Skispielplatz: Über die Dächer von Bad Gastein

Heli Putz ist der Erfinder des Playstreets-Wettbewerbs: Dabei fährt und springt die Weltelite der Freestyle-Skifahrer mitten durch Gastein.

Heli Putz (rechts) mit seinen Mitarbeitern Christoph Sonnleitner (l.) und Klaus Kain.
Heli Putz (rechts) mit seinen Mitarbeitern Christoph Sonnleitner (l.) und Klaus Kain.
Heli Putz (rechts) mit seinen Mitarbeitern Christoph Sonnleitner (l.) und Klaus Kain. – (c) Privat

Rund 15 Lkw-Ladungen Bauholz, 22.000 Schrauben, etliche Tonnen Schnee: Das sind nur einige jener Zutaten, mit denen Heli Putz seit Wochen das Ortszentrum von Bad Gastein in einen Abenteuerparcours für waghalsige Skifahrer umwandelt.

Der Oberösterreicher baut den Parcours, auf dem die Weltelite der Freestyle-Skier nächste Woche ihre Tricks und Sprünge zeigen wird. Der Extremsportler und Unternehmer ist der Erfinder der (wenig überraschend von Red Bull gesponserten) Playstreets, die am 14. Februar in Bad Gastein das sechste Mal über die Bühne gehen. Freerider, Eiskletterer und andere Outdoorextremisten sind meist irgendwo ganz allein unterwegs. „Ich habe etwas gesucht, um den Athleten auch ein Publikum zu bieten“, erzählt Putz im Gespräch mit der „Presse“. Menschen Entwicklungschancen zu ermöglichen ist dem 51-Jährigen seit Langem ein Anliegen.

Die Idee war, ein Ortszentrum in eine Art Spielplatz für Freeski-Fahrer zu verwandeln. Auf dass Zuschauer die atemberaubenden Sprünge der Sportler ganz aus der Nähe sehen und den Nervenkitzel dabei mitfühlen können. Dass es ausgerechnet Bad Gastein geworden ist, hat einen eher simplen Grund: „Es war der einzige Ort, der uns gelassen hat“, sagt Putz. Allen anderen Städten und Gemeinden, denen er von der Idee erzählte, erschien das Ansinnen zu gefährlich. Und auch die Aussicht, dass monatelang mitten im Ort an riesigen Aufbauten gehämmert, gesägt und gebohrt wird, hat potenzielle Gastgeber abgehalten.

Schanzen, Brücken und Tunnel

Anfang Dezember hat Putz in Bad Gastein mit den Aufbauten für das diesjährige Freestyle-Spektakel begonnen. Er tüftelt wochenlang an einer spannenden und herausfordernden Abfolge von Schanzen, Brücken, Tunnel und Plattformen. Die Enge im Zentrum von Bad Gastein ist eine besondere Herausforderung. In der freien Natur haben die Freestyler viel Platz für ihre Tricks.

Die Sprünge folgen bei den Playstreets ganz kurz hintereinander, es gibt keine Verschnaufpause für die Rider, wie die Sportler in dieser Disziplin genannt werden. Beim Bau der knapp 500 Meter langen Strecke achtet Putz genau darauf, dass die Balance zwischen spektakulärer Herausforderung und größtmöglicher Sicherheit gehalten wird. Deshalb ist der Aufbau des Parcours auch Chefsache.

Erfahrung in der Szene der Extremsportler bringt der 51-jährige gelernte Tischler aus Bad Goisern reichlich mit. Ihn zog es schon früh weg vom elterlichen Betrieb hinaus in die Welt zu den hohen Bergen und steilen Wänden. Er war auf Achttausendern, hat als Freerider nach immer noch steileren und spektakuläreren Abfahrten gesucht, die Ausbildung zum Canyoningguide und den Fallschirmflugschein gemacht. Den jungen Extremsportlern, die heute in der Szene aktiv sind, bescheinigt der gelernte Bergführer, dass sie sehr risikobewusst seien und verantwortungsvoll mit Gefahren umgehen. Auch die Ausrüstung und die technischen Möglichkeiten haben sich in den vergangenen 20, 30 Jahren völlig geändert. „Wir haben über die hohen Berge praktisch nichts gewusst“, sagt Putz.

Wenn der Oberösterreicher, der mit seiner Firma Outdoor Leadership Trainings für Firmen und Berg- und Skitouren anbietet, nicht für die Red Bull Playstreets arbeitet, dann ist er oft bei Filmproduktionen dabei. Er kümmert sich beispielsweise für die TV-Serie „Die Bergretter“ um die Logistik. Auch bei Kletter- und Freeridefilmen ist er immer wieder für Sicherheitstechnik verantwortlich. Und: „Dort, wo kein Kameramann mehr hinkommt, übernehme ich auch die Kamera“, erzählt er.

In den nächsten Tagen feilt er noch an den letzten Details für den Parcours in Bad Gastein. Dass das Event, auf das er mit seinem Team monatelang hinarbeitet, in wenigen Stunden vorbei ist, stört ihn nicht. Schließlich geht es ihm auch in den Bergen nicht unbedingt um den Gipfelsieg. „Für mich war immer der Weg das Interessanteste“, sagt der Mann hinter dem Abenteuerparcours im Herzen von Bad Gastein.

Zur Person

Heli Putz wurde 1964 in Bad Ischl geboren, lebt in Bad Goisern und ist gelernter Tischler. Heute gibt es vom Freeriden über Fallschirmspringen bis zum Eisklettern kaum eine Sportart mit Nervenkitzel, die er noch nicht probiert hat. Er hat diverse Bergexpeditionen unternommen, ist Bergführer und bietet Firmentrainings. Bereits zum sechsten Mal veranstaltet er die Red Bull Playstreets: Von der Startrampe auf einem Hausdach zwischen dem Salzburgerhof und der Villa Orania geht es quer durch den historischen Ortskern: 14. Februar, Bad Gastein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.02.2015)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Skispielplatz: Über die Dächer von Bad Gastein

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.