Patricia Aulitzky: „Ich bin eine moderne Nomadin“

Heute tritt Patricia Aulitzky als „Lena Lorenz“ den Dienst im ORF an. Was diese „moderne Heimatfilm“-Rolle mit ihr zu tun hat, sagte sie der „Presse“.

Lena Lorenz - Willkommen im Leben
Lena Lorenz - Willkommen im Leben
Lena Lorenz - Willkommen im Leben – (c) ORF (Thomas R. Schumann)

Immer wieder träumt Lena Lorenz vom Land. Wie Heidi tanzt sie über die grüne Wiese, doch wenn sie aufwacht, ist sie wieder in Berlin. Die Großstadt steht in der ORF/ZDF-Heimatfilm-Reihe „Lena Lorenz“ für Stress und Workaholics, Beziehungsprobleme und den (Alb-)Traumjob der überlasteten Hebamme. „Wenn ich noch einmal Vivaldi höre, kriege ich einen Schreikrampf“, mault Lena – stattdessen packt sie die Koffer und besucht ihre Mutter auf dem Bauernhof. Doch auch das Landleben hat seine Tücken... von der Verklärung traditioneller Heimatfilme keine Spur. „Das ist ja auch nicht unbedingt ein Heimatfilm“, findet Patricia Aulitzky, die heute um 20.15 Uhr in ORF2 als Lena Lorenz Premiere hat. „Das ist ein moderner Film über eine junge, starke, unabhängige Frau, der in den Bergen spielt.“ Die Themen seien aktuell – von der Teenager-Schwangerschaft bis zum homosexuellen Stallburschen.

Heimatsuche als zentrale Frage

„Ich fühle mich wohl in der Rolle“, sagt die gebürtige Salzburgerin. Sie könne sich gut in Lena hineinfühlen. „Einer ihrer großen, zentralen Konflikte ist die Frage: Wo bin ich zu Hause? Was ist Heimat für mich? Wo gehöre ich hin, und wo will ich hin?“ Dieser innere Konflikt mache die Story „vielschichtig und spannend“. Sie kenne solche Gefühle, aber „es gibt große Unterschiede zwischen ihr und mir“. Sie selbst habe eine „international verstreute Familie“, sei „immer weit gereist“. „Ich kenne die unterschiedlichen Orte besser als die Figur Lena Lorenz. Und ich bin nicht auf einem Bauernhof groß geworden“, erzählt Aulitzky im Gespräch mit der „Presse“. Mit zehn übersiedelt sie mit ihrer Familie von Salzburg nach Innsbruck, nach der Matura sucht sie das Abenteuer, arbeitet mit Pferden und als Übersetzerin in Kanada, zieht mit dem Rucksack durch Südamerika, geht nach London, um Fotografie zu studieren. In Wien studiert sie Musical und Schauspiel. Heute lebt Aulitzky wie ihre Figur Lena Lorenz in Berlin. „Das hat sich aufgrund von Engagements so ergeben – ich war ja auch in L.A., wo ich ein Stipendium hatte, ein Jahr in London, in Köln, Düsseldorf und München – und jetzt bin ich in Berlin. Aber ich habe immer eine Wohnung in Wien, wo ich gern bin. Als Schauspielerin bin ich immer dort, wo die Jobs sind.“

Mit Lena Lorenz, die weder dort noch da perfekt hinpasst, könne man ihre Reiselust aber nicht vergleichen, sagt Aulitzky. „Als Schauspielerin habe ich einen anderen Lebensstil. Ich bezeichne mich gern als moderne Nomadin. Und ich habe den Vorteil, dass ich beides haben kann: Ich lebe in Berlin, und wenn ich Berge brauche, dann fahre ich nach Hause nach Tirol.“

„Berge, das ist Auszeit“

Diese Sehnsucht nach Heimat macht auch Serien wie den „Bergdoktor“ (mit bis zu 888.000 Zuschauern) erfolgreich. Warum die Leute das sehen wollen? „Ich glaube, dass die universelle Frage mitspielt: Was ist Heimat? Außerdem fühlen sich viele Menschen zu den Bergen und zur Natur hingezogen. Viele ziehen wieder aufs Land oder machen Ausflüge dorthin. Offensichtlich vermitteln Berge, wenn man sie in Filmen sieht, so etwas sind wie Auszeit – dass man sich frisch fühlt wie in der Natur.“ Selbst habe sie den „Bergdoktor“ nur einmal gesehen, „die Folge, in der ich mitgespielt habe“. Demnächst steht sie für den ORF-Landkrimi „Die Drachenjungfrau“ vor der Kamera, mit Omar Fasts Kinofilm „Remainder“ wird Aulitzky im Frühjahr auf Festivals begleiten. Privat schaut sie gern US-Serien und -Filme, „aber keine Horrorfilme oder Psychothriller, denn ich bin sehr sensibel“. Das hinderte die 35-Jährige nicht, in einer Horror-Persiflage mitzuspielen. Über „Attack of the Lederhosen-Zombies“ kann sie lachen. Ob sie dort ein Zombie ist? „Ich weiß nicht, ob ich das verraten darf.“

ZUR PERSON

Patricia Aulitzky (*1979 in Salzburg) lebte u.a. in Salzburg, Innsbruck, Kanada und London, studierte Musical und Schauspiel an den Performing Arts Studios in Wien. Sie spielte u. a. in „Soko 5113“ (ZDF), „Schnell ermittelt“ (ORF), „Alles außer Sex“ (Pro7), und in „Falco – Verdammt, wir leben noch!“. Für den ORF dreht sie demnächst den Landkrimi „Die Drachenjungfrau“.
In „Lena Lorenz“
spielt sie die Rolle der Berliner Hebamme Lena, die für eine Auszeit aufs Land zieht (8. und 15. 4., 20.15Uhr, ORF2).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.04.2015)

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