Shlomit Malka: Aus dem Leben eines Models

Sie interessiert sich nicht für Mode, hat das erste Angebot abgelehnt und zwei Jahre in der Armee gedient: Shlomit Malka, (Unterwäsche-)Model.

Shlomit Malka
Shlomit Malka
Shlomit Malka – Instagram (shlomitmalka)

Auf ihrem Facebook-Foto hat sie einen alten, grauschnauzigen Schäfermischling im Arm und lässt in synchroner Pose die Zunge heraushängen. Die Frau, die mit kunstvoll zerzausten Haaren flächendeckend in Österreichs Intimissimi-Geschäften hängt (und nicht nur dort): Sie hat Humor.

Testimonial nennt sich die Funktion, in der die Israelin aus Tel Aviv sich nicht nur in mehr oder weniger natürlichen Posen (am Fuß einer Treppe an die Wand gelehnt sitzend) fotografieren lässt, sondern manchmal auch spricht. Und wenn die rasant wachsende italienische Wäschemarke damit nicht nur Aufmerksamkeit generieren, sondern auch ein Frauenbild mitliefern möchte, dann ist es ein sympathisches.

Beim Interview im Café des Guesthouse in der Führichgasse – Malka ist gerade aus New York kommend gelandet und wurde eben in einem der Hotelzimmer noch ein wenig hübscher gemacht – liegt ihr Blick jedenfalls erst einmal auf dem großen schwarzen Hund neben dem Nachbartisch. Dann erkundet sie die Karte (gut, sie nimmt den gesunden, gelben Smoothie), und schildert, wie das mit dem Modeln begonnen hat.

Auf Facebook entdeckt

Ihrer Internet-Vita nach wurde sie auf Facebook entdeckt. Die eigene Selfie-Quote noch einmal zu erhöhen lohnt sich aber nicht: Tatsächlich, erzählt Shlomit Malka, habe ein befreundeter Fotograf einmal ein paar Fotos von ihr gemacht und gefragt, ob er sie auf seine eigene Facebook-Seite stellen dürfe. Das wiederum habe die Agentin einer Modelagentur gesehen und sie kontaktiert. Ob sie Model werde wolle, lautete die Frage. „Nein“, antwortete Malka. „Ich habe mich nie für Mode interessiert, ich habe nie davon geträumt und wollte nicht.“

Gut, am Ende hatte die Agentin die Schülerin mit Faible für Physik zu einem Probeshooting überredet, und siehe da, sie hatte Spaß. Unangenehm sei es freilich schon gewesen. „Man hat mir ins Gesicht und in die Haare gegriffen, alle waren viel zu nah.“ Gewöhnung half, inzwischen merke sie das gar nicht mehr. Für Mode, hält sie fest, interessiere sie sich bis heute nicht. „Ich lese auch keine Modemagazine. Die mache ich nur auf, wenn etwas von mir drinnen ist.“ Der Trend, sagt sie, wenn sie an die eigenen Bilder denkt, gehe in Richtung Natürlichkeit, weniger Make-up und Photoshop. „Ich habe mich jedenfalls immer wiedererkannt.“

Malkas Eltern stammen aus Russland und Marokko. Warum sie jeweils nach Israel ausgewandert seien? Malka schaut, als sei die Frage völlig obsolet. Weil es gut sei, ein eigenes Land zu haben. Die unterschiedlichen Herkunftskulturen hätten jedenfalls eine eigenwillige Mischung ergeben, schildert sie. „Auf russischer Seite ging es immer um Leistung, da wurde ich ständig nach Hausaufgaben und Noten gefragt.“ Bei den Marokkanern sei die Familie das beherrschende Thema. Nach der Schule diente sie die üblichen zwei Jahre in der Armee. Da gebe es zwei Aspekte, sagt sie. „Erstens ist es natürlich traurig, dass wir eine Armee brauchen.“ Zweitens sei es aber eine ganz eigene Erfahrung gewesen. Disziplin und Durchhaltevermögen lerne man da. „In einer Welt, in der sich alles um Individualismus und Eigenständigkeit dreht, ist es schön, Leute zu sehen, die Zeit und Fähigkeiten geben, ohne etwas dafür zu erwarten.“ Manche geben ja selbst ihr Leben. Man lebe, sagt Malka, in Israel immer mit dem Gefühl, dass ständig etwas passieren kann. „Aber ich glaube, deshalb genießen wir den Moment umso mehr.“

Zur Person

Shlomit Malka stammt aus einer Familie marokkanisch-russischer Juden und wuchs in Tel Aviv auf. Sie war in internationalen Kampagnen u. a. für Ralph Lauren, L'Oréal oder Toshiba zu sehen. Für Intimissimi arbeitet sie als Model und Testimonial. Die italienische Wäschemarke ist ein Tochterunternehmen der Calzedonia-Gruppe, die 1987 von Sandro Veronesi als Strumpfgeschäft in Verona gegründet wurde.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.04.2015)

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