Henrietta Tiefenthaler: Das Chormädchen als It-Girl

Das Hotel Bristol lud zur Christmas Lounge. Für die Musik verantwortlich war DJane Henrietta Tiefenthaler, die gerade in Los Angeles Karriere macht.

Bristol Christmas Lounge Wien Hotel Bristol 16 12 2014 DJane Henrietta TIEFENTHALER
Bristol Christmas Lounge Wien Hotel Bristol 16 12 2014 DJane Henrietta TIEFENTHALER
DJane Henrietta Tiefenthaler – (c) imago/SKATA (imago stock&people)

Ihre schöne Mutter verdrehte in den Swingin' Sixties den attraktivsten Männern reihenweise den Kopf. Sie ging mit Peter Sellers aus, neckte Jimi Hendrix im Marquee Club und spazierte so nebenher durch die mondänen Kulissen des James-Bond-Streifens „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“. Erika Schicht, die als Modell den Namen Bergmann trug, war das, was man heute ein It-Girl nennt.

Tochter Henrietta Tiefenthaler trägt ganz offenbar dasselbe Gen in sich. Vor neun Jahren tauschte sie London gegen das sonnige L.A., wo sie seither in Musik, Mode und Verlagswesen umtriebig ist. Sie schrieb als Ghostwriterin eine Biografie von Anna Nicole Smith, dem tragisch ums Leben gekommenen Playmate, das berühmt wurde, als es 26-jährig den 89-jährigen Milliardär J. Howard Marshall heiratete. Die wurde zum Bestseller. Der frühe Tod von Smith führte bei diesem Kassenerfolg Regie.

Was kann man als junges Mädchen lernen von so einem letztlich patscherten Leben? „Dass man keine Drogen nehmen soll“, sagt Tiefenthaler. „Die mediale Aufmerksamkeit, die ihr zuteil wurde, war krass. Sie war ja im Grunde nur ein Playboy-Model.“ Sie selbst will mehr vom Leben als bloß Geld. „Es ist doch schon super, wenn du von dem leben kannst, das dir Spaß macht.“

Ihre Obsession ist die Musik. Schon als Kind war sie „Head of Choir“ im elitären englischen Internat. Sie reiste durch die Kathedralen der Insel und sang sich ihr Herz aus. Als junge Erwachsene brauchte sie einige Irrungen und Wirrungen, bis sie sich dieser frühen Leidenschaft wieder bewusst wurde. Doch wie anfangen in einer Stadt wie L.A., wo jede Kellnerin die Hoffnung hat, als Star zu enden?

Henrietta Tiefenthaler, die sich als Künstlerin schlicht Henri nennt, nahm ihr Faible für den deutschen Krautrock zu Hilfe. Im leicht dekadenten Hollywood Roosevelt Hotel legte sie die knisternden Scheiben des deutschen Siebzigerjahre-Underground auf: Can, Popul Vuh und Neu. Die Begeisterung war so groß, dass Tiefenthaler ermutigt war, weiterzumachen. Außerdem lernte sie an diesem Abend Jen Turner kennen, mit der sie die Band Thrillionaire gründete. Ein paar interessante Singles entstanden. „Leider hatten sämtliche Mitspieler (u.a. der berühmte Musikdesigner Marius de Vries) so viele andere Projekte gleichzeitig, dass da kein kontinuierliches Arbeiten möglich war“, seufzt sie heute.

Die repetitiven Elemente des Krautrock, die sie mit Thrillionaire subtil variierte, sie sind nun in ihren DJ-Sets zu finden. So auch bei ihrem ersten Auftritt in Österreich. Das Hotel Bristol lud sie ein, die Bristol Christmas Lounge musikalisch zu gestalten. In den neu eröffneten, dezente Noblesse abstrahlenden ehemaligen Räumlichkeiten des Corso sorgte die Mittzwanzigerin für subtile Klangerlebnisse, die geladenen Gästen von Modefrau Firuse Attar bis Investor Hannes Androsch die Frisuren elektrisch auflud.

 

Auf der New York Fashion Week

Henrietta Tiefenthaler kennt diese Art von zunächst eher steifen Gesellschaften. Sie mit musikalischen Strategien locker zu machen ist ihr sportliche Herausforderung. Gern wird sie zu den Partys der New York Fashion Week gebucht. Dort legte sie jüngst mit Isaac Ferry, dem Sohn des großen Bryan Ferry, auf. Bei aller Freude an dieser sozialen Tätigkeit, noch lieber tüftelt sie im Studio. Ihr erstes selbst geschriebenes Lied, das im Flüsterton vorgetragene „Wie geht's“, handelt noch vom wilden Leben ihrer Mom.

Die neue, unter dem Signet Henri erschienene Single, ist von entschieden elektronischer Anmutung. Mit „It's like this, it's like that“ realisiert sie das, worum es ihr in ihren DJ-Sets geht: um die behutsame Annäherung von Dance-Culture mit dem Popappeal der Top40. Nach Wien kommt sie leider nicht sehr oft. Dabei hat ihre Liebe zur Club-Culture einst hier ihren Ausgang genommen. „Als 15-Jährige hab ich einmal Kruder/Dorfmeister im Flex gesehen. Davon hab ich ich mich wohl nie mehr erholt.“

ZUR PERSON

Henrietta Tiefenthaler wurde als Tochter der Grazer Schauspielerin Erika Schicht in London geboren und tauchte schon dort in der Berichterstattung des „Tatler“ auf. Nach dem Studium ging sie nach Kalifornien. Sie hatte ein Stipendium fürs Lee Strasberg Institute, ist Sängerin, Produzentin, Songwriterin und Fashionista und legt auf Partys zwischen Hollywood und London auf.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.12.2014)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Henrietta Tiefenthaler: Das Chormädchen als It-Girl

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.