Sterblich und Wagner: Berliner Häschen in Wien

Warum Ulrike Sterblich und Stese Wagner den Alltag aus Hasensicht erklären und sich der Besuch ihres Wiener Gastspiels im Wuk durchaus lohnt. Mit dabei ist jedenfalls auch Tex „der Mann im Schrank“ Rubinowitz.

Bunnies
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(c) Www.BilderBox.com

Was wir uns überlegt haben zu verschiedenen Themen!“ Die Ansage klingt so einfach wie klar. Und mehr als das ist es tatsächlich nicht, was die beiden Berlinerinnen Ulrike Sterblich und Stese Wagner mit ihren Auftritten in Berliner Clubs wollen.

Aber hat man das wirklich gebraucht? Zwei Frauen, die einen auf naives Häschen machen (sinnbildlich, nicht verkleidungstechnisch gemeint) und dabei Alltagsphänomene erklären?

Zumindest Berlin hat diese Frage mit einem eindeutigen Ja beantwortet. Dort kennt man das Supatopcheckerbunny (Sterblich) und sein Hilfscheckerbunny (Wagner) schon gut. Und hat sie lieb gewonnen. Das Komikerduo Dirk Stermann und Christoph Grissemann hat schließlich vor einem Jahr den Versuch gestartet, das STCB auch in Österreich bekannt zu machen – und holte Sterblich als Außenreporterin zu „Willkommen Österreich“, die dann mit einer süßlich-naiven Stimme einfache Dinge sehr kompliziert erklärte. Dass sie das nun schon eine Weile nicht mehr tut, ist etlichen Zusehern vermutlich noch nicht einmal aufgefallen. Soll heißen: Einen großen Fanclub hat das Supatopcheckerbunny in Österreich noch nicht.

Was sich aber noch ändern könnte. Denn der (versteckte) Witz, der sich in kleinen Fernsehbeiträgen einer Late-Night-Show wie „Willkommen Österreich“ nicht wirklich optimal entwickeln konnte, mitunter sogar zum Wegschalten der Sendung animierte, hat in Liveshows auf der Bühne schon mehr Potenzial. Nach Auftritten in Hamburg und Hannover kommen die zwei Berlinerinnen morgen, Mittwoch, ins Wiener Wuk. Und haben prompt die Kollegen Stermann und Grissemann als Gäste im Gepäck.

Vielleicht aus Dankbarkeit, durch sie ins öffentlich-rechtliche Austrofernsehen gekommen zu sein. Oder doch nur deshalb, weil sie die zwei benötigen, um überhaupt Publikum anzuziehen (was bei der Aufregung um die beiden derzeit noch leichter fällt als sonst)?


Mit dabei ist jedenfalls auch Tex „der Mann im Schrank“ Rubinowitz. „Tex ist wichtig“, sagt Ulrike Sterblich im Interview. Schließlich war der Cartoonist und Zeichner derjenige, der den Bunnys ursprünglich Gestalt gab.

Denn die waren anfangs zwei gezeichnete Häschen, die zuerst online (in dem von Rubinowitz, Christian Ankowitsch und anderen betriebenen Internet-Forum „Höfliche Paparazzi“) und erst danach in der deutschen Satirezeitschrift „Titanic“ ihr Unwesen trieben. „Und in erster Linie mit ihrer Naivität stören sollten“, sagt Sterblich. Das mit dem Stören hat aber nicht so geklappt, wie sich das die Politologin und ihre Kollegin, die Werbetexterin Wagner, vorgestellt hatten. „Stattdessen haben sich die Figuren totaler Beliebtheit erfreut.“


Warum ausgerechnet ein Hase zur dümmlichen Figur auserkoren wurde, die in ihrer Naivität trotzdem manchmal den Kern einer Sache trifft, weiß Sterblich nicht mehr so genau. Das Häschen sollte „etwas Irritierendes“ haben und das Frauenbild des kuscheligen, naiven Häschens persiflieren. Das Hilfscheckerbunny toppt die Naivität seiner großen Schwester noch und ist sehr materialistisch eingestellt.

Erst einige Zeit später haben die zwei Freundinnen bemerkt, dass man die Figuren auch zum Leben erwecken und auf die Bühne bringen kann. Die „Berlin Bunny Lectures“ sorgten ab 2004 für ein bisschen Aufsehen in der deutschen Hauptstadt. Jeden letzten Mittwoch im Monat sind die beiden in Talkshowmanier aufgetreten und haben mit ihren Gästen „ein paar neue Dinge gelernt über Themen“. Das ist auch das Motto des kürzlich erschienenen Buchs. In dem man merkt, aus welcher Ecke die zwei Frauen eigentlich kommen. Aus der schreibenden.

Das, was bei Dreiminütern im Fernsehen mäßig und auf der Bühne noch nicht ganz ausgereift ist, wird in den kurzen Texten über Verbrechen, Tiere, die „Supatopmacht USA“ lesenswert und, ja, erstaunlich lustig. Die Alltagsfragen, die beantwortet (und mit Listen und Gastautorenbeiträgen garniert) werden, sind plötzlich nicht mehr nur naiv, sondern auch ganz schön schlau.

Supatopcheckerbunny & Hilfscheckerbunny. Was wir uns überlegt haben zu verschiedenen Themen!, Fischer Verlag, 218 Seiten, 10,30 Euro.

Wann und WO

Das Supatopcheckerbunnyalias Ulrike Sterblich und sein Hilfscheckerbunny alias Stese Wagner gastieren morgen, Mittwoch, im Wiener Wuk. Zu Gast sind Christoph Grissemann, Dirk Stermann und Tex Rubinowitz.

Beginn: 20h; Eintritt: 12€. Es gibt noch Karten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.11.2008)

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