Zehn Jahre Familienabenteuer: Wenn eine Buchhändlerin schreibt

Petra Hartlieb betreibt mit ihrem Mann seit 2004 die gleichnamige Buchhandlung in Wien Währing. Jetzt hat sie ihre Geschichte aufgeschrieben.

PETRA HARTLIEB
PETRA HARTLIEB
(c) APA/HERBERT NEUBAUER

Noch vor dem Verkaufsstart steht fest, dass nicht mehr viel schiefgehen kann: Die zweite Auflage ist bereits in Vorbereitung, die ersten Kritiken im privaten Umfeld sind überschwänglich (mit einer kleinen Ausnahme, aber dazu später mehr) und die Stammkunden fragen ständig, wann das Buch nun – bitte, endlich! – erscheint. Wobei, eine Sache könnte die Stimmung noch trüben: wenn das Buch öfter als E-Book verkauft wird als über den Ladentisch. Denn wenn schon ein Buchhändler-Selbsterfahrungsreport, dann sollte der auch da besorgt werden, wo er entstanden ist: in der Buchhandlung.

Wer im geschäftigsten Teil Währings wohnt, in der Gegend zwischen Bezirksamt in der Martinstraße und Kutschkermarkt, wird Petra Hartlieb und ihre Familie längst kennen. Allen anderen sei sie kurz vorgestellt: Petra und Oliver Hartlieb betreiben die gleichnamige Buchhandlung in der Währinger Straße. Das Paar übersiedelte 2004 aus Olivers Heimat Deutschland nach Wien und pachtete spontan jene leer stehende Buchhandlung, die es heute betreibt. Mit ihrer Tochter zogen sie in die Wohnung darüber, in der geschätzte 5000 Bücher mehrere Zimmer zieren. Zehn Jahre, einen Riesenumbau und ein zweites Geschäft später (Hartliebs Bücher 2 in der Porzellangasse ist auf französische und italienische Literatur spezialisiert), entschloss sich Petra Hartlieb, ein Buch über das Familienabenteuer zu schreiben.

 

Buchhändlerhorror: Adventzeit

Dabei kommt Hartlieb ihr journalistischer Hintergrund und eine gewisse Schreibroutine zugute – mit dem Berliner Literaturkritiker Claus-Ulrich Bielefeld schreibt sie seit einigen Jahren Wien-Berlin-Krimis. Nachdem sie ihre Familienmitglieder, neben Mann, Tochter und Hund auch den bereits erwachsenen Sohn, um Erlaubnis gefragt hatte, sie in ihre Geschichte einbauen zu dürfen, war für Hartlieb das Schwierigste, „den richtigen Ton und die richtige Erzählperspektive zu finden“. Sie wollte nicht betulich oder abgehoben klingen, aber auch keine dritte Person ihr Leben erzählen lassen. Also entschied sie sich für die Ich-Form und eine flott-flapsige Sprache. Herausgekommen ist ein kurzweiliger Report über die harten Anfangszeiten in der neuen Nachbarschaft, das stressige Weihnachtsgeschäft, für das sich bereits ab Anfang November die Bücherkisten in der Wohnung stapeln, Softwareprobleme und lange Spaziergänge mit dem Hund. Obwohl man zwischen den Zeilen spürt, wann die Selbstständigkeit im Buchhändlergewerbe und die Verantwortung für mittlerweile zwölf Mitarbeiter an die Substanz gehen, ist das Buch rundum positiv. Und das ist er, der kleine Kritikpunkt, den sich Hartlieb von lieben Freunden und Schriftstellerkollegen anhören muss: Ihre Schilderungen seien fast unglaubwürdig optimistisch, stets stehe bei Problemen ein Nachbar oder Kunde bereit, immer löse sich alles in Wohlgefallen auf. Hartlieb ist das bewusst und sie erinnert ihre liebevollen Kritiker, dass sie hier von wahren Kunden, Mitarbeitern, Familienmitgliedern schreibt. Selbst wenn es gröbere Probleme gegeben haben sollte, hätte sie die unmöglich ganz originalgetreu schildern können.

Was Hartlieb schon länger umtreibt, ist der Kampf gegen den Onlinehändler Amazon. Sie glaubt, dass die Buchhändlerbranche mittlerweile ein neues Selbstbewusstsein erlangt hat. „Dank der Berichterstattung über das Thema und wegen der Kritik an Amazon.“ Mit ihrem Buch wollte sie auch ihren Buchhändlerkollegen ein Denkmal setzen. Schon vor dem Verkaufsstart bekam sie rührende Post von Kollegen aus Deutschland. Das Interesse an ihrem Buch ist vor allem dort groß. Die Kollegen (und Konkurrenten) in Österreich sind da wohl noch ein bisschen zurückhaltender.

Wie gut vernetzt Hartlieb in Wien ist, zeigt auch ihre Fangemeinde unter Kreativen. Mit Daniel Glattauer tauscht sie sich regelmäßig aus, Kabarettist Thomas Maurer wohnt in der Nähe, ebenso Regisseur David Schalko. Letzterer besorgte sich stets kiloweise Bücher bei Hartliebs. Die Buchhändlerin, neugierig wie sie ist, fragte, was er beruflich mache. Seither sind die beiden befreundet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.09.2014)

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