Manierismus für den Life Ball

Griechische Götter und Piraten: Beim „Style Bible Shooting“ entstehen jene Bilder, die den Stil für den Life Ball 2009 vorgeben. Das Thema: Wasser.

(c) Die Presse (Michaela Bruckberger)

Gery Keszler hat ein Problem. Der schwarze Kunststoffkörper der Muräne, die dem Meeresgott Triton entwachsen soll, lässt sich nicht biegen. „Wir brauchen anderen Draht“, sagt Keszler. „Gibt es hier eine Eisenhandlung?“

Sechs Monate vor dem Life Ball 2009 sind Gery Keszler und sein Team schon schwer beschäftigt: Das „Style Bible Shooting“ steht auf dem Programm. Drei Tage lang setzten diese Woche dreißig Models und mindestens ebenso viele Freiwillige im Wiener Filmstudio Conny Nemec das in Szene, was den Besuchern des kommenden Life Balls als Inspiration und Ideenquelle dienen soll. Motto: Wasser.

„Jeder hier tut, was er kann“, sagt Keszler. In seinem Fall ist das zum Beispiel Löten. Der gelernte Feinmechaniker hält Poseidons Krone in die Höhe. „Dafür habe ich vierzig Stunden gebraucht.“ Gabi Grünwalds Spezialität sind Silikonmasken. Sie hat die furchterregenden Köpfe der Fischkrieger hergestellt, die nun Triton zu Diensten sind. „Unsere Vorgabe war ein römischer Brunnen“, erzählt sie. „Die Krieger sind halb Mensch, halb Fisch. Auf jeden Fall mystisch und böse.“ Schließlich entsteht ja gerade das Fetisch-Motiv der insgesamt elf mythologisch inspirierten Sujets.

Feststeht das Motto bereits seit Juli. Das lasse er sich immer im Urlaub einfallen, erzählt Keszler. Wenn Sponsoren, Designer und Techniker aus den Ferien kommen, steht das Rohgerüst für den Ball. „Dann können alle loslegen.“

Fotografiert werden die Sujets wie im Vorjahr von Andreas H. Bitesnich, der als einer der besten Aktfotografen der Welt gilt (die Galerie Westlicht zeigt gerade seine Fotos). „Hier wuseln so viele Freiwillige, es ist toll“, sagt er. „So ein Team könnte man sonst für eine Fotoproduktion kaum bezahlen.“


Während Keszler an Triton bastelt, tüftelt Bitesnich am Atlantis-Setting. Die versunkene Welt wurde vom Maler Stefan Riedl entworfen, die umgestürzten ionischen Säulen und die Pegasus-Statue entpuppen sich als recycelte Mörbisch-Requisiten. „Die Herausforderung ist jetzt, eine Unterwasser-Atmosphäre zu erschaffen“, erklärt der Fotograf. Außerdem sollen alle Motive wie manieristische Gemälde wirken. Solch pompöse Inszenierungen fotografiere er sonst nicht, sagt Bitesnich. „Aber hier bin ich drei Tage lang nur Werkzeug für den Life Ball.“

Der soll in Zukunft noch opulenter werden. Er liebe den Manierismus, das Barock, sagt Keszler. All das werde künftig stärker einfließen und den Ball noch mehr zum Ball machen.

Inzwischen ist das Muränen-Problem gelöst, Triton alias Bodybuilder Armin Gangl kann sich in Pose werfen. Auch die Fischkrieger, die in ihren schwarzen Latexkostümen geduldig schwitzend ausgeharrt haben, sind jetzt gefragt. Die Geisterdame mit dem versunkenen Schiff im Haar muss weiter warten: Sie ist erst im nächsten Sujet dran. Dafür dann gemeinsam mit Model David Singhania in der Rolle des Piraten. Definitiv besser als mit Triton und seinen Fischkriegern.

In KÜRZE

Gery Keszler, Life-Ball-Organisator, inszeniert mit dem Fotografen Andreas H. Bitesnich die Bilder für die „Style Bible 2009“. Zu sehen sind sie ab Februar unter www.stylebible.org

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.12.2008)

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