
Die Floskelwolke – www.floskelwolke.de

Datendiebstahl auf offener Straße, grünes Licht für Sünder und das Blutbad hat noch Luft nach oben. Mit unpraktischen Sätzen wie diesen füttert man die vor zwei Wochen online gegangene Floskelwolke. An dieser Stelle werten Udo Stiehl und Sebastian Pertsch nämlich die Websites von 2400 deutschsprachiger Zeitungen, Radiosender, Fernsehsender und Magazinen in Deutschland, Österreich und der Schweiz aus. Zweimal täglich, einmal in der früh um 7 Uhr und einmal um 19 Uhr, daten die beiden Journalisten ihre Homepage ab.

Aktueller Stand der Top-Phrasen: Gold für "zeitgleich", Silber für "grünes Licht" und Bronze für "Tote gefordert". Während die Top-Floskeln die häufigsten aktuellen Treffer servieren, präsentiert das Top-Wachstum Begriffe, die im Vergleich zum Vortag noch häufiger verwendet wurden. "Datendiebstahl" ist heute super unterwegs, über Nacht weist das Wort eine Steigerung von 17,2 Prozent auf.

Blabla-Plattitüde

Mit ihrer Wolke wollen Stiehl und Pertsch den Medien einen Spiegel vorhalten und aufzeigen, wie grob mit der Sprache umgegangen wird: "Wir möchten nicht anprangern, sondern sensibilisieren und richten dabei unser Augenmerk auf Nachrichtenmeldungen", erklären die Betreiber der Floskelwolke. "Wir kritisieren hierbei vor allem die schlimmen Floskeln und Phrasen, die nicht nur einfach überflüssig, sondern inhaltlich falsch sind oder die werten, verschleiern und verharmlosen".

Der Giftschrank

Ihre Methode ist nicht hausgemacht. Google sucht für die Floskelwolke nach 50 Blablas und wertet die Ergebnisse aus. Die Phrasen-Liste, der sogenannte "Giftschrank", soll regelmäßig aktualisiert werden und basiert auf der langjährigen Redaktionserfahrung beider Nachrichtenredakteure. Auf dieser Erfahrung ruhend werden sie auch wissen, dass es meist nicht Faulheit, sondern die Zeit ist und der Raum, die der Sprache Feind sind. Ja, Faulheit auch.

>> Hier geht's zur Floskelwolke

(sh.)

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